Gedenkstätte in Marktoberdorf

"Es schockiert uns und beschämt uns zutiefst“ - Marktoberdorf erinnert an Gefallene des Zweiten Weltkriegs

Eine neue Gedenkstätte auf dem Friedhof an St. Martin erinnert an die Zwangsarbeiter, die in Marktoberdorf während des Zweiten Weltkriegs starben, und an Gabi Schwarz. Das Mädchen wurde 1937 in Marktoberdorf geboren, lebte ein paar Jahre in Stiefenhofen und wurde dann in Auschwitz ermordet.

Eine neue Gedenkstätte auf dem Friedhof an St. Martin erinnert an die Zwangsarbeiter, die in Marktoberdorf während des Zweiten Weltkriegs starben, und an Gabi Schwarz. Das Mädchen wurde 1937 in Marktoberdorf geboren, lebte ein paar Jahre in Stiefenhofen und wurde dann in Auschwitz ermordet.

Bild: Stadt Marktoberdorf

Eine neue Gedenkstätte auf dem Friedhof an St. Martin erinnert an die Zwangsarbeiter, die in Marktoberdorf während des Zweiten Weltkriegs starben, und an Gabi Schwarz. Das Mädchen wurde 1937 in Marktoberdorf geboren, lebte ein paar Jahre in Stiefenhofen und wurde dann in Auschwitz ermordet.

Bild: Stadt Marktoberdorf

Gedenkstätte auf dem Marktoberdorfer Friedhof soll Mut machen, gegen Unrecht anzugehen. Im Zentrum: Gabi Schwarz, die mit fünf Jahren von Nazis ermordet wurde.
16.11.2021 | Stand: 09:00 Uhr

Die neue Gedenkstätte auf dem Friedhof an St. Martin hat Pfarrer Oliver Rid am Volkstrauertag gesegnet. Sie erinnert nicht nur an die Zwangsarbeiter, die im Zweiten Weltkrieg in Marktoberdorf starben, sondern auch an Gabriele „Gabi“ Schwarz, ein junges Mädchen, das in Marktoberdorf geboren und von den Nationalsozialisten in Auschwitz getötet wurde.

Pfarrer Rid nahm stellvertretend für die vielen Gefallenen, Todesopfer und Zwangsarbeiter das Schicksal von Gabi Schwarz zum Anlass, um an die Schreckenszeit während des Zweiten Weltkriegs zu erinnern. Im Taufbuch aus dem Jahre 1937 fand der Geistliche den Eintrag von Gabi Schwarz, die am 25. Mai um 15.30 Uhr auf die Welt kam und am 26. Mai, ebenfalls um 15.30 Uhr, getauft wurde. „Sie war eine von uns“, sagte Rid, „doch ihre Abstammung war jüdisch, die Rasse passte nicht, sie musste mit fünf Jahren vernichtet werden. Es schockiert uns und beschämt uns zutiefst“.

Gedenkstätte in Marktoberdorf erinnert an Gabi Schwarz und gefallene Zwangsarbeiter

„Das kleine Marktoberdorf war damals eine Hochburg der Nationalsozialisten“, erinnerte Rid. „Gedanklich auf der Hut bleiben, den Mund aufmachen, wo Unrecht geschieht“, forderte er. Doch diesen Mut hätten viele, die dem Wahn der damaligen Zeit standgehalten hätten, mit ihrem Leben bezahlt. Rid erinnerte an die Osterkerze, die den Frieden und die Freiheit auf der Welt symbolisieren soll. (Lesen Sie auch: Was es mit der neuen Gedenkstätte in Marktoberdorf auf sich hat)

Gabi Schwarz wurde im Alter von fünf Jahren von den Nationalsozialisten ermordet.
Gabi Schwarz wurde im Alter von fünf Jahren von den Nationalsozialisten ermordet.
Bild: Anna Embritz (Archiv Hiemer)

Nach dem feierlichen Gottesdienst mit den Klängen der Schubertmesse erinnerten Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell und Werner Himmer als Vorsitzender des Veteranen- und Soldatenvereines Marktoberdorf an die Vertreibung und Opfer der Kriege, an Gabi Schwarz und an die in Marktoberdorf gestorbenen Zwangsarbeiter – zehn Tote aus Polen und der ehemaligen UdSSR). Das Grabmal des Polen Johann (Jan) Niedziela ist das Auffälligste an der neuen Gedenkstätte.

Johann Niedziela war als Industriearbeiter eingesetzt. Er starb am 18. Mai 1941 im Alter von 17 Jahren im Krankenhaus Marktoberdorf an Lungen- und Bauchfelltuberkulose. Ein polnischer Kamerad Niedzielas war als Arbeiter in einem Marktoberdorfer Steinmetzbetrieb eingesetzt und er beschloss, ein würdiges Grabmal für seinen Freund zu schaffen.

Grabstein von Niedziela: Sinnbild der Unmenschlichkeit

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Der Grabstein von Niedziela sei kein stummer Zeitzeuge, sagte Hell. Er stehe für acht Millionen Kriegsgefangene in Deutschland und für die vielen Zwangsarbeiter hier im Ort. „Er steht für die Unmenschlichkeit des Krieges, der Jahre des Lebens nimmt, Leben nimmt, den Menschen ihre Angehörigen wegnimmt“, sagte Hell. Der Grabstein stehe aber auch dafür, „dass es auch mitten in einem menschenverachtenden Umfeld noch Zeichen der Menschlichkeit geben kann“.

Das Augenfälligste an der Gedenkstätte ist der Grabstein für Johann (Jan) Niedziela.
Das Augenfälligste an der Gedenkstätte ist der Grabstein für Johann (Jan) Niedziela.
Bild: Stadt Marktoberdorf

Gabi Schwarz, sagte Hell weiter, „hat kein Grab. Aber sie hat jetzt auch bei uns eine Gedenkstätte – aus Stein und hoffentlich auch in unseren Herzen. Die Gedenkstätte steht für das Leben, das sie nicht leben durfte.“ Gabi Schwarz erinnere daran, wozu Rassenwahn und Menschenverachtung führen, sagte Hell.

Schwarz lebte ein paar Jahr in Stiefenhofen im Westallgäu, ehe sie 1943 nach Auschwitz kam, ihre Mutter bereits 1942. Ihr Schicksal hat der Allgäuer Leo Hiemer intensiv aufbereitet. Er veröffentlichte seine Ergebnisse in dem Buch „Gabi (1937-1943): Geboren im Allgäu - ermordet in Auschwitz“. Hell sagte: „Ohne Leo Hiemer wäre der Name dieses Mädchen nicht mehr existent.“

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