Fit für die Zukunft

„Eine aufstrebende Gemeinde“ - Wie Kraftisried wächst und investiert

Michael Abel Kraftisried Bürgermeister

Mit mehreren großen Projekten stellt sich Kraftisried für die Zukunft auf, sagt Bürgermeister Michael Abel

Bild: Heinz Budjarek

Mit mehreren großen Projekten stellt sich Kraftisried für die Zukunft auf, sagt Bürgermeister Michael Abel

Bild: Heinz Budjarek

Es rührt sich was in Kraftisried. Die Kommune stellt sich für die Zukunft auf. Bürgermeister Michael Abel sagt, welche wichtigen Projekte voran gebracht wurden.
17.07.2021 | Stand: 17:45 Uhr

Noch ist das Dienstzimmer von Michael Abel ein Raum im ersten Stock der Turnhalle. Doch nicht mehr lange. Wenn das neue Dorfgemeinschaftshaus fertig ist, zieht auch die Verwaltung um. Im Interview spricht der Kraftisrieder Bürgermeister Abel unter anderem über weitere große Projekte und wie die Gemeinde wachsen soll.

Herr Abel, wenn Sie einem Fremden Kraftisried beschreiben müssten. Was würden Sie sagen?

Abel: Kraftisried ist eine kleine, liebenswerte und aufstrebende Gemeinde. Wir sind in den vergangenen sechs Jahren deutlich gewachsen: von 711 auf 900 Einwohner. Die Gemeinde zeichnet sich durch ein reges Vereinsleben aus. Und die Bürger finden hier alles, was sie zur Grundversorgung brauchen: vom Bäcker über den Metzger bis hin zum Discounter.

Kraftisried bringt wichtige Projekte auf den Weg

Lassen Sie uns das Wort aufstrebend nochmal aufgreifen. Es rührt sich derzeit tatsächlich einiges in der Gemeinde, oder?

Abel: Ja, wir haben mehrere große Projekte auf den Weg gebracht. Zum Beispiel laufen gerade die Bauarbeiten für unser Dorfgemeinschaftshaus, in das wir etwa 3,5 Millionen Euro investieren. Das ist ein richtiger Meilenstein für die Gemeinde. Hier wird ja nicht nur die Gemeindeverwaltung unterkommen, sondern das Haus soll zur Heimat für unsere Vereine werden, zum Beispiel für die Schützen. Es ist aber auch noch Platz für andere. Das Dorfgemeinschaftshaus soll auch eine Wirtschaft beherbergen, sodass dort ein Treffpunkt für alle Bürger entstehen kann. Das Ganze ist wirklich ein Herzensprojekt von mir – ich bin jeden Tag auf der Baustelle (lacht).

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Wie gehen die Arbeiten voran?

Abel: Wir hatten zu Beginn eine Schlechtwetterphase, die uns eine wahnsinnige Verzögerung beschert hat. Aber wir holen auf und mittlerweile läuft es hervorragend. Derzeit wird am Kellergeschoß gearbeitet und in Kürze kommt die Decke drauf. Hoffentlich geht es so gut weiter, dann können wir Mitte nächsten Jahres einziehen.

Die Gemeinde bekommt auch eine Rettungswache

Kraftisried bekommt auch eine eigene Rettungswache. Wie kam es dazu?

Abel: Wir sind gefragt worden, ob wir uns das vorstellen können. Es gibt bislang in der näheren Umgebung nur Standorte von Rettungsdiensten in Marktoberdorf und Obergünzburg. Kraftisried ist für so ein Vorhaben ideal: Wir liegen zentral zwischen Marktoberdorf und Kempten. Da dachten wir: So eine Chance kommt nicht wieder! Und jetzt baut die Gemeinde für über eine halbe Million Euro die Rettungswache und vermietet sie an das Rote Kreuz. Die Wache wird anfangs nur tagsüber besetzt sein, wir hoffen aber auf eine Rund-um-die Uhr-Besetzung in Zukunft. Auf jeden Fall ist die Rettungswache das Beste, was uns passieren konnte! Der nächste Arzt praktiziert in Unterthingau. Mit dem Rettungsdienst vor Ort sichern wir zumindest die Notversorgung in Kraftisried.

Das Gebäude wird ja nicht nur die Rettungswache beherbergen ...

Abel: Im einen Teil ist die Wache und in den anderen Teil kommt unser neuer Bauhof. Das Ganze ist eine bauliche Einheit. Und der Bauhof hilft uns natürlich sehr. Denn es ist noch nicht lange her, da hatten wir in Kraftisried gar nichts, nicht mal eine Schaufel (lacht). So konnte es nicht weitergehen und wir haben in Geräte investiert. Im Bauhof können wir jetzt unseren Schlepper, das Wegepflegegerät sowie die handwerklichen Geräte unterbringen.

400  000 Euro hat die Gemeinde auch in die Wasserversorgung investiert...

Abel: Ja, das war auch ein großes Projekt, das bis Jahresende abgeschlossen sein soll. Wir hatten festgestellt, dass bei größeren Hitzeperioden unsere alte Quelle nicht mehr genügend Wasser liefern kann für die Versorgung von Kraftisried und Unterthingau. Jetzt haben wir eine neue Quelle gebohrt, die wirklich eine ganz hervorragende Qualität liefert und eine gute Schüttung aufweist – bis zu 1000 Kubikmeter am Tag. Die Quelle können wir in Notzeiten nutzen. Damit ist die Versorgung der Gemeinde mit Wasser gesichert.

Kraftisried hat Baugebiete ausgewiesen

Wie kam es, dass Kraftisried so stark gewachsen ist in den vergangenen Jahren?

Abel: Wir haben drei große Baugebiete ausgewiesen. Zuerst konnten sich nur Einheimische bewerben. Als dann jeder seinen Bauplatz hatte, haben wir das Gebiet freigegeben. Und so sind einige Familien aus dem Kemptener Raum zugezogen. Die waren sehr dankbar, dass sie bei uns einen Baugrund bekommen haben. Im Rückblick muss man sagen: Der Zuzug von Fremden schadet einem Dorf überhaupt nicht! Da kommt endlich mal frisches Blut rein. Die Neubürger haben sich total gut integriert, engagieren sich auch in den Vereinen und haben zum Beispiel in der Siedlung in Eigenleistung einen Spielplatz gebaut.

Soll Kraftisried weiter wachsen?

Abel: Ich sage mal so: Moderates Wachstum ist schön. Mir war es sehr wichtig, dass wir nicht unter die Marke von 700 Einwohnern fallen. Sonst hast Du nämlich unter Umständen ganz schnell ein totes Dorf. Weil die Vereine dann Nachwuchssorgen bekommen, Bäcker und Metzger aufhören. Mit 800 bis 1000 Einwohnern ist man als Gemeinde gut aufgestellt. Die Geschäfte bleiben und Vereine haben genügend Nachwuchs. Wie gut das alles bei uns läuft, sieht man auch am Zusammenhalt im Dorf. Wir haben zum Beispiel kürzlich eine Umfrage gestartet, wer denn freiwillig beim Bau des Dorfgemeinschaftshauses mithelfen würde. Daraufhin haben wir 154 Zusagen erhalten. Das ist wirklich enorm!

"Wenn mir etwas nicht gefällt, sage ich es"

Sie sind seit 2012 Bürgermeister. Wie haben Sie sich verändert?

Abel: Eine schwierige Frage. Ich habe ja mitten in der Wahlperiode angefangen, weil meine Vorgängerin krankheitsbedingt ausgeschieden ist. Mein Start war wirklich nicht leicht. Und so war ich in den ersten Jahren einfach nur dankbar für jede Unterstützung, die ich bekam. Da war ich dann bei manchen Sachen möglicherweise auch nicht so kritisch, weil ich dachte: Du kannst es Dir mit keinem verscherzen, denn Du brauchst die Hilfe vielleicht nochmal. Wenn man mal länger im Amt ist, denkt man sich aber: Wenn mir etwas nicht gefällt, dann sag ich es auch.

So wie zuletzt bei der Ehrenamtskarte des Landkreises?

Abel: Ja, das ist nur ein Beispiel. Wir haben festgestellt, dass alle Inhaber von Ehrenamtskarten in unserer Gemeinde, diese nicht nutzen. Ein Großteil der beschenkten Ehrenamtler ist offensichtlich in der Freizeit ungern allein unterwegs. Will ein Ehrenamtskarten-Inhaber etwa mit Frau und Kindern die Karte für eine Freizeiteinrichtung nutzen, hat er selbst zwar freien Eintritt. Allerdings muss er für den Ehepartner und die Kinder eigene Tickets kaufen. Die sind dann aber teurer als eine reguläre Familienkarte. Meiner Meinung geht der Landkreis hier einen falschen Weg.

Gibt es noch Chancen aufs Bayern-3-Dorffest?

Nicht glücklich lief es mit dem Mega-Event Bayern-3-Dorffest, für das Kraftisried 2019 den Zuschlag bekommen hatte. Sehen Sie noch Chancen?

Abel: Wir hatte wirklich großes Pech. Beim ersten Mal die Absage wegen des Unwetters und letztes Jahr ist das Dorffest der Pandemie zum Opfer gefallen. Dieser Konzert-Tag wäre richtig schön gewesen für die Region. Wir stehen noch in Kontakt mit den Verantwortlichen. Ob wir Chancen haben? Ich glaube noch dran. Ob aber die Motivation bei allen reicht, da bin ich mir unsicher. Das ist schon ein riesiger Aufwand. Beim ersten Mal haben 50 Vereine aus Kraftisried und Unterthingau mitgeholfen. So etwas funktioniert wirklich nur, wenn alle mitmachen.

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