Marktoberdorf

Die Bachmuschel im Ettwieser Weiher ist nicht alles

Die in ihrem Bestand gefährdete Teichmuschel ist ganzjährig geschützt. Trotzdem ist die Stadt verpflichtet, alle paar Jahre den Bach zu säubern und vom Bewuchs zu befreien, damit das aus dem Ettwieser Weiher kommende Wasser abfließen kann.

Um den Erhalt der Bachmuschel geht es bei der kontroversen Diskussion, ob der Ettwieser Weiher in Marktoberdorf heuer aufgestaut werden kann oder nicht.

Bild: Rosemarie Klimm

Um den Erhalt der Bachmuschel geht es bei der kontroversen Diskussion, ob der Ettwieser Weiher in Marktoberdorf heuer aufgestaut werden kann oder nicht.

Bild: Rosemarie Klimm

Das Wasserwirtschaftsamt sagt, es gelte bei der Entscheidung um den beliebten Badeweiher alle Interessen zu berücksichtigen. Wer wofür  zuständig ist.

12.06.2020 | Stand: 12:41 Uhr

In der Debatte um den derzeit nicht aufgestauten Ettwieser Weiher in Marktoberdorf betonen beteiligte Behörden nun, wie wichtig es sei, die verschiedenen Interessen miteinander zu versöhnen. „Natürlich sollte die streng geschützte Bachmuschel am Bachunterlauf nicht trockenfallen“, sagt Pressesprecher David Kempter vom Wasserwirtschaftsamt Kempten. „Andererseits kann es nicht nur um die Bachmuschel gehen. Der Weiher sollte ebenso wenig trocken liegen!“

Das aber ist gerade der Fall, da der Weiher aktuell nicht aufgestaut wird, damit der angrenzende Bach nicht austrocknet und die dort lebende Muschelart nicht gefährdet wird (wir berichteten). Das Wasserwirtschaftsamt hebt aber nun – ähnlich wie es die Stadt tut – den ökologischen Stellenwert des „Ette“ als Biotop hervor sowie dessen Bedeutung als Badegewässer.

Daher müsse sich die Wasserabgabe vom Weiher an den Bach aus hydrologischer Sicht danach richten, was dem See überhaupt zufließt. „Da stellt sich schon die Frage: Kann der Ettwieser Weiher ohne richtige Zuflüsse überhaupt noch viel Wasser abgeben?“, sagt Behördensprecher Kempter. Zentral sei zudem die naturschutzfachliche Frage, ob man die Bachmuschel im Ettwieser Bach „im Hinblick auf immer mehr Trockenphasen“ überhaupt retten könne. „Denn fällt der Bach jetzt trotzdem trocken, ist durch den leeren See gar nichts gewonnen“, sagt Kempter. „Diese Frage können wir als WWA (Wasserwirtschaftsamt) aber nicht beantworten.“ Die zuständige Rechtsbehörde sei vielmehr der Untere Naturschutz am Landratsamt.

Runder Tisch findet zeitnah statt

Laut Wasserwirtschaftsamt ist es bei dem Thema jedenfalls geboten, „nun möglichst schnell einen runden Tisch aller Beteiligter anzuberaumen – und dabei unbedingt die betroffene Fischerei mit ins Boot zu holen“. Denn ein Interessenausgleich sei angesichts der zahlreichen Fragen, die sich beim Thema „Ette“ stellten, dringend notwendig.

Dieser Meinung ist auch die Regierung von Schwaben in Augsburg und betont, dass das Landratsamt Ostallgäu dafür bereits kurzfristig einen Termin abstimme. Auch laut Regierung ist übrigens das Landratsamt für den Aufstau, die weitere Weiher-Nutzung, die rechtliche Festlegung der Mindestwasserführung und den Biotopschutz der zuständige Ansprechpartner – auch wenn es sich dabei mit den Fachbehörden abstimme. So berate die Regierung etwa beim Thema Bachmuschelschutz die Kreisbehörde.

Umsiedlung wenig erfolgversprechend

Pressesprecher Karl-Heinz Meyer von der Regierung von Schwaben sagt aber auch, dass aus Sicht der Regierung zur Sicherung des Bachmuschelvorkommens „eine möglichst große Mindestwasserführung im Ettwieser Bach wünschenswert“ sei. Für eine Muschelumsiedlung indes, wie sie die Stadt beantragt hat, bräuchte man eine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung. Auch diese könnte die Bezirksregierung erteilen. „Die Erfolgschancen einer solchen Maßnahme sind aber sehr gering. Nach fachlicher Einschätzung würde der Muschelbestand im Ettwieser Bach voraussichtlich nicht überleben“, sagt Meyer.

David Kempter vom WWA weist noch darauf hin, dass auch unglückliche Zufälle zum „Ette-Dilemma“ führten. „Bei einem feuchten Frühjahr wäre der Weiher jetzt voll. Zudem musste die Stadt den Wasserspiegel des Sees ja extra senken, um die Hochwasserentlastungsanlage nachzurüsten.“ Aus WWA-Sicht habe es dazu aber keine Alternative gegeben. „Das ist eine Sicherheitsfrage, damit der Damm bei Hochwasser sicher steht und nicht überronnen wird oder gar bricht.“