Marktoberdorf

Es muss nicht immer Ginseng sein

Vor dem historischen Hartmannhaus in Marktoberdorfs Stadtmitte binden (von links) Rosmarie Zacherl, Maria Mack und Sophie Magold jährlich den Kräuterboschen, den sie an Maria Himmelfahrt in die Kirche bringen. Das sonst umfangreiche Boschenbinden im Hartmannhaus muss coronabedingt ausfallen.

Vor dem historischen Hartmannhaus in Marktoberdorfs Stadtmitte binden (von links) Rosmarie Zacherl, Maria Mack und Sophie Magold jährlich den Kräuterboschen, den sie an Maria Himmelfahrt in die Kirche bringen. Das sonst umfangreiche Boschenbinden im Hartmannhaus muss coronabedingt ausfallen.

Bild: Matthias Kelz|

Vor dem historischen Hartmannhaus in Marktoberdorfs Stadtmitte binden (von links) Rosmarie Zacherl, Maria Mack und Sophie Magold jährlich den Kräuterboschen, den sie an Maria Himmelfahrt in die Kirche bringen. Das sonst umfangreiche Boschenbinden im Hartmannhaus muss coronabedingt ausfallen.

Bild: Matthias Kelz|

Boschen aus heimischen Kräutern haben eine lange Tradition. Welche  große Wirkung ihnen in vielerlei  Aspekten zugeschrieben wird.
11.08.2020 | Stand: 15:15 Uhr

Am 15. August feiert die Kirche das Hochfest Maria Himmelfahrt, den „Hohen Frauentag.“ Und es ist Tradition, dass Kräuterboschen am Vortag kunstvoll gebunden und am Feiertag in die Gotteshäuser getragen werden. Hier weiht der Priester die Gestecke und ehrt damit die Heilkraft der Kräuter. Heuer wird diese Tradition des Boschenbindens in Gemeinschaft in der Kreisstadt weitgehend ausfallen – coronabedingt.

Hannelore Leonhart vom Marktoberdorfer Heimatverein denkt gerne zurück, als all die Jahre am Vorabend von Maria Himmelfahrt rund 30 Frauen ins Hartmannhaus kamen. Hier, ins Oberdorfer Heimathaus, hatten fleißige Sammlerinnen eine Vielzahl von gepflückten Kräutern und Blumen aus Feld und Garten gebracht. Daraus stellten die Frauen prächtige Kräuterboschen her, die bei den Gottesdiensten verkauft wurden. Der Erlös der bis zu 250 Stück floss einem sozialen Zweck zu. Aber heuer wird es nur ein Exemplar geben. Dieses ganz besondere Exemplar fertigten Rosmarie Zacherl, Maria Mack und Sophie Magold an. Solch ein besonderer Boschen wurde in den vergangenen Jahren in der Frühmesse des Feiertages in der Frauenkapelle aufgestellt. Da aber die dortige Frühmesse aus Coronagründen verlegt wird – traditionsgemäß war das Gotteshaus proppenvoll –, wird dieser Kräuterboschen heuer in der Stadtpfarrkirche St. Martin aufgestellt, die mehr Platz bietet. Nach dem Frühgottesdienst bleibt das Gebinde in der Kirche, weil um 10.30 Uhr bereits der nächste Gottesdienst stattfindet.

Jetzt ist die Zeit zum Sammeln

Maria Himmelfahrt ist der Auftakt zur wichtigsten Sammelzeit der Kräuter. Heilpflanzen, die während der Zeit zwischen 15. August und 15. September gesammelt werden, übertreffen alle anderen Kräuter an Kraft, ausgenommen Johanniskraut. Sehr viel Magie ist noch immer mit dem Binden eines solchen Boschens verbunden: Vermeiden von Krankheiten, aber auch Eheglück, Kindersegen und vieles mehr. Das geht hin bis zum Abmildern von heranziehenden Gewittern: Man hat Teile eines Boschens ins Herdfeuer geworfen, um das Haus vor dem Blitz zu schützen.

Heutzutage nützen die Menschen die Kräuterboschen aber häufig auch, um deren wohlriechenden Duft im Haus zu genießen. Und so brauchen die Menschen eigentlich nicht die „Wellness-Produkte“ aus dem Urwald, das Kristallsalz aus dem Himalaya, Aloe aus Südamerika oder Ginseng aus China – kraftvolle, heilbringende, wohlriechende Pflanzen wachsen auch vor unserer Haustür.

Der Heimatverein möchte Interessierte dazu motivieren, selbst Heilkräuter wie Rosmarin, Salbei, Minze & Co. zu sammeln und daraus zu Hause ihren persönlichen Boschen zu binden.