Zwischenbilanz

Ein Start mit Licht und Schatten für neue Eggenthaler Bürgermeisterin

Karina Fischer ist Kreisbäuerin und seit rund 100 Tagen Bürgermeisterin von Eggenthal. Die Landwirtschaft habe einen hohen Stellenwert in der Gemeinde, da sei es gut, Einblick in beide Bereiche zu haben.

Karina Fischer ist Kreisbäuerin und seit rund 100 Tagen Bürgermeisterin von Eggenthal. Die Landwirtschaft habe einen hohen Stellenwert in der Gemeinde, da sei es gut, Einblick in beide Bereiche zu haben.

Bild: Mathias Wild

Karina Fischer ist Kreisbäuerin und seit rund 100 Tagen Bürgermeisterin von Eggenthal. Die Landwirtschaft habe einen hohen Stellenwert in der Gemeinde, da sei es gut, Einblick in beide Bereiche zu haben.

Bild: Mathias Wild

Karina Fischer ist seit 100 Tagen Eggenthaler Bürgermeisterin. Den Coroana-Lockdown nutzte sie, um sich in Ruhe einzuarbeiten. Über Lockerungen ist sie froh.
20.08.2020 | Stand: 12:15 Uhr

„Der Kalender ist voller“, antwortet Karina Fischer auf die Frage, was sich in ihrem Leben verändert hat, seit sie Bürgermeisterin der 1357-Einwohner-Gemeinde (Stand: Dezember 2019) Eggenthal ist. Und das, obwohl der Start in ihre erste Amtszeit, wie bei allen neuen bayerischen Bürgermeistern, von Corona überschattet worden ist. Wegen der Pandemie seien viele Termine weggefallen, besonders schmerzlich für Eggenthal war die Absage des Bezirksmusikfestes im Mai.

Winken am Gartenzaun

Trotzdem versuchte Fischer, als Bürgermeisterin präsent zu sein – nur eben anders, als man es bisher gewohnt war. „Das fing schon damit an, dass ich die Jubilare in der Gemeinde nicht ohne Weiteres besuchen konnte“, sagt Fischer. Es sei ihr aber wichtig gewesen, trotzdem zu gratulieren, wenigstens vom Gartenzaun aus zu winken.

Auch sonst sei es gerade in der Anfangsphase schwierig gewesen, mit Bürgern in Kontakt zu treten. Mit den einen wechselt sie mal ein paar Worte, wenn sie vom Parkplatz in ihr Büro im Rathaus geht, andere trifft sie beim Spaziergang durchs Dorf. „Aber man spürt eine gewisse Hemmschwelle, durch den Abstand, die Masken“, sagt Fischer, Telefonisch oder per Mail sei sie die ganze Zeit erreichbar gewesen, doch die geschlossene Tür der Gemeindeverwaltung sei wohl für viele eine Hemmschwelle gewesen. Das wiederum habe aber den Vorteil gehabt, dass Fischer Zeit hatte, die vielen Informationen „quer durch alle Themenbereiche“, die auf sie einprasselten, zu verarbeiten. Dabei seinen ihr auch die Mitarbeiter in der Gemeindeverwaltung eine große Hilfe gewesen: „Die Zusammenarbeit mit dem Team ist super, ohne die wäre es schwierig für mich.“ Ihr Vorgänger Harald Polzer habe ihr in mehreren Besprechungen die Projekte erläutert, die aktuell laufen. „Der Start ist für mich durch Corona wahrscheinlich noch spannender geworden, andererseits hat es mir die Ruhe während des Lockdowns leichter gemacht, mich zu konzentrieren“, zieht Fischer ein erstes Resümee. Trotzdem ist sie froh, dass inzwischen wieder lockerer zugeht: „Ich möchte raus zu den Leuten.“

Drei Frauen im Rat

Neu ist nicht nur die Bürgermeisterin, auch der Gemeinderat hat sich stark verändert. Alle Mitglieder bringen sich laut Fischer sehr aktiv ein. Der Austausch laufe auch außerhalb der Sitzungen gut – selbst wenn sie in der WhatsApp-Gruppe spontan einem Ortstermin ansetzt, fänden sich unter den zwölf Mitgliedern immer sieben oder acht, die Zeit haben. Es sei gut, findet Fischer, dass im Gremium viele unterschiedliche Meinungen und Altersgruppen vertreten seien, „und das wir jetzt immerhin drei Frauen sind“. Vielfalt innerhalb des Rats sei wichtig, um auf die unterschiedlichen Menschen eingehen zu können, die zusammen eine Dorfgemeinschaft bilden. Zu der gehört für Fischer auch eine Schule am Ort, die man deshalb nicht leichtfertig aufgeben dürfe: „Was einmal zu ist, wird nicht wieder aufgemacht.“ Das Thema habe in den vergangenen Wochen viel Zeit gekostet und sie sei froh, dass die Schließung vorerst vom Tisch ist. Mehr dazu lesen sie hier.

Landfrauen im Chat

Fischer führt einen Bio-Heumilchbetrieb mit 80 Kühen und ist außerdem auch Kreisbäuerin im Ostallgäu. „Das alles geht nur, weil meine Familie unglaublich gut mitmacht“, räumt die 47-Jährige ein. In gewisser Weise sei der Corona-Lockdown hier ein Vorteil gewesen – „weil alle die ganze Zeit daheim waren“. Diese Phase habe auch gezeigt, dass nicht jede Besprechung eine Präsenzveranstaltung sein muss: „Wenn es nur darum geht, Infos auszutauschen, reicht oft eine Telefon- oder Videokonferenz.“ So seien etwa die Landfrauentreffen digital weitergelaufen. Vorteil: Dabei bleibe im wahrsten Sinne weniger Zeit auf der Stecke und mehr für ander Dinge, die Familie, das Bürgermeisterinnenamt. Und auch mit Blick auf den Klimaschutz müssen man sich fragen, ob es immer zwingend notwendig ist, dass man sich trifft. „Ich hoffe, diese Erkenntnis ist zumindest bei einigen Leuten angekommen.“ Was die fünffache Mutter noch lernen muss? „Den Terminplan nicht zu voll zu packen“, gesteht sie.