Nachgefragt bei den Standesämtern

Hochzeiten, Sterbefälle, Hausgeburten: Das Ostallgäu zieht Bilanz

Ein Blick in die Standesamt-Statistik zeigt: In Obergünzburg gab es 2020 ungewöhnlich viele Hausgeburten.

Ein Blick in die Standesamt-Statistik zeigt: In Obergünzburg gab es 2020 ungewöhnlich viele Hausgeburten.

Bild: Carl-Thiem-Klinikum, dpa (Symbolfoto)

Ein Blick in die Standesamt-Statistik zeigt: In Obergünzburg gab es 2020 ungewöhnlich viele Hausgeburten.

Bild: Carl-Thiem-Klinikum, dpa (Symbolfoto)

In Obergünzburg gab es 2020 ungewöhnlich viele Hausgeburten: fünf Stück, davon gleich vier Buben. Was ein Blick in die Statistik im Corona-Jahr zudem zeigt.
03.02.2021 | Stand: 06:03 Uhr

Dass Buben sich in der Regel im Hotel Mama sehr wohl fühlen und oft später als Mädchen ausziehen, ist hinlänglich bekannt. Dass Buben nun auch lieber zu Hause zur Welt kommen als Mädchen, scheint zumindest im Standesamtsbezirk Obergünzburg so zu sein. Dort wurden im vergangenen Jahr fünf Hausgeburten – eine mehr als 2019 – beurkundet: ein Mädchen erblickte in der elterlichen Wohnung das Licht der Welt und gleich vier Buben.

58 Geburtseinträge wurden elektronisch nacherfasst. Im Geburtenregister wurden 220 Hinweise eingetragen. zum Beispiel Ehe, Kind oder Tod des Kindes. 17 Mal wurde die Vaterschaft zu einem Kind anerkannt. (Lesen Sie auch: Von Thiago bis Excel: So nennen Allgäuer ihre Kinder)

Zahl der Eheschließungen gesunken

Die Zahl der Eheschließungen ist von 47 auf 40 gesunken. Für 31 Paare war es die erste Heirat, bei neun Paaren war ein Verlobter schon ein- oder mehrmals verheiratet gewesen. Bei 39 Paaren sind beide deutsche Staatsangehörige, bei einem Paar war ein Verlobter ausländischer Mitbürger.

37 Paare entschieden sich für einen gemeinsamen Ehenamen, dabei wurde 35 Mal der Name des Mannes und zweimal der Name der Ehefrau gewählt. Doppelnamensführungen gab es dreimal, drei Paare bevorzugten die getrennte Namensführung. 64 Heiratseinträge wurden elektronisch nacherfasst. Im Heiratsregister wurden zudem 62 Auflösungen zum Beispiel durch Tod oder Scheidung eingetragen.

Zahl der Sterbefälle gestiegen

Die Zahl der Sterbefälle stieg im Vergleich zum Vorjahr von 62 auf 74: 34 Männer und 40 Frauen. 65 Verstorbene hatten ihren Wohnsitz im Standesamtsbezirk, neun Verstorbene wohnten außerhalb. 78 Bürger erklärten den Austritt aus einer Kirche. Dies betraf in 64 Fällen die römisch-katholische und in 14 die evangelische Kirche. Über 800 Urkunden wurden beim Standesamt Obergünzburg ausgefertigt.

Mehr Biessenhofener gestorben

Der Standesamtsbezirk Biessenhofen, zu dem die Kommunen der Verwaltungsgemeinschaft gehören, verzeichnete – ähnlich wie im Vorjahr – 32 Trauungen, zwei Kinder wurden geboren. Die Zahl der Sterbefälle stieg von 35 auf 42, die der Kirchenaustritte sank von 89 auf 60, davon 50 römisch-katholisch, sieben evangelisch-lutherisch und drei rumänisch-orthodox.

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Wie im Vorjahr waren es sechs Paare, die sich in Ronsberg trauen ließen. Die Zahl der Sterbefälle stieg von sieben auf zehn, es wurde eine Geburt angemeldet. Die Zahl der Kirchenaustritte ist mit 13 gleich geblieben, davon zehn katholisch und drei evangelisch.

In Unterthingau zu Heiraten so beliebt wie noch nie

Die Zahl der Hausgeburten verharrte im Bezirk Unterthingau im Vergleich zum Vorjahr auf eins. Das entspricht laut Standesamtsleiter Hans Brugger dem langjährigen Durchschnitt.

„Die Liebe ließ sich auch in Unterthingau nicht von der Coronakrise bremsen“, sagt er und verweist auf die Zahlen: „Es wurden mehr Paare getraut als jemals zuvor.“ Heißt: Es gab 64 Trauungen, ein Plus von 18. Während zur Zeit der ersten Corona-Welle im März und April niemand den Bund fürs Leben schloss, boomte es regelrecht im Spätsommer: Im August und September zogen 23 Paare ins Standesamt, im Dezember, der am drittstärksten nachgefragte Monat, waren es neun.

Deutlich mehr Einheimische vermählt

Während es in den vergangenen Jahren annähernd gleich viele Auswärtige wie Einheimische waren, die sich das Ja-Wort gaben, schlug 2020 die Waage mit 38 zu 26 klar zu Gunsten der einheimischen Brautleute aus. Dieser Anstieg sei auch für das Gesamtplus verantwortlich. Fünf Paare hatten doppelten oder einseitigen Auslandsbezug. Es gab 2020 nur eine gleichgeschlechtliche Ehe zwischen zwei Männern zu beurkunden.

Candle-Light-Trauungen mussten weiterhin aus Brandschutzgründen aus dem Angebot genommen werden. Meist wurde das Schloss in Unterthingau, das einen ungebrochenen Anziehungspunkt darstellt, für die Trauung gewählt, vier Paare gaben sich in Görisried da Ja-Wort. Im Schloss fanden 90 Prozent der Hochzeiten im Fest- oder Sitzungssaal statt, fünf Paare wollten kleinstmöglich im Standesamtsbüro heiraten, das Häringerhaus wurde für Brugger überraschend diesmal nicht gebucht.

Gleich vier Paare heiraten an Silvester

Coronabedingt gab es Absagen und teils mehrfache Verschiebungen aus dem eigenen wie auch aus fremden Standesamtsbezirken. Auffällig waren vier Silvesterhochzeiten, die allesamt im kleinen, erlaubten Rahmen mit fünf Personen stattfanden. Die meisten Hochzeiten fanden am Wochenende statt, zwischen Freitagmittag und Samstagnachmittag waren es 53 von 64.

Bei rund 5000 Einwohnern und 64 Hochzeiten habe Unterthingau einen vergleichsweise hohen Durchschnitt an Eheschließungen pro Einwohner. 46 Paare wählten den Geburtsnamen des Mannes als Ehenamen, fünf den der Frau und sieben Paare behielten ihre bisherigen Namen weiter. Bei sechs Paaren stellte ausnahmslos die Frau ihren bisherigen Namen voran, um künftig einen Doppelnamen zu führen.

Weiter wurden im Standesamt 21 Sterbefälle (plus vier) beurkundet. Es wurden fast nur Sterbefälle von Bürgerinnen und Bürgern aus Unterthingau, Görisried oder Kraftisried beurkundet, lediglich eine Verstorbene wohnte außerhalb. Die Kirchenaustritte sind nach dem Rekordjahr 2019 wieder gesunken: Im vergangenen Jahr kehrten 33 Katholiken und fünf evangelische Bürger der Kirche den Rücken (minus neun).