Prozess

"Hunde-Entführung" im Ostallgäu landet vor Gericht

Weil er angeblich den Hund seiner Noch-Ehefrau entführt haben sollte, musste sich ein 62-Jähriger vor Gericht verantworten (Symbolfoto).

Weil er angeblich den Hund seiner Noch-Ehefrau entführt haben sollte, musste sich ein 62-Jähriger vor Gericht verantworten (Symbolfoto).

Bild: Patrick Pleul/dpa

Weil er angeblich den Hund seiner Noch-Ehefrau entführt haben sollte, musste sich ein 62-Jähriger vor Gericht verantworten (Symbolfoto).

Bild: Patrick Pleul/dpa

Rentner (62) soll trotz Kontaktverbot das Grundstück seiner Noch-Ehefrau betreten und das Tier geholt haben. Warum das Verfahren eingestellt wird.

Weil er angeblich den Hund seiner Noch-Ehefrau entführt haben sollte, musste sich ein 62-Jähriger vor Gericht verantworten (Symbolfoto).
Von Barbara Bestle
23.08.2020 | Stand: 15:09 Uhr

Das Verschwinden eines Hundes hatte im Juli 2019 im Ostallgäu für Aufregung gesorgt und beschäftigte nun auch das Kaufbeurer Amtsgericht. Dem Noch-Ehemann der Hundebesitzerin wurde vorgeworfen, trotz eines Kontaktverbots das Grundstück der zu diesem Zeitpunkt abwesenden Frau betreten und den Hund in seinem Auto mitgenommen zu haben. Kurz darauf soll er ihn laut der Beobachtung eines Zeugen an einer anderen Stelle im Dorf ausgesetzt haben.

Vor Gericht beteuerte der 62-jährige Rentner seine Unschuld. Angesichts von teilweise widersprüchlichen Zeugenaussagen und einer allgemein „mehr als nur verfahrenen“ Situation sondierte der Richter bei der Staatsanwältin und dem Verteidiger die Möglichkeit einer Verfahrenseinstellung. Letztlich waren beide dazu bereit. Der Hund war damals übrigens von selbst wieder nach Hause gekommen.

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Der bislang unbescholtene Angeklagte hatte zunächst einen Strafbefehl wegen eines Verstoßes gegen das Gewaltschutzgesetzes erhalten. Dieser hatte auf 40 Tagessätze zu je 40 Euro gelautet, insgesamt also auf eine Geldstrafe in Höhe von 1600 Euro. Im Einspruchsverfahren gab der Ostallgäuer nun an, der Hund sei früher schon weggelaufen.

Auf seine Frage, warum er denn das Tier hätte entführen und aussetzen sollen, meinte der Richter: „Da würde mir ganz spontan Rache einfallen.“ Der Rentner erklärte daraufhin sinngemäß, er leide zwar unter dem Scheitern seiner Ehe, sei aber weder nachtragend noch rachsüchtig. Am fraglichen Tag sei er zwar durch den Ort gefahren, aber nicht am Grundstück seiner Noch-Ehefrau vorbeigekommen.

Zeugen-Aussagen bei "Hunde-Entführung" entscheidend

Ein entscheidender Punkt bei den Ermittlungen war die Aussage eines Zeugen aus dem Ort. Der Mann hatte den Angeklagten nach eigenen Angaben von seinem Grundstück aus dabei beobachtet, wie er den Hund auf der gegenüberliegenden Straßenseite aus dem Auto ließ und dann wegfuhr. Er selbst habe dann vergeblich nach dem Tier gesucht und anschließend die Schwiegermutter des Angeklagten über seine Beobachtung informiert, so der Zeuge. Der Verteidiger wunderte sich über den genannten Aussetzungsort und sagte: „Wenn ich einen Hund aussetzen will, mache ich es doch nicht mitten im Ort.“

Sympathien im Ostallgäuer Dorf sind klar verteilt

Der Richter wollte dem Zeugen zwar keine falsche Aussage unterstellen. Er hatte aber durchaus auch den Eindruck, „dass die Sympathien im Dorf klar verteilt sind“ – und zwar nicht zugunsten des Angeklagten. Der Zeuge hatte nach eigenen Angaben vom Hörensagen mitbekommen, dass der Rentner seine Familie „schikaniere“, worüber „viele im Ort“ ungehalten seien. Die Mutter der Ehefrau machte vor Gericht kein Hehl aus ihrem schlechten Verhältnis zu ihrem Noch-Schwiegersohn, den sie unter anderem für Schäden am Grundstück verantwortlich machte. Zum Ablauf des fraglichen Vormittags verwickelte sie sich dann teilweise in Widersprüche. Deshalb kam der Richter in einer vorläufigen Einschätzung der Situation zu dem Schluss, „dass der Zeitstrahl hinten und vorne nicht passt“. Auch in einem weiteren Punkt war die Aussage der Zeugin nicht konstant: Nachdem sie zunächst erklärt hatte, der Hund sei früher nie weggelaufen, musste sie dies am Ende ihrer Aussage nach einem entsprechenden Vorhalt des Angeklagten revidieren.