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Ganz Marktoberdorf schien mitzusingen: Die "Carmina Burana" im Modeon

Fast ganz Marktoberdorf schien mitzusingen bei den großen Aufführungen der Carmina Burana mit Gesangssolisten wie Johannes Mooser (Bariton) und Julie Erhart (Koloratursopran) im Modeon.

Fast ganz Marktoberdorf schien mitzusingen bei den großen Aufführungen der Carmina Burana mit Gesangssolisten wie Johannes Mooser (Bariton) und Julie Erhart (Koloratursopran) im Modeon.

Bild: Alfred Michel

Fast ganz Marktoberdorf schien mitzusingen bei den großen Aufführungen der Carmina Burana mit Gesangssolisten wie Johannes Mooser (Bariton) und Julie Erhart (Koloratursopran) im Modeon.

Bild: Alfred Michel

Bei beiden Aufführungen von Carl Orffs berühmter „Carmina Burana“ im Modeon in Marktoberdorf ist der Saal voll besetzt. Die Aufführung ist Tradition.
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Von Gabriele Schroth
23.06.2022 | Stand: 11:30 Uhr

Mit der Namensverleihung an den Carl Orff-Chor verband sich die verpflichtende Pflege des Orffschen Oeuvres. Das hat Marktoberdorf eine unvergleichliche Aufführungstradition der „Carmina Burana“ beschert. In Scharen zog das Publikum ins Modeon zu den neuerlichen Aufführungen. Ganz Marktoberdorf schien mitzusingen mit dem Unterstufen- und Mittelstufenchor des Gymnasiums, mit dem Jugendchor Ostallgäu und dem Carl Orff-Chor.

Nie erschien die Modeon-Bühne optisch wirkungsvoller besetzt als mit diesen beiden schwarzen Flügeln im Vordergrund samt den Orff-Schlagwerken sowie 150 Chorleuten mit dem entzückenden auf roten Kissen kauernden Kinderchor in weißen Hemden. 1956 erstellte der 29-jährige Meisterschüler Wilhelm Killmayer im Auftrag von Carl Orff und autorisiert durch ihn eine Fassung für den Schulgebrauch mit Soli, Chor, Kinderchor, zwei Klavieren und Schlagwerk. Gerade diese reduzierte Killmayer-Fassung mit zentralem Text und mitreißender Motorik erlangte Kultstatus und erwies sich auch jetzt wieder als Hit.

Ebenso derb wie feinsinnig

Orff fesselte die ebenso derbe wie feinsinnige Vagantendichtung, die in der Klosterbibliothek Benediktbeuren als Codex Buranus die Jahrhunderte überdauerte und das reale Leben im frühen Mittelalter abbildet. 1936 vertonte der bayerische Komponist daraus 24 Texte als szenische Kantate mit großem Orchester. Auf faszinierende Weise verband er dabei Archaik mit signalhafter Moderne. Neuartig wirkte neben den dominanten Orff-Schlagwerken der rhythmisch skandierte chorische Sprechgesang.

Dirigent und Chorleiter Stefan Wolitz leugnete keineswegs den profanen Charakter der „Carmina Burana“. Er destillierte daraus eine farbenreiche Lebens-Apotheose. Gerade die ausgreifenden Sologesänge verleihen der Kantate Schönheit und Tiefe. Das Publikum genoss die hervorragende vertraute Besetzung. So gestaltete Linus Mödl in höchsten Tenortönen wieder ergreifend den szenischen Schwanengesang.

Bariton Johannes Mooser brilliert

Mit herrlich strömendem Wohllaut sorgte Bariton Johannes Mooser für opernhafte Opulenz. Dazu beschwor Julie Erhart mit ihrem Koloratursopran eine schmelzend reine Süße.

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An den beiden Flügeln entwarfen die Pianistinnen Jutta Pockrandt und Katja Röhrig ein fantastisches Klangfarbenspektrum. Sie ersetzten ein ganzes Orchester und begleiteten die Solisten oder stimmten mit ein in den entfesselten Trommelrhythmus. Sechs Percussionisten mit Max Kinker an Xylofon und Glockenspiel und Manuel Mayerle an Ratsche und Tamtam zündeten ein blitzendes Feuerwerk mit ihren treibenden Rhythmen und rasant wirbelnden Schlägen.

Im Zentrum agierte der Riesenchor, der unter den Händen von Stefan Wolitz wie ein Wunderinstrument ansprang. Er besaß betörend lichte Zartheit und zugleich die seherische Wucht eines antiken Chores. Mit präzise artikuliertem Sprechgesang konnten die Sängerinnen und Sänger die geheimnisvollen altlateinischen und mittelhochdeutschen Verse flüstern, leise skandieren oder zu deklamatorischer Wucht auffahren.

Bei aller rhythmisierten Schlagkraft zauberte Leiter Stefan Wolitz so eine wunderreich schattierte, fast lyrische „Carmina“-Kantate für Marktoberdorf.

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