Jubiläum

Früherer Marktoberdorfer Stadtpfarrer ist seit 70 Jahren Priester

Pfarrer Alwin Holdenrieder war auch im Ruhestand stets aktiv. Das Archivfoto zeigt ihn bei einer Segnung in Osterried im Jahr 2015.

Pfarrer Alwin Holdenrieder war auch im Ruhestand stets aktiv. Das Archivfoto zeigt ihn bei einer Segnung in Osterried im Jahr 2015.

Bild: Heinz Budjarek

Pfarrer Alwin Holdenrieder war auch im Ruhestand stets aktiv. Das Archivfoto zeigt ihn bei einer Segnung in Osterried im Jahr 2015.

Bild: Heinz Budjarek

Mit 99 Jahren ist Alwin Holdenrieder  einer der beiden dienstältesten Diözesanpriester. Wie er auch im Ruhestand seelsorgerisch aktiv war
Pfarrer Alwin Holdenrieder war auch im Ruhestand stets aktiv. Das Archivfoto zeigt ihn bei einer Segnung in Osterried im Jahr 2015.
Von Rosemarie Klimm
24.09.2020 | Stand: 14:27 Uhr

Sein 70. Priesterjubiläum feiert heuer Stadtpfarrer a.D., Bischöflicher Geistlicher Rat Alwin Holdenrieder. Im Bistum Augsburg ist der 99-jährige Geistliche einer der beiden dienstältesten Diözesanpriester.

Geboren in Jedesheim bei Illertissen musste der Jubilar 1941 die Schulbank mit der Kaserne tauschen. Als Soldat kam er nach Russland an die Ostfront, wurde dreimal verwundet. Seine Kriegserlebnisse ließen in ihm immer stärker den Wunsch reifen, Priester zu werden. So schrieb er sich im Oktober 1945 an der Theologischen Hochschule Dillingen ein. Am 21. Mai 1950 wurde Alwin Holdenrieder an seinem Studienort zum Priester geweiht. Seine Primiz feierte er am Pfingstmontag desselben Jahres in seiner Heimatgemeinde.

Danach war er als Kaplan in St. Pankratius in Augsburg-Lechhausen tätig, kam anschließend als Benefiziat nach Marktoberdorf. 1958 wurde ihm dann die Pfarrei Ruderatshofen anvertraut, die er viele Jahre betreute. Als Stadtpfarrer der Pfarrei St. Martin kam er 1972 nach Marktoberdorf zurück. Hier wirkte er bis zu seinem Ruhestand 1991.

Aber auch im Ruhestand – es wurde eher ein Unruhestand – kümmerte sich der Jubilar als Krankenhausseelsorger im einstigen Kreiskrankenhaus Marktoberdorf um die Anliegen und Sorgen der Patienten. Und viele Marktoberdorfer erinnern sich noch heute an Gespräche und Begegnungen mit dem einfühlsamen Seelsorger.

Darüber hinaus versorgte er neben dem Krankenhausdienst bis ins Jahr 2018 viele Jahre lang die Pfarreifiliale St. Josef im Stadtteil Rieder mit seelsorgerischem Dienst. Er war dort sehr beliebt für seine kurzen und prägnanten Predigten. Denn er hat die große Gabe, ein Thema mit wenigen treffenden Worten auf den Punkt zu bringen.

Denkt er heute zurück an all die Jahre seiner seelsorgerlichen Tätigkeit, liebte er vor allem die Arbeit an den Schulen, erzählt er. Vor allem mit den Grundschulkindern, denen er den christlichen Glauben nahebringen durfte, habe er gerne gearbeitet. Die Jugendarbeit war ihm ein großes Anliegen.

Auch für die Integration der türkischen Mitbürger setzte er sich seinerzeit ein. So wirkte er in den 1980er Jahren unter anderem auch an der Gründung eines deutsch-türkischen Solidaritätsvereins mit, durch den türkische Frauen aus der Isolation geholt werden sollten. Bei gemeinsamen Nachmittagen im einstigen „Weißenbachhaus“ in Marktoberdorf lernten türkische und deutsche Frauen die jeweilige Kultur der anderen näher kennen. Für sein beispielhaftes Wirken im kirchlichen, pädagogischen und sozialen Bereich verlieh ihm die Stadt Marktoberdorf 1990 die Goldene Bürgermedaille.

Und noch immer ist ihm die Ökumene ein großes Anliegen. Mit seinen evangelischen Amtskollegen pflegte er stets guten Kontakt. „Wir müssen viel enger zusammenwirken und nichts auseinanderdividieren“, betont er. „Denn wir vertreten dieselbe Sache, denselben Glauben“. Nach dem Tod seiner Pfarrhausfrau im Frühjahr 2019 verbringt er nun seinen Lebensabend im Gulielminetti-Altenheim, in dem er sich, wie er sagt, sehr wohl fühlt.