"Musik mit Dir"

"Herzensprojekt": Musikschule Marktoberdorf unterrichtet Menschen mit Beeinträchtigung

Die Teilnehmer des Projektes „Musik mit Dir“ gaben ein buntes und vielfältiges Konzert in Marktoberdorf. Ihre Lehrerin Irina Schleich (Zweite von rechts) und ihr Lehrer Julian Johannes (Mitte, dunkelrotes T-Shirt) begleiteten sie dabei.

Die Teilnehmer des Projektes „Musik mit Dir“ gaben ein buntes und vielfältiges Konzert in Marktoberdorf. Ihre Lehrerin Irina Schleich (Zweite von rechts) und ihr Lehrer Julian Johannes (Mitte, dunkelrotes T-Shirt) begleiteten sie dabei.

Bild: Stefanie Gronostay

Die Teilnehmer des Projektes „Musik mit Dir“ gaben ein buntes und vielfältiges Konzert in Marktoberdorf. Ihre Lehrerin Irina Schleich (Zweite von rechts) und ihr Lehrer Julian Johannes (Mitte, dunkelrotes T-Shirt) begleiteten sie dabei.

Bild: Stefanie Gronostay

Die Städtische Musikschule bietet Unterricht für Menschen mit Beeinträchtigungen an. Der Kurs entwickelt sich zur Herzensangelegenheit – auf beiden Seiten.
26.05.2022 | Stand: 04:00 Uhr

„Menschen mit Beeinträchtigungen“ – Irina Schleich mag diesen Begriff nicht. „Besser wäre es, Menschen mit besonderen Fähigkeiten zu sagen“, sagt sie. „Für mich gibt es kein gesund oder krank. Jeder ist musikempfindlich.“ Irina Schleich steht inmitten ihrer Schützlinge, während sie diese Worte sagt. Seit neun Monaten leitet sie zusammen mit Julian Johannes ein besonderes Projekt an der Städtischen Musikschule Marktoberdorf: „Musik mit Dir“ heißt der Kurs, der speziell auf die Bedürfnisse für Menschen mit Handicap zugeschnitten ist. Als Herzensangelegenheit bezeichnen ihn Schleich und Johannes, die nun mit ihren Musikgruppen ein Konzert im Arthur-Groß-Saal des Gymnasiums Marktoberdorf gaben.

Unterricht an der Musikschule Marktoberdorf geht über das normale Angebot hinaus

Die Vorfreude war groß, endlich vor Publikum spielen zu dürfen. „Wir hatten das schon lange vor, wurden durch Corona aber ausgebremst. Nun hatten wir umso mehr Zeit, viele Beiträge vorzubereiten“, begrüßte Musikschulleiter Robert Maul die Gäste, die die Reihen füllten. Maul erinnert sich noch gut an die Anfänge: „Wir haben uns gefragt, was können wir machen, das über das alltägliche Unterrichtsangebot hinausgeht?“ Zusammen mit der Offenen Behindertenarbeit des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) entwickelte die Musikschule schließlich ein Projekt, das mit Hilfe von Sponsoren, dem Lions-Clubs Marktoberdorf, der Praxisklinik Mühlbachpark Kaufbeuren, dem Assistenzfonds „Inklusion“ der Bürgerstiftung Ostallgäu, der Sparkasse Allgäu sowie der Offenen Behindertenarbeit des BRKs, schließlich Wirklichkeit wurde.

Seit September vergangenen Jahres besuchen 14 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in zwei Gruppen die Musikschule. Mit dem Begrüßungslied „Wir wollen uns begrüßen und stampfen mit den Füßen“, starteten die Musikerinnen und Musiker gleich mit vollem Körpereinsatz in den Konzertabend. Es wurde gestampft und geklatscht und gesungen. „Wir gehören zusammen, zusammen sind wir stark“, lautete der Text, der nicht passender hätte sein können. Wie stark die Gruppe zusammenspielen kann, zeigte sich schnell: Verschiedenste Musikinstrumente kamen zum Einsatz. Trommeln, eine Kalimba und Blockflöten, auf denen die Teilnehmer erst seit fünf Monaten spielen.

Musikschullehrerin in Marktoberdorf: "Es kommt so viel zurück"

„Es war ein kompliziertes Schuljahr, aber wir sind unheimlich dankbar und glücklich, mit euch zusammenzuarbeiten“, sagte Julian Johannes, der die Musiker am Klavier begleitete. Die Bühne gehörte den Hauptpersonen des Abends: den Musikern. Und diese genossen es sichtlich, ihr Können zu zeigen. Ob eine spontane Gesangseinlage mit dem Lied „Schön ist es auf der Welt zu sein“ oder eine Zugabe auf dem Schlagzeug: Die Kursteilnehmer feierten zur Musik. Auch das Publikum stimmte immer wieder in die Lieder mit ein, schunkelte, tanzte und klatschte.

„Musik ist der schönste Ort der Begegnung“ brachte es Irina Schleich auf den Punkt. „Jeder Unterricht ist ein neues Erleben“, beschrieb sie den Kurs. Die Musiklehrerin ist Inklusionsbeauftragte an der Musikschule. Auch Julian Johannes hat im Studium bereits Erfahrung in der Arbeit mit Menschen mit Handicap gesammelt. „Ich hatte immer gehofft, das mal aufnehmen zu können“, sagt er. Die Arbeit mit den Kursteilnehmern mache viel Spaß. „Sie sind so dankbar und es kommt so viel zurück“, sagt auch Schleich. Jeder Schüler und jede Schülerin habe andere Talente, erklärt sie. Der eine kann besser trommeln, die andere besser flöten.

Leiter der Musikschule Marktoberdorf, hofft Angebot fortsetzen zu können

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Das bewiesen die Kursteilnehmer bei ihrem Konzert. Von Schüchternheit vor dem großen Publikum war keine Spur. Sie genossen jede Minute. Ein voller Erfolg – der hoffentlich noch weiter fortgesetzt werden kann, sagt Robert Maul. Er hofft, noch mehr Teilnehmer für das Angebot zu finden und den Kurs dauerhaft anbieten zu können. „Jeder kann Musik machen“ lautet nämlich das Motto der Musikschule.

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