Coronakrise

Die Wut der Unternehmer rund um Marktoberdorf wächst

Die Unternehmer im Ostallgäu sind sauer auf die Politiker. Sie erwarten eine Prognose, wann es wieder zu Lockerungen kommen kann.

Die Unternehmer im Ostallgäu sind sauer auf die Politiker. Sie erwarten eine Prognose, wann es wieder zu Lockerungen kommen kann.

Bild: Oliver Berg, dpa (Symbolbild)

Die Unternehmer im Ostallgäu sind sauer auf die Politiker. Sie erwarten eine Prognose, wann es wieder zu Lockerungen kommen kann.

Bild: Oliver Berg, dpa (Symbolbild)

IHK-Regionalversammlung von Kaufbeuren und Ostallgäu fordert Ende der Lockdown-Strategie. Was die Unternehmer an der bisherigen Politik besonders wurmt.
17.02.2021 | Stand: 14:07 Uhr

Die aktuelle IHK-Konjunkturumfrage zeigt: Die Wirtschaft steht vor einem weiteren Krisenjahr – auch im Ostallgäu und in Kaufbeuren. Angesichts dieser Lage und der erneuten Verlängerung des Lockdowns bis zum 7. März fordert die IHK-Regionalversammlung Kaufbeuren und Ostallgäu eine konkrete Öffnungsperspektive für die Betriebe. „Es ist schwer vermittelbar, dass Unternehmen, in denen praktikable Hygienemaßnahmen bestehen, teilweise monatelang geschlossen bleiben müssen“, sagt IHK-Vizepräsident Gerhard Schlichtherle. „Die Maßnahmen der Politik zum Gesundheitsschutz der Bevölkerung waren richtig und konsequent“, betont Schlichtherle. Jetzt aber gelte es, unter Beachtung aller weiteren Hygiene- und Schutzmaßnahmen nach vorne zu schauen.

Es geht um tragende Säulen der Wirtschaft

Peter Leo Dobler, Vorsitzender der IHK-Regionalversammlung, fordert, die wirtschaftliche und gesellschaftliche Existenzgrundlage als Gesamtsystem wieder stärker in den Fokus zu rücken. Die vielen kleinen und mittelständischen Betriebe, aber auch die Gesundheitsdienstleister, die Gastronomie, der Einzelhandel oder die Hotellerie seien tragende Säulen der Gesellschaft. „Sie brauchen eine verlässliche Perspektive, um Insolvenzen und Existenzverluste zu verhindern. Das fehlt nach wie vor“, sagt Dobler.

Auffällig sei die Polarisierung zwischen den Unternehmen: Während einige Wirtschaftszweige – darunter die Bauwirtschaft oder die Industrie – bislang robust durch die Krise gekommen sind, leiden andere Branchen massiv. „Die Situation ist mehr als ernst“, sagt etwa Gottfried Csauth, Geschäftsführer der Betriebsgesellschaft der Aktienbrauerei Kaufbeuren GmbH. „Der anhaltende zweite Lockdown hat das Brauereigeschäft viel stärker getroffen als der erste.“ Csauth berichtet von Umsatzeinbußen allein im Januar von mehr als 50 Prozent. „Wir kämpfen mit gravierenden und beängstigenden Einschnitten. Das Schlimmste aber ist, dass wir keinerlei Prognosen oder gar Planungen für die nahe Zukunft machen können.“

Vertrauen in Politik verloren

Wolfgang Thoma von der Spedition Ansorge in Biessenhofen sagt: „Die Menschen haben das Vertrauen in die Politik verloren. Impfchaos und teilweise unverständliche Restriktionen zur Eindämmung von Corona haben zu einer tiefen Perspektivlosigkeit in der Bevölkerung geführt.“ Auch er fordert eine Öffnungsstrategie. Niko Stammel, Geschäftsführer des Textilhauses Stammel in Buchloe, berichtet, dass die bisherige Akzeptanz für die Corona-Einschränkungen in seinem Betrieb allmählich schwinde. „Vor allem bei meinem Personal wächst die Unruhe, da ich ihnen keine Planungssicherheit geben kann.“ Dabei sei der Handel alles andere als untätig gewesen und warte mit kreativen Konzepten auf.

Das sieht Horst Hermann, Geschäftsführer der Georg Jos. Kaes GmbH und Betreiber der V-Märkte in der Region, ähnlich: „Der Handel ist in den vergangenen Monaten sehr verantwortungsbewusst mit der Situation umgegangen. Offene Geschäfte waren nie Treiber der Pandemie.“ Kaes ist einer der größten Ausbildungsbetriebe in Schwaben. Auch für die Sicherung des Fachkräftenachwuchses sei es wichtig, dass man den Betrieben einen Fahrplan aufzeige, wie Normalität wieder möglich ist, sagt Hermann.

Andere Themen vernachlässigt

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Die Unternehmer in der Region kritisieren zudem, dass längst überfällige Themen in der Corona-Diskussion vernachlässigt werden. Dazu gehört der versprochene Bürokratieabbau oder Steuerentlastungen. Auch das Thema Energiewende bleibe auf der Strecke, klagt Stefan Fritz, Geschäftsführer der Vereinigte Wertach- Elektrizitätswerke GmbH. „Als Energieversorgungsunternehmen sehen wir mit Sorge, dass Corona die politische Aufmerksamkeit verschiebt. Die Energiewende erfolgt nicht in der Geschwindigkeit, wie es notwendig wäre.“ Das könnte langfristig zu weiteren Belastungen für den Mittelstand führen.