Richtig erziehen in Zeiten von Corona

Erziehung: Nicht noch mehr Druck auf Kinder ausüben

Heimunterricht ist für die Kinder momentan schon schwierig genug. Die Marktoberdorfer Erziehungsberater empfehlen den Eltern, nicht noch mehr Druck aufzubauen.

Heimunterricht ist für die Kinder momentan schon schwierig genug. Die Marktoberdorfer Erziehungsberater empfehlen den Eltern, nicht noch mehr Druck aufzubauen.

Bild: Ulrich Perrey/dpa (Symbolfoto)

Heimunterricht ist für die Kinder momentan schon schwierig genug. Die Marktoberdorfer Erziehungsberater empfehlen den Eltern, nicht noch mehr Druck aufzubauen.

Bild: Ulrich Perrey/dpa (Symbolfoto)

Marktoberdorfer Erziehungsberatung gibt Eltern Tipps. Was sie in der Zeit des Heimunterrichts tun können, damit ihre Kinder nicht noch mehr leiden
08.02.2021 | Stand: 11:24 Uhr

Wie lange werden die Schulen geschlossen bleiben? Wie sollen Leistungen benotet werden? Beinahe täglich erhalten Schulkinder derzeit neue Informationen. Damit wachsen auch Ängste und Unsicherheiten. „Die große Verunsicherung, die überall in der Gesellschaft spürbar ist, überträgt sich auch auf die Kinder“, schildert Elisabeth Frank-Keller von der KJF Erziehungs-, Jugend- und Familienberatung in Marktoberdorf. Dazu komme, dass an jeder Schule, bei jedem Lehrer und natürlich auch in jeder Familie die Voraussetzungen und die Rahmenbedingungen für den momentan herrschenden Distanzunterricht andere sind.

Mut zur Gelassenheit

Viele Heranwachsende haben Angst, mit dem Lernstoff nicht alleine klarzukommen und so keine Chance auf einen guten Abschluss zu erhalten, weiß Erziehungsberaterin Frank-Keller. Darum ermutigt sie Eltern bewusst zu viel Gelassenheit: „Nehmen Sie den Druck von sich selbst und vor allem von ihren Söhnen und Töchtern.“ Eltern seien keine (Hilfs-)Lehrer. Vielmehr hätten sie derzeit noch viel mehr als sonst die Aufgabe, ihre Kinder zu beschützen und in einer guten Beziehung mit ihnen zu bleiben, um sie emotional gut durch diese Ausnahmesituation zu begleiten.

Das gelingt zum Beispiel durch viele gute Momente in der Familie. „Eltern sollten viel öfter mal sagen: Jetzt ist Schluss mit Schule für heute! Auch, wenn nicht alles gemacht ist“, rät Frank-Keller. Viel wichtiger seien gemeinsame Erlebnisse, sich ganz oft in den Arm zu nehmen und in guter Beziehung zu sein. Denn: „Wir brauchen jetzt alle viel mehr Seelenfutter!“

Was die Marktoberdorf Experten empfehlen

Den Druck nehmen: Emotionale und körperliche Gesundheit ist wichtiger als Schule. Ängste und Sorgen ihrer Kinder in Bezug auf die schulischen Leistungen sollten Eltern ernst nehmen und nicht herunterspielen. Aber: Keiner verliert etwas durch ein freiwilliges Wiederholungsjahr.

Rückmeldungen geben und einfordern: Der Klassenlehrer und die Fachlehrer sollten bei Fragen für Schulkinder und für Eltern erreichbar sein. Eltern sollten eingerichtete Rückmeldesysteme nutzen oder einführen, damit die Lehrkräfte darüber informiert sind, wie es den Schülern mit den gestellten Aufgaben geht. Lernen funktioniert nur, wenn eine Beziehung zwischen Lernenden und Lehrenden besteht.

Feedback nötig: Andersherum brauchen Schüler die Rückmeldungen ihrer Lehrer im Moment mehr als vor der Pandemie. Der Grund: Viele andere wichtige Lebensbereiche fallen weg, in denen Heranwachsende normalerweise positives Feedback tanken.

Bei Schwierigkeiten Hilfe organisieren: Kommt der Nachwuchs überhaupt nicht mit dem selbstständigen Lernen zu Hause zurecht, sollten sich die Familien Hilfe holen, etwa über Sozialarbeiter an den jeweiligen Schulen oder auch über die örtliche KJF Erziehungsberatung. Zum Beispiel kann eine Beratung zu individuellen Lerntechniken und -strategien helfen.

Machtkämpfe und Perfektionismus vermeiden: Wenn es der Stundenplan des Distanzunterrichts zulässt, dürfen Jugendliche auch mal länger schlafen. Oder es gibt eben öfter Pommes zu essen, wenn genau das der Stimmung gut tut.

Gemeinschaft erleben: Jetzt ist viel Zeit für gemeinsame Spiel- oder Filmabende. Gleichzeitig bietet der neue Familienalltag Gelegenheiten dazuzulernen: etwa beim gemeinsamen Kochen oder Backen oder durch das im Moment ausgeweitete Angebot an Bildungsfernsehen, etwa in der Mediathek der ARD.

Wenn Eltern das Gefühl haben, mit der momentanen Situation nicht mehr klarzukommen, stehen ihnen die KJF Erziehungsberater nach wie vor persönlich oder telefonisch zur Seite.