Corona-Pandemie

Ferienjob statt Festival – die Zeit nach dem Abi erlebten Abiturienten heuer anders

Leo Bareth hat sein Abi-Sommer heuer gefallen. Viele andere Marktoberdorfer Abiturienten sind aber enttäuscht von ihrer diesjährigen Nach-Abitur-Zeit. Warum das so ist.

Leo Bareth hat sein Abi-Sommer heuer gefallen. Viele andere Marktoberdorfer Abiturienten sind aber enttäuscht von ihrer diesjährigen Nach-Abitur-Zeit. Warum das so ist.

Bild: Bareth

Leo Bareth hat sein Abi-Sommer heuer gefallen. Viele andere Marktoberdorfer Abiturienten sind aber enttäuscht von ihrer diesjährigen Nach-Abitur-Zeit. Warum das so ist.

Bild: Bareth

Lange Fernreisen und Partys fielen coronabedingt ins Wasser. Wie Marktoberdorfer Abiturienten den Sommer verbrachten und warum viele erst mal eine Lehre machen.
02.10.2020 | Stand: 13:07 Uhr

Feiern, monatelang mit dem Rucksack verreisen oder einfach die Seele baumeln lassen: So verbringen die meisten Abiturienten die Sommermonate nach den Prüfungen. Jedoch nicht in diesem Jahr. Die große Freiheit ist durch Corona-Regeln beschränkt. Wie sind die Marktoberdorfer Abiturienten mit dieser Situation umgegangen und wie haben sie diesen besonderen Sommer mit den Corona-Einschränkungen verbracht?

„Er war auf jeden Fall anders als bei anderen Jahrgängen“, sagt die Abiturientin Cassandra Schiller zu ihrem Abi-Sommer. Sie wollte eigentlich verreisen und Europa erkunden. Doch zum einen wurde das Abi coronabedingt nach hinten verschoben, was die Reisezeit enorm verkürzte. Zum anderen sei ihr durch die Corona-Beschränkungen die Lust an ausgedehnten Urlauben vergangen. Ursprünglich plante die 18-Jährige eine Mallorca-Reise und einen Städtetrip durch Holland. Stattdessen fuhr sie nur zwei Tage mit einer Freundin nach Frankreich. Ansonsten arbeitete sie in einem Restaurant, um sich ein wenig dazuzuverdienen. „Ich bin schon sehr enttäuscht, dass das alles ins Wasser fiel.“ Natürlich können die Reisen nachgeholt werden, doch das sei nicht dasselbe.

Hannah ist sehr enttäuscht

Abiturientin Hannah Albert aus Leuterschach musste nicht nur auf die USA-Reise mit der Familie verzichten, sondern auch auf Festivals, für die sie schon Karten hatte. Sie fuhr zwar an den Gardasee und nach Venedig und versuchte, die Zeit dort zu genießen. Trotzdem ist sie genauso enttäuscht wie Schiller. „Es waren schöne zwei Monate, aber ich hatte es mir einfach verrückter und spannender vorgestellt.“

Leo Bareth ist dagegen zufrieden mit seinem Abi-Sommer. „Ich kann mich nicht beschweren“, sagt der 19-Jährige. Ohne großes Umplanen sei alles nach seinen Vorstellungen gelaufen. Trotz Corona-Maßnahmen konnte er seinen dreiwöchigen Segeltörn in Kroatien machen. „Wir Abiturienten hatten das Glück, dass im Sommer viele Maßnahmen gelockert wurden und wir uns recht frei in Europa bewegen konnten.“

"Bufdi" statt Auslandsjahr

Doch wie geht es nun weiter? Wie beeinflussen die Corona-Maßnahmen die Berufswahl? „Ich habe eigentlich überlegt, ein Auslandsjahr zu machen“, sagt Abiturientin Elena Osterried. Relativ war ihr aber klar, dass das unter den aktuellen Umständen nicht funktioniert. Stattdessen macht sie nun ein Jahr Bundesfreiwilligendienst in der katholischen Jugendstelle in Kaufbeuren. „Ich bin fast froh, dass ich den Plan mit dem Auslandsjahr fallen gelassen habe.“ Die Arbeit mache ihr so viel Spaß, dass sie nichts vermisse.

Bei ihren Mitschülern durchkreuzte die Pandemie keinen Plan: Bareth studiert ab Oktober Technischen Journalismus in Nürnberg und Schiller macht eine Ausbildung zur Bankkauffrau. „Ich möchte arbeiten und Geld verdienen“, sagt sie. „Deswegen habe ich mich schon früh für die Lehre entschieden.“ Albert macht ein soziales Jahr in der Notaufnahme des Kaufbeurer Krankenhauses und möchte danach Medizin studieren. Die Idee für das soziale Jahr kam ihr schon vor Corona. „So kann ich vor dem Studium ein bisschen Erfahrung sammeln.“

Lieber eine Lehre als ein Studium

Auffallend ist laut den Vier, dass sich sehr viele Abiturienten aus ihrem Jahrgang für eine Ausbildung und gegen ein Studium entschieden. „Ich kann mir schon vorstellen, dass die Aussicht auf Online-Uni abschreckend wirkt“, sagt Hannah Albrecht. „Das ist vielen zu unsicher.“

Reinhold Huber, Pressesprecher der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen, bestätigt die Vermutung. „Es gibt einen Trend, der stärker in Richtung betriebliche Ausbildung geht“, sagt Huber. Grund dafür sei, dass die Pandemie viele Träume platzen ließ. Work and Travel sowie Sprachreisen waren nicht möglich. Ebenso war lang nicht klar, ob Freiwilligendienste realisierbar sind. „Viele Abiturienten haben sich daher nach anderen Möglichkeiten umgesehen.“ Hinzu komme die Unsicherheit, ob Vorlesungen an der Uni weiter online stattfinden müssen. Eine Ausbildung gebe dagegen eine gewisse Sicherheit.

Noch Ausbildungsplätze frei

Ein weiterer Grund sei, dass man heuer noch sehr kurzfristig einen Ausbildungsplatz bekommen konnte. „Im Frühjahr war es vielen Betrieben zu unsicher, einen Lehrling einzustellen“, sagt Huber. „Daher waren und sind noch viele Ausbildungsplätze offen.“ Ihm zufolge hätten die Abiturienten sogar noch die Chance eine Lehrstelle für Oktober oder November zu bekommen.