Rundfahrt

Heimatverein Marktoberdorf radelt von Kapelle zu Kapelle

Die Hilariakapelle in Ronried war eine der Stationen der Kapellenrundfahrt des Heimatvereins Marktoberdorf.

Die Hilariakapelle in Ronried war eine der Stationen der Kapellenrundfahrt des Heimatvereins Marktoberdorf.

Bild: Rosemarie Klimm

Die Hilariakapelle in Ronried war eine der Stationen der Kapellenrundfahrt des Heimatvereins Marktoberdorf.

Bild: Rosemarie Klimm

Heimatverein erfährt bei Radtour viel über kleine Gotteshäuser in den Stadtteilen - von der Privatkapelle eines Bauunternehmers bis zu einem Kleinod bei Texas.
Die Hilariakapelle in Ronried war eine der Stationen der Kapellenrundfahrt des Heimatvereins Marktoberdorf.
Von Rosemarie Klimm
13.09.2020 | Stand: 06:33 Uhr

Zum ersten Mal seit Beginn der Corona-Pandemie trafen sich Mitglieder des Heimatvereins Marktoberdorf zu einer Radrundfahrt im Bereich der Stadtteile Fechsen, Leuterschach und Ronried. Matthias Kelz hatte die Rundfahrt zu den geschichtlich interessanten Kapellen dieser Weiler zusammengestellt.

Dabei erfuhren die Teilnehmer viel über die Kapellen, an denen sie schon oft vorbeigefahren waren, aber bisher kaum Notiz davon genommen hatten. Erste Station war die Privatkapelle von Hubert Schmid, die er und seine Frau zum Dank für die Genesung von schwerer Krankheit auf einer Anhöhe bei Fechsen aufstellen ließen. Sie wurde aus Holz in seinem Werk komplett fertiggestellt und im Ganzen zu ihrem jetzigen Standplatz gebracht.

Ein Fechsener als brasilianischer Bischof

In der Fechsener St. Johann Nepomuk-Kapelle wartete Mesner Hans Heim schon auf die Radfahrer. Er sagte, dass die Kapelle 1727 neu erbaut wurde. Doch schon vorher soll an gleicher Stelle eine kleinere, hölzerne Kapelle gestanden haben. Heim erzählte, dass die Filiale Fechsen bis 1886 zur Pfarrei Oberdorf gehörte, dann aber nach Leuterschach umgesprengelt wurde. Heim sprach aber auch von dem 1900 in Fechsen geborenen Monsignore Clemens Geiger, der jahrelang als Bischof der Prälatur Xingu/Brasilien wirkte und dort Waisenhaus, Krankenhaus und Schulen errichtete. Während seiner Heimaturlaube gestaltete er auch Messen in der Fechsener Kapelle.

Die „Auferstehung“ der Dreifaltigkeitskapelle bei der Bergmühle in Ronried erläuterte Johann Heim von den Herkomerfreunden aus Leuterschach: 1692 wurde die Kapelle südlich der Bergmühle, heute Mühlbichel 22, nach Plänen des bekannten Allgäuer Baumeisters Johann Jakob Herkomer erbaut. Sie sei neben der Grabkapelle in Sameister bei Roßhaupten ein Frühwerk des genialen Barockbaumeisters. Als die Kapelle 1962 abgebrochen wurde, wurde die gesamte kulturhistorisch wertvolle Inneneinrichtung gerettet, der Bau noch komplett vermessen. Für den Neuaufbau der Kapelle etwa 85 Meter von deren einstigem Standort entfernt, engagierte sich insbesondere eine Gruppe Ronrieder und Leuterschacher Bürger. Auch Johann Heim war der Wiederaufbau ein großes Anliegen und Hubert Schmid war der größte Sponsor des Neubaus.

Aus der Fendt'schen Turmuhrenwerkstatt

Aus der Geschichte der Kapelle St. Hilaria in Ronried berichtete Ludwig Epple, dass sie einst der seligsten Jungfrau, den Heiligen Afra und Sebastian sowie den 14 Nothelfern geweiht war. Erst seit Mitte des 17. Jahrhunderts wird die Heilige Hilaria als Patronin genannt. In der Kapelle sind noch einige Kostbarkeiten aus ihrer Frühzeit erhalten. Und die Turmuhr stammt noch aus der Marktoberdorfer Werkstatt von Theodor Fendt.

Epple führte die Gruppe am Ende noch zu einer hübschen, privaten Wegkapelle seiner Familie an der Straße nach Texas. Dabei kam die Gruppe an einem frisch renovierten Marterl vorbei. Dort kam einst ein Familienmitglied Epples zu Tode, als dessen Ochsengespann vor dem vorbeifahrenden Zug scheute und das Fuhrwerk daraufhin vom Zug erfasst wurde.