Geschichte des Freischießens in Obergünzburg

Die Pandemie "verhagelte" das Freischießen in Obergünzburg - Warum das Fest vor 213 Jahren schon einmal ausfiel

Freischießen Obergünzburg

Die heutigen historischen Obergünzburger Trachten gleichen denen vor 210 Jahren.

Bild: (AKH) Arbeitskreis Heimatkunde/Archiv

Die heutigen historischen Obergünzburger Trachten gleichen denen vor 210 Jahren.

Bild: (AKH) Arbeitskreis Heimatkunde/Archiv

Das große Freischießenfest in Obergünzburg musste von 1804 bis 1807 pausieren. Und vor genau 213 Jahren wurde es wieder zu neuem Leben erweckt.
04.09.2021 | Stand: 14:00 Uhr

Hat voriges Jahr 2020 das Coronavirus dem Markt Obergünzburg das Freischießenfest „verhagelt“, so hätte dieses Jahr der Dauerregen – zusätzlich zu der immer noch andauernden Pandemie – mitgeholfen. Vor 217 Jahren jedoch verhinderte ein Großbrand 1804 gleich auf Jahre das Fest. Denn von den Folgen des Feuers war nicht zuletzt die „Schwanen“-Wirtschaft als Schießstätte betroffen, die damals auf der Stelle der heutigen „Alten Post“ stand.

So zu lesen ist das in dem Bericht von Hermann Epplen in der Ostallgäuer Heimat – Beilage Nr.8/1961 für Heimatpflege vom Auerberg bis Burg Stein im Landkreis Marktoberdorf.

Warum es in der damals neuen Wirtschaft in Obergünzburg keinen Schießstand gab

Der damalige „Schwanen“-Wirt Johann Weichsler verkaufte die Brandstätte an das Stift Kempten, kaufte dann das Siechen- oder Gut-Leute-Haus am Nordende des Marktes und errichtete dort dann die neue Wirtschaft „Zum Schwanen“.

Neben der alten Wirtschaftsbehausung am Alten Markt war vor dem Brand in einem Grasgarten die allgemeine Schießstätte errichtet worden, für welche der Schwanenwirt zu sorgen hatte, wofür ihm aber auch die Schützenzehrungen zugute kamen. Weichsler versuchte nun, die Schießstätte zu seiner neuen Wirtschaft zu ziehen, wozu er aber keine amtliche Genehmigung erhielt.

Im Jahre 1808 taucht dessen Nachfolger, der neue Schwanenwirt Benedikt Leger auf, der den Gedanken seines Vorgängers aufgriff, und der tatsächlich die Erlaubnis erhielt, bei der neuen Schwanen-Wirtschaft private Schießen abhalten zu dürfen. Vom 4. bis 6. September 1808 veranstaltete er darauf mit Genehmigung des Landgerichts ein großaufgezogenes Freischießen, verbunden mit einem ebenso großzügigen Preiskegelschieben.

Diese im Heimatmuseum ausgestellten Historischen schwäbischen Trachten dürften auch 1808 getragen worden sein.
Diese im Heimatmuseum ausgestellten Historischen schwäbischen Trachten dürften auch 1808 getragen worden sein.
Bild: Hermann Knauer

Schützengesellschaften Augsburg und Tettnang hatten Interesse am Obergünzburger Freischießen

Lesen Sie auch
##alternative##
Stadtgeschichte

Als in Memmingen die Post abging

Solche Freischießen sind von der Schützengesellschaft Obergünzburg seinerzeit des Öfteren abgehalten worden, und die hinausgegebenen Einladungen zeigen, dass Schützengesellschaften bis aus Augsburg, Ravensburg, Leutkirch, Isny, Tettnang, Babenhausen, Ochsenhausen, Memmingen, Mindelheim und natürlich Oberdorf für das Obergünzburger Freischießen Interesse zeigten.

Aufgrund des großen Interesses lobte der Schwanenwirt ansehnliche Preise aus und ließ für die beiden Veranstaltungen eigene Programme drucken. Die Anziehungskraft des Schützenfestes auf die Freunde des Schieß- und Kegelsports aus nah und fern war riesengroß. Mit gnädiger Bewilligung des Königlich Bayerischen Landgerichts Obergünzburg durfte nun der Schwanenwirt Johann Leger bei seiner Wirtschaft ein allgemeines Freischießen abhalten – „beginnend am Morgen des 4. September 1808 um 10 Uhr“.

Landgericht erlaubt das Freischießen in Obergünzburg - stellt aber Bedingungen

Es durfte laut Landgericht die folgenden Tage, also den 5. und 6. September 1808, fortgesetzt werden, musste aber am 6. dann auch „geendet werden“. Und so geschah es, wie zu lesen war: „Die Pünktlichkeit und redliche Verwaltung, als auch die Aufrechterhaltung guter Ordnung auf die hiesig bestehende Schützen-Ordnung mag zur Zufriedenheit eines jeden Schützen gereichen.“

Nebst diesem Schießen wurde ebenso mit Bewilligung des Königlich Bayerischen Landgerichts auch ein ansehnliches Kegelschieben angeboten. Dieses Kegelschieben wurde am 4., 5., 6. und 7. September 1808 abgehalten – und musste am 7. beendet werden.

Auch bei diesem Kegelschieben waren große Preise zu gewinnen, wobei das Leggeld 1000 fl. (Gulden) betrug. Für das erste und beste Schiebeergebnis war ein Ochs für 112 fl. ausgelobt. Sollte dem Herrn Bestgewinner der Ochs allerdings nicht gefällig sein, so wurden ihm seinerzeit statt dessen 100 fl. ausbezahlt.

Lesen Sie auch: