Fische vor dem Aussterben retten

Die Marktoberdorfer Fischer wollen den "Nasen"-Fischen in der Wertach erneut ein Heimat geben

Fischereiverein

Der Fisch des Jahres 2020 für die Wertach: Fabian Tschauner, Jonathan Huth und Thomas Sohr (von links) setzen in Marktoberdorf Nasen ins Gewässer ein.

Bild: Stephan Sohr

Der Fisch des Jahres 2020 für die Wertach: Fabian Tschauner, Jonathan Huth und Thomas Sohr (von links) setzen in Marktoberdorf Nasen ins Gewässer ein.

Bild: Stephan Sohr

Der Verein setzt 25.000 der karpfenartigen Fische ein. Er hofft, dass sie sich bald wieder vermehren. Denn die "Nasen" sterben nicht nur in der Wertach aus.
17.11.2021 | Stand: 05:30 Uhr

Der Fischereiverein Marktoberdorf hat bei einem Modellprojekt 25 .000 junge Nasen in die Wertach eingesetzt. Die Nase ist nicht nur ein Sinnesorgan für Mensch und Tier, sondern auch der Name für den Fisch des Jahres 2020, eine Art aus der Gruppe der karpfenartigen Fische. Seinen Namen bekam der Fisch im Jahr 1758 wegen seines hornartig verstärkten Mauls, vor allem der Oberlippe, mit der er Algen vom Kies abschabt.

Vor 60 Jahren haben die Marktoberdorfer Fischer die "Nasen" zum Oktoberfest noch tonnenweise verkauft

Vor 60 Jahren gab es in der Wertach noch so viele Nasen, dass der Fischereiverein sie tonnenweise als „Steckerlfisch“ nach München zum Oktoberfest verkaufte. Heute ist die Nase in der Wertach praktisch ausgestorben. Sie ist bayernweit gefährdet, weil sie sehr stark auf sauberes, schnell fließendes Wasser angewiesen ist und Stauwehre den bis zu 50 Kilometer weiten Laichzug verhindern. Eine natürliche Vermehrung war laut Fischereiverein nicht mehr möglich.

Inzwischen gibt es Verbesserungen, Aufstiegshilfen (Fischtreppen) wurden gebaut, an vielen Stellen die Wertach renaturiert. Die Wasserqualität und die Lebensbedingungen für Fische wurden besser. Darum hat der Fischereiverein Marktoberdorf – als einziger Verein in Schwaben – vor zwei Jahren ein Modellprojekt gestartet, um die Nasen in der Wertach wieder anzusiedeln.

Marktoberdorfer Fischer zogen 130.000 Brütlinge in eigenen Aufzuchtgewässern groß

Vom Fischereihof des Bezirks Schwaben in Salgen kaufte er 130.000 Nasenbrütlinge und zog sie in eigenen Aufzuchtgewässern groß. Wie der Verein in einer Pressemitteilung berichtet, wurde die erste Gruppe von circa 25.000 jungen Nasen im Wert von 35.000 Euro nun kürzlich in die Wertach eingesetzt – „unter begeisterter Mithilfe der jüngsten zukünftigen Gewässerwarte“. Geplant ist der regelmäßige Besatz mit den selbst aufgezogenen Nasen, bis sich diese – dann hoffentlich von selbst – wieder in der Wertach vermehren können. Die jungen Vereinsmitglieder wollen im nächsten Jahr wieder mithelfen und bis dahin die Fischtreppen der Wertach in Ebenhofen und die Aufzuchtweiher genau im Auge behalten.

Ein großes Anliegen des Fischereivereins ist es, die Fischarten in der Wertach wieder anzusiedeln, die es schon mal dort gab. Sie sind durch menschliche Einflüsse verschwunden. Nasen sind Vegetarier, als Hauptnahrung grasen sie Kies und Steine ab und reinigen sie von den dort wachsenden Algen. Damit verbessern sie die Standortbedingungen für Forelle, Äsche und Huche (Donaulachs), die saubere Kiesbette für ihre Eiablage in dort gegrabene Laichgruben brauchen. Ohne Nasenbrut gibt es keine Huchen – die jungen Nasen schlüpfen so zeitgerecht, dass die Huchenjungbrut gerade ausreichend Futter in ihnen vorfindet.

In Marktoberdorf bekannt ist das Negativbeispiel der Bachmuschel im Ettwieser Bach

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In Marktoberdorf bekannt ist das negative Beispiel der Bachmuschel im Ettwieser Bach: Ohne passende kleine Wirtsfische (Elritzen, Groppen), an deren Kiemen sich die jungen Bachmuscheln mitnehmen und miternähren lassen, gibt es keine Vermehrung der Muscheln. Will man die Artenvielfalt in heimischen Gewässern erhalten oder wiederherstellen, gelingt das nur, wenn sich die Fische und Muscheln wieder selbst vermehren können.

2022 will der Fischereiverein Marktoberdorf dann an einem Artenhilfsprogramm für Nasen teilnehmen. Bisher hat er das gesamte Pilotprojekt nur mit Eigenmitteln und Spenden finanziert. Der Verein bietet auch Fördermitgliedschaften an, deren Beiträge für solche Projekte verwendet werden.

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