Kripo sucht Zeugen in Marktoberdorf

Großalarm am Schulzentrum: Führen Pinsel und Farbe auf die Spur des Täters?

Nach dem Polizeigroßeinsatz an der Marktoberdorfer Realschule und am Marktoberdorfer Schulzentrum hofft die Kripo auf Hilfe aus der Bevölkerung.  An den Schulen selbst ist aber wieder weitgehend Alltag eingekehrt.

Nach dem Polizeigroßeinsatz an der Marktoberdorfer Realschule und am Marktoberdorfer Schulzentrum hofft die Kripo auf Hilfe aus der Bevölkerung. An den Schulen selbst ist aber wieder weitgehend Alltag eingekehrt.

Bild: Heiko Wolf

Nach dem Polizeigroßeinsatz an der Marktoberdorfer Realschule und am Marktoberdorfer Schulzentrum hofft die Kripo auf Hilfe aus der Bevölkerung. An den Schulen selbst ist aber wieder weitgehend Alltag eingekehrt.

Bild: Heiko Wolf

Nach dem Großeinsatz am Schulzentrum Marktoberdorf am Montag sucht die Kripo dringend Zeugen. Welche Hinweise der Polizei jetzt helfen.
10.07.2022 | Stand: 19:50 Uhr

An den Tagen nach dem Polizeieinsatz wegen einer drohenden Gefahrenlage am Schulzentrum ist an den Schulen in Marktoberdorf wieder weitgehend Alltag eingekehrt – obwohl manche Betroffene noch immer ein ungutes Gefühl haben. Unbekannte hatten „Heute werden Kinder sterben“ an eine Realschulmauer gesprayt oder gepinselt. Den Schriftzug hatte ein Beschäftigter der Schule noch vor Unterrichtsbeginn bemerkt, weshalb die Polizei am Montagfrüh noch davor das Schulzentrum abriegeln konnte. An Realschule, Gymnasium, Mittel- und Don-Bosco-Schule fiel der Unterricht aus.

"Wir suchen Zeugen, denn es gibt noch immer keine verwertbaren Hinweise!"

Derweil laufen die Ermittlungen der Polizei. Die Kripo Kempten ermittelt unter anderem wegen des Tatbestandes der Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten. „Wir haben aber bislang keine Erkenntnisse dazu, wer hinter der Drohung steckt“, sagte der Chef der Marktoberdorfer Polizeiinspektion, Helmut Maucher, am Dienstag. Und Polizeisprecher Holger Stabik aus Kempten erklärte am Donnerstagabend und am Freitagnachmittag: "Es gibt nach wie vor leider keine verwertbaren HInweise". Deshalb habe man am Donnerstag nun auch einen Zeugenaufruf gestartet.

In dem aktuellen Zeugenaufruf der Polizei heißt es:

  • Die Ermittler bitten um Zeugenhinweise zu folgenden Fragen:
  • Wer hat am Sonntag oder in der Nacht zum Montag auf dem Schulgelände verdächtige Wahrnehmungen gemacht oder dort Personen beobachtet?
  • Wem sind entsorgte Gegenstände (Farbe, Pinsel) aufgefallen?
  • Wer hat im Vorfeld oder nach der Tat mitbekommen, dass sich jemand als Täter zu erkennen gegeben hat?
  • Hinweise sollen Zeuginnen oder Zeugen bitte an die Telefonnummer 0831/9909-0 der Kriminalpolizei in Kempten richten.

Bei den Ermittlungen arbeitet die Kripo in Kempten eng mit der Polizei Marktoberdorf zusammen. „Bekommen wir z. B. Hinweise aus der Bevölkerung oder der Schülerschaft, gehen wir dem natürlich nach. Das ist normale Polizeiarbeit“, sagt der Marktoberdorfer Polizeichef Maucher. Auch könne es sein, dass seine Leute im Umfeld des Schulzentrums etwas mitbekommen. „Da gibt es leider ein paar Kandidaten, die immer wieder mal für schlimmeren Schabernack oder Ärger sorgen.“

Sie wollen immer über die neuesten Nachrichten aus Marktoberdorf informiert sein? Abonnieren Sie hier unseren kostenlosen, täglichen Newsletter "Der Tag in Marktoberdorf".

Die Manöverkritik des Polizeichefs fällt positiv aus. „Beim Einsatz hat alles wie am Schnürchen geklappt“, sagt Maucher. Was ihm zufolge auch mit Routine zu tun hat. „Immerhin hatten wir nach der vermeintlichen Drohung gegen das Gymnasium im November nun zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit so einen Einsatz mit einem ähnlichen Vorgehen.“ Zugleich habe der Einsatz gezeigt, welchen Riesenvorteil elektronische Kommunikationsmittel haben. „Eine E-Mail mit dem richtigen Verteiler. Schon wissen alle Schüler und Eltern Bescheid.“

Reale Gefahr für Kinder von Anfang an ausgeschlossen

Lesen Sie auch
##alternative##
Nach Großeinsatz

Polizei schließt Ermittlungen zu Graffiti-Drohungen an Realschule Marktoberdorf ab

So habe man das Schulzentrum mit tausenden Schülern, da man es rechtzeitig abriegeln konnte, erst gar nicht evakuieren müssen. „Und der Großteil der Schüler kam erst gar nicht her“, sagt Maucher. Die Schüler, die schon auf dem Weg waren, wurden von Lehrkräften und Polizei betreut. Dank dieser Maßnahmen sei eine reale Gefahr für die bedrohten Kinder von Anfang an ausgeschlossen gewesen. „Sind keine Kinder da, können sie auch nicht in Gefahr sein.“

Trotzdem suchte die Polizei vorsorglich das Schulareal und Gebäude des Schulzentrums mit Sprengstoffhunden ab. Ohne Ergebnis (die Redaktion berichtete). Laut Polizei „waren alle Schulgebäude auch über das Wochenende versperrt, und es gibt keine Anzeichen dafür, dass die Gebäude widerrechtlich betreten wurden.“

Bilderstrecke

Einsatz in Marktoberdorf: Schulzentrum abgeriegelt

An der Realschule Marktoberdorf ist Ruhe eingekehrt

An der Realschule ist am Dienstagmorgen alles wieder ruhig. Bevor der Unterricht losgeht, fährt die Polizei nochmals das Grundstück ab und sieht nach dem Rechten. Doch nichts Ungewöhnliches tut sich. „Die Kinder waren auch heute wie immer draußen und haben gespielt, bevor sie ins Klassenzimmer mussten“, sagt Realschulleiter Florian Klemm. Einzelne besorgte Eltern hätten aber in der Schule angerufen, um sich nach etwaigen Neuigkeiten zu erkundigen. „Verständlich, wenn man bedenkt, dass der Täter bisher nicht gefasst wurde und die Ernsthaftigkeit der Drohung weiter schlecht einzuschätzen ist“, sagt Klemm.

Er selbst sorge sich nicht allzu sehr. Die Polizei habe die Drohung ernst genommen und alles ihr Mögliche getan, um die Schulen zu sichern. Jetzt vertraue er darauf, dass die Gefahr vorüber sei. „Ich hoffe sehr, dass man den Täter findet, damit sich alle wieder sicher fühlen können.“ Die Lehrkräfte hätten am Dienstagmorgen gleich alle Informationen mit den Schülern geteilt und bisher habe es keinen Gesprächsbedarf gegeben.

Ein Anlass, noch einmal über das Sicherheitskonzept an Schulen nachzudenken

Ähnlich ist die Situation an der Mittelschule. Bei ihm hätten sich weder besorgte Eltern noch ängstliche Schüler gemeldet, berichtet Schulleiter Stefan Schweidler. „Wir haben natürlich unsere Jugendsozialarbeiter über die Lage informiert, doch auch bei ihnen hat sich bisher niemand geäußert.“ Mit den Schülern sei das Geschehene durchgesprochen worden, denn so ein „einschneidendes Erlebnis“ hätte man nicht jeden Tag.

Schweidler hielte es aber für keine gute Idee, wegen des Vorfalls nun anzufangen, die Kinder in irgendeiner Weise zu kontrollieren. Stattdessen sehe er das Ereignis als Gelegenheit, nochmals am Sicherheitskonzept der Schule zu feilen. „Wir sind genau durchgegangen, wie wir im Fall des Falles vorgehen würden.“ Die Polizei habe professionelle Arbeit geleistet.

Klar ist, dass sich der oder die unbekannten Graffit-Sprayer mit ihrer gesprühten Drohung strafbar gemacht haben – auch wenn sie ihre Drohung nicht ernst gemeint haben sollten. Immerhin werde durch die Androhung einer Straftat nämlich der „öffentliche Friede gestört“

Drohung per Graffiti: Welche Strafe könnte den Tätern drohen?

  • Straftat: Es geht um eine „Störung des öffentlichen Friedens durch die Ankündigung von Straftaten“, erläutert die Polizei.
  • Jugendstrafrecht: Waren Jugendliche die Graffiti-Schmierer, gilt für sie Jugendstrafrecht. „Dabei steht nicht der Bestrafungs-, sondern der Erziehungsgedanke im Vordergrund“, sagt Polizeisprecher Holger Stabik aus Kempten.
  • Optionen: Neben Jugendarrest gibt es softere Optionen. Die Polizei sagt, oft müssten junge Täter Aufsätze zu ihrer Tat schreiben. Oft würden auch Sozialstunden im Tierheim, bei der Schulkindbetreuung oder in der Jugendarbeit verhängt. Es komme auch nicht in jedem Fall zur Anklage. Das hänge immer auch davon ab, ob ein Jugendlicher zuvor schon mit dem Gesetz in Konflikt kam und welche Absicht jemand mit einer Tat verfolgt.
  • Einsatzkosten: Bei einem Einsatz wie diesem (ohne Helikopter z. B.) kommen laut Polizei im Prinzip nur Personalkosten zum Tragen. Pro angefangene Beamtenstunde seien das rund 50 Euro. Bei zwei Einsatzstunden von 60 Polizisten wären das 6000 Euro.
  • Kosten in Rechnung stellen: Kosten für Gefahrenabwehr (darunter fallen auch Sperrungsmaßnahmen) können in Rechnung gestellt werden.

Lesen Sie auch: „Drohbrief“ in Marktoberdorf: Welche Strafe droht der 16-Jährigen?

Mehr Nachrichten aus Marktoberdorf lesen Sie hier.