Bundestagwahl 2021

Digitaler Wahlkampf: So präsentieren sich die Ostallgäuer Kandidaten auf Facebook, Twitter, Instagram und Co.

In Corona-Zeiten sind Wahlkampfveranstaltungen vor Ort kaum möglich. Wie also die Botschaft an die Wählerinnen und Wähler bringen? Die Alternative: übers Internet.

In Corona-Zeiten sind Wahlkampfveranstaltungen vor Ort kaum möglich. Wie also die Botschaft an die Wählerinnen und Wähler bringen? Die Alternative: übers Internet.

Bild: Tobias Hase, dpa (Symbolfoto)

In Corona-Zeiten sind Wahlkampfveranstaltungen vor Ort kaum möglich. Wie also die Botschaft an die Wählerinnen und Wähler bringen? Die Alternative: übers Internet.

Bild: Tobias Hase, dpa (Symbolfoto)

In Corona-Zeiten müssen die Kandidaten im Wahlkampf verstärkt auf das Internet und soziale Medien setzen. Wie präsent die Politiker auf den Plattformen sind.
21.09.2021 | Stand: 18:53 Uhr

Wenige Tage vor der Bundestagswahl wissen viele Wahlberechtigte noch nicht, wo sie ihre beiden Kreuzchen setzen. Begründung: Sie fühlen sich nicht ausreichend informiert. In Zeiten von Corona waren nur eingeschränkt Präsenzveranstaltungen möglich. Die Allgäuer Zeitung untersuchte deshalb, wie sich die Direktkandidaten im Wahlkreis 257, der auch das Ostallgäu und Kaufbeuren umfasst, im Internet präsentieren, ihre regionalen Anliegen an den Wähler und die Wählerin bringen und wie sie soziale Medien bedienen. Die Ausgangslage war bei allen die selbe: Der Wähler und die Wählerin kennt den Direktkandidaten nicht. Also standen im Fenster der Suchmaschine zwei Begriffe: Name der Partei und Ostallgäu. In allen Fällen verwies das Ergebnis auf eine mehr oder weniger gut gepflegte Parteienseite, meist des Kreisverbands. Wobei: Wenn dort die aktuellste Meldung aus dem Jahr 2019 stammt, ist das irritierend.

Dieser Direktkandidat hat in Sachen Internet die Nase vorn

Die weitere Suche nach dem jeweiligen Direktkandidaten oder der Kandidatin ist manchmal kompliziert. Einige Parteien setzen die Person gleich auf die Startseite, verweisen oft auf die eigene Seite des Bewerbers, was alles einfacher und benutzerfreundlicher macht. Bei anderen muss man teilweise umständlich über diverse Reiter in der Kopfleiste oder auf der Basis suchen.

Nach der Auswertung ihrer Auftritte auf den verschiedenen Kanälen gibt es eine ganz klare Siegerin: Bundestagsabgeordnete Susanne Ferschl von den Linken. Mit einigen Abstrichen folgt Abgeordneter Stephan Stracke von der CSU.

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So setzen die Direktkandidaten den Internetauftritt um:

Alexander Abt (ÖDP):

  • Webseite: Keine eigene Seite. Vorstellung nur über Seite des Kreisverbands. Keine Information über direkte Erreichbarkeit, nur Kontaktformular.
  • Facebook: Vieles geteilt, wird regelmäßig aktualisiert. Wenig Wahlkreispolitik. Terminliste. Bietet Chatkontakt über WhatsApp an.
  • Instagram: Nichts zu finden.
  • Twitter: Auf der Plattform Twitter ist über den Direktkandidaten der ÖDP nicht viel zu finden – außer ein Video der Europawahl 2019.

Christian Armster (Die Partei):

  • Webseite: Keine eigene, nur die des Kreisverbands. Parteitypisches Wahlprogramm für die Region, Beispiel: eine Mauer um Kaufbeuren. Kontakt über Kreisvorsitzenden.
  • Facebook: Ist die des Kreisverbands. Auch ohne Termine.
  • Instagram: Christian Armster hat keinen eigenen Instagram-Account.
  • Twitter: Armster hat keinen Account, jedoch haben andere Medien ihn verlinkt – beispielsweise ein Porträt der Allgäuer Zeitung sowie ein Bericht der Süddeutschen.

Mariana Braunmiller (FW):

  • Webseite: Auf ihrer Seite drei Schlagworte mit Verlinkung für nähere Informationen. Stellt sich und ihre Ziele, teilweise auch für ihren Wahlkreis, vor. Leere Terminseite. Kontakt nur über Formular.
  • Facebook: Vorwiegend persönliche Fotos, wo sie war und was sie macht. Keine politischen Inhalte.
  • Instagram: Braunmiller teilt sowohl politische als auch persönliche Momente.
  • Twitter: Beiträge von den Freien Wählern.

Kai Fackler (FDP):

  • Webseite: Eigene Homepage, nur eine untergliederte Seite. Vorstellung in Wort und Video samt Lebenslauf. Nur Verweis auf das Parteiprogramm. Außer der Forderung nach besserer Digitalisierung im Unterallgäu nichts aus dem Wahlkreis. Keine Terminangaben.
  • Facebook: Wahlwerbespot mit ihm, sogar mit Untertiteln. Ein paar Veranstaltungen genannt. Seite nur unregelmäßig gepflegt.
  • Instagram: Jüngster Kandidat in der Runde, doch auf Instagram offiziell erst seit einem Jahr. Elf Beiträge. Über Reiter „Forderungen“ und „Wahlkampf“ zu politischen Inhalten. Teilt auch private Inhalte.
  • Twitter: Seit Juli 2021 aktiv. 16 Tweets seitdem geteilt.

Susanne Ferschl (Die Linke):

  • Webseite: Ausführliche Seite, von Lebenslauf bis Wahlprogramm und Video. Arbeitet viel mit Pressemitteilungen, auch aus ihrem Wahlkreis. Bericht über ihre Arbeit im Bundestag samt Reden. Mehrere Kontaktmöglichkeiten angegeben.
  • Facebook: Reine Abgeordneten- und Wahlkampfseite. Wird fast täglich aktualisiert, oft auch mehrfach. Dort auch Veranstaltungskalender und Kontaktmöglichkeiten.
  • Instagram: Ihre Premiere bei Instagram hatte Ferschl im Juni 2019. Seitdem teilt die Politikerin, was das Zeug hält. Ferschl gibt einen umfassenden Einblick in ihre Arbeit. Über 1300 Nutzer folgen ihr. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende gibt anhand kurzer Videos aus dem Bundestag eine Übersicht über ihre Standpunkte. Zwischendurch teilt sie auch private Momente, zum Beispiel ein Urlaubsbild aus Schweden.
  • Twitter: „Twitter selbst“ hat Ferschl in ihrer Twitter-Biografie stehen. Dort nutzt sie die volle Bandbreite: Sie kontert, informiert und schlägt die Werbetrommel.

Christiana Hofer (V-Partei 3):

  • Webseite: Lediglich Foto auf der Seite des Regionalverbands Allgäu.
  • Facebook: Nur über ihren Namen zu finden. Viele Posts, nicht nur politische. Keine politischen Aussagen außer über geteilte Beiträge.
  • Instagram: Nichts zu finden
  • Twitter: Nichts zu finden

Regina Leenders (SPD):

  • Webseite: Eigene Seite mit Porträt und einigen Terminen, wo sie war und wo sie ist. Dazu Wahlkampffilm mit ihr. Beschreibung, was ihr in der Politik wichtig ist ohne Bezug zum Wahlkreis. Keine Kontaktdaten, nur Formular.
  • Facebook: Ist über ihre Seite verlinkt. Dort weitere Termine. Etliche eigene und geteilte Nachrichten; bemüht, häufig etwas zu posten. Kontakt nur über Messengerdienst.
  • Instagram: 311 Beiträge hat sie veröffentlicht. Teilt Urlaubsfotos, Videos von sich auf Demos oder wie sie in der Maske des Landestheaters Schwabens geschminkt wird.
  • Twitter: Kein eigener Account. Findet jedoch in Beiträgen ihrer Parteikollegen Erwähnung. So teilte der Parteivorsitzende Norbert Walter-Borjans ein Foto mit Leenders.

Florian Mayr (Die Basis):

  • Webseite: Auf der Seite des Kreisverbands Kurzvorstellung und Vereis auf Seite Landesverband. Dort eine Seite mit Porträt, Grund der Parteizugehörigkeit und Kontakt.
  • Facebook: Seite des Landesverbands. Nur einmal (25. August) per Foto vertreten.
  • Instagram: Etwa 150 Personen folgen Mayr auf Instagram. Mayr teilt aktuelle Beiträge in seiner Story und präsentiert seine Standpunkte.
  • Twitter: Mayr ist seit einem halben Jahr dort und hat 13 Follower

Christian Sedlmeir (AfD):

Stephan Stracke (CSU):

  • Webseite: Eigene Homepage mit ausführlichem Porträt, Kontaktdaten, Reden aus dem Bundestag und Terminen. Informationen über seinen Wahlkreis eher touristischer Natur. Schildert eine Arbeitswoche in Berlin. Themen, die er in seinem Wahlkreis anpackt, sind mit ein paar Klicks nicht zu finden.
  • Facebook: Sehr ausführlich, häufig aktualisiert, Mischung aus Politik und – wegen Wahlkampf – halb Privatem, Kontaktdaten vorhanden.
  • Instagram: Stephan Stracke präsentiert sich mit regelmäßigen Beiträgen auf der Plattform Instagram. Beim Treffen mit Bischof Bertram Meier oder bei der Einweihung des Denkmals für die Schnappschildkröte Lotti: Stracke lässt die Nutzer an seinem Terminen und Veranstaltungen teilhaben. Informationen über Politik und Partei finden sich auf Instagram viele – Fotos, auf denen Stephan Stracke nicht in Hemd und Jackett ist hingegen keine.
  • Twitter: Einen offiziellen Twitter-Account hat Stracke nicht. Beiträge über ihn lassen sich auf der Plattform trotzdem finden.

Daniel Pflügl (Grüne):

  • Webseite: Nicht über die Seite des Kreisverbands zu finden, nur über die Suchmaschine. Mehrere Videos mit Statements. Termine und Aktuelles, was er gemacht hat. Sehr persönliches Porträt, bei Politik nur allgemeine Ziele. Kontakt nur E-Mail.
  • Facebook: Reine Wahlkampfseite. Nicht jeden Tag aktualisiert und wenn, mit mehreren Beiträgen.
  • Instagram: Auf ein Selfie mit Katharina Schulze im Superman-Kostüm oder mit Mr. Paul Schröder den Sonnenuntergang genießen: Daniel Pflügl weiß die Plattform Instagram zu nutzen. „Good vibes, good politic“, schreibt Unterallgäus stellvertretender Landrat über ein Foto, das ihn beim Keyboardspielen zeigt. Wer sowohl politisch als auch persönlich mehr über Daniel Pflügl erfahren möchte, ist hier richtig. Übrigens: Mr. Paul Schröder ist Pflügls Kater und zugleich einer seiner besten Freunde, wie Pflügl schreibt.
  • Twitter: Einen persönlichen Twitter-Account hat Pflügl nicht. Wer nach dem Kandidaten sucht, wird trotzdem fündig. Die Grünen teilen Veranstaltungen und Berichte.