Es regnete wolkenbruchartig

„Nacht des Schreckens“ in Obergünzburg: Ein Hochwasser, das in die Geschichte eingeht

GÜ OG Hochwasser

Das Hochwasser 1965 überschwemmte nicht nur das Entenmoos und die Kemptener Straße, sondern ganz Obergünzburg.

Bild: Hermann Knauer

Das Hochwasser 1965 überschwemmte nicht nur das Entenmoos und die Kemptener Straße, sondern ganz Obergünzburg.

Bild: Hermann Knauer

Im Juni 1965 werden selbst die kleinsten Bäche in Obergünzburg zu reißenden Fluten. Was die Gemeinde tut, um ähnliche Katastrophen vom Ort fernzuhalten.
17.07.2021 | Stand: 20:42 Uhr

Auf dem Juni-Kalenderblatt des Bildkalenders des Arbeitskreises Heimatkunde Obergünzburg (AKH) bannt Xaver Wassermann die friedliche Günz (1978 signiert) in Öl auf die Leinwand. Es ist ein Sommertag, an dem sich der Fluss seinen Weg durch die Feuchtwiesen des Östlichen Günztals sucht. Im Juni 1965 jedoch wäre dieses Bild nicht möglich gewesen. Denn damals sollte die Nacht vom 10. auf 11. Juni zu einer langen Nacht des Schreckens und der Angst werden.

Hochwasser in Obergünzburg: Reißende Fluten durchzogen den Ort

Gleich mehrere Gewitter gingen am Nachmittag dem verheerendsten mit wolkenbruchartigen Regenfällen und Hagelschlag um 22 Uhr voraus. Bis Mitternacht durchzogen reißende Fluten, die bis zu 80 Zentimeter hoch waren, den kompletten Ort. Die Feuerwehren aus den umliegenden Gemeinden halfen die ganze Nacht über der Obergünzburger Feuerwehr, die bis zur Erschöpfung das Hab und Gut der Bevölkerung zu retten versuchte.

Der vom Eschenloh unbändig reißend und furchterregend herkommende Tobelbach riss knapp unterhalb der Wiesmühle der Hochwasser führenden Günz ganze Uferböschungen weg. Der Obere Markt, derSeilerweg, die Kemptener Straße, das komplette Entenmoos, der Hammerschmiedeweg und der Untere Markt war hüfthoch überschwemmt. Auch der Schind- und Salabach wurden zu reißenden Flüssen. Erst am folgenden Wochenende zeigte sich, was das Hochwasser für verheerende Schäden angerichtet hatte. Die bis dahin schlimmste Hochwasserflut vom 31. Oktober 1919, so ist in der örtlichen Zeitung vom 12./13. Juni 1965 zu lesen, sei weit hinter dieser von 1965 zurück geblieben.

Hochwasserdämme, Rückhaltebecken und Abwasserkanäle verschonen Obergünzburg vor Hochwassern

Nach der Hochwasserkatastrophe 1965, in den Folgejahren 1978 und um das Jahr 2000, als das Freibad Hagenmoos, der Schindbach und die Sturzfluten von Habersberg neben vielen Gebäuden auch die Reitanlage und das neu erbaute Seniorenheim in großen Teilen verwüstete, investierte der Markt Obergünzburg Millionenbeträge in Hochwasserdämme, in Oberwasser-Rückhaltebecken, andere Rückhaltebauwerke und Abwasserkanäle. Bisher wurde somit der Markt Obergünzburg von weiteren Hochwassern diesen Ausmaßes verschont.

Interessierte können die Rückhaltebauwerke und die Hochwasser-Einlaufkanäle im Rahmen der Historischen Spaziergänge bzw. Fahrrad-Spazierfahrten mit dem Arbeitskreis Heimatkunde unter Führung von Hermann Knauer besichtigen. Nächster Termin am Samstag, 7. August um 14 Uhr. Anmeldung unter der Mailadresse oalhk739t-online.de oder unter der Telefonnummer 08372/1416.

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