Ende einer Ära

Sie war die "Königin von Geisenried" - Knapp 60 Jahre stand Gerti Bayrhof hinter der Theke im Dorfladen von Geisenried

Nach fast 90 Jahren ist die Gemischwaren-Handlung in Geisenried nun geschlossen. Gertrud Bayrhof stand 60 Jahre hinter der Theke.

Nach fast 90 Jahren ist die Gemischwaren-Handlung in Geisenried nun geschlossen. Gertrud Bayrhof stand 60 Jahre hinter der Theke.

Bild: Wolfgang Hepke

Nach fast 90 Jahren ist die Gemischwaren-Handlung in Geisenried nun geschlossen. Gertrud Bayrhof stand 60 Jahre hinter der Theke.

Bild: Wolfgang Hepke

Nach fast 90 Jahren schließt die Gemischtwaren-Handlung in Geisenried bei Marktoberdorf. Gerti Bayrhof hat dessen Geschichte geprägt. Wie sich das Dorf bedankt.
03.11.2021 | Stand: 15:43 Uhr

„Ladenschließung wegen Geschäftsaufgabe“: Mit diesem Schild im DIN A4-Format an der Eingangstür hat sich Gertrud, genannt Gerti, Bayrhof in den Ruhestand verabschiedet. Still und bescheiden. Fast 60 Jahre führte sie die Gemischtwaren-Handlung, einen kleinen Dorfladen in Geisenried bei Marktoberdorf. Doch still und bescheiden wollten die Geisenrieder, allen voran die Musikkapelle, sie nicht in den Ruhestand gehen lassen.

Knapp 60 Jahre stand Gerti Bayrhof hinter der Theke im Dorfladen von Geisenried

Sie überraschten Gerti Bayrhof nach ihrem Kirchgang mit einem Standkonzert vor ihrem Laden, das früher eine Bauernstelle und ihr Elternhaus war. Musikalische Blumengrüße überbrachte die Kapelle mit Dirigent Rupert Filser symbolisch für den Abschied und als Dankeschön. Auch einen echten Blumenstrauß und Gedichte gab es anschließend für Gerti Bayrhof. Vor allem die Kinder bedauerten die Schließung des Dorfladens, gab es doch bei Gerti feine Süßigkeiten wie Schlangen und Brause.

Nach fast 90 Jahren ist die Gemischwaren-Handlung in Geisenried nun geschlossen.
Nach fast 90 Jahren ist die Gemischwaren-Handlung in Geisenried nun geschlossen.
Bild: Wolfgang Hepke

„Generationen von Geisenriedern hat Gerti in vielen Jahrzehnten versorgt“, sagte ein Musiker und meinte, dass die Gerti vielleicht doch noch eine Weltenbummlerin wird. Dabei sagte sie einmal: „I mag doch it futt.“ Tatsächlich fühlt sie sich in Geisenried am wohlsten, wie sie später bestätigte. Mit 14 Jahren als Lehrling stand die heute 73-Jährige zum ersten Mal hinter der Verkaufstheke, die alles bot, was zum täglichen Leben im Dorf gebraucht wurde. 1983 übernahm sie das Musterbeispiel eines Tante-Emma-Ladens von ihrer damals verstorbenen Mutter. Ihre Eltern hatten 1932 das kleine Geschäft und eine dazugehörige Landwirtschaft gekauft.

Überraschung gelingt

Matthias Schmidt, Vorsitzender des Pfarrgemeinderates, verglich sie mit der Königin von England. „Sie ist die Königin von Geisenried“, sagte er, denn man könne ihren großen Einsatz nicht hoch genug bewerten.

Bayrhof war sichtlich bewegt, sie freute sich über die gelungene Überraschung der Geisenrieder. Ihr wird auch im Ruhestand nicht langweilig werden, meinte sie und genoss es, mit ihren Musikern und Geisenriedern zu feiern.

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