Leben im Alter

Immer mehr Pflegebedürftige: Wie sich die Situation im Ostallgäu verschärft

Die Zahl der pflegedürftigen Menschen steigt im Ostallgäu in den nächsten Jahren stark an.

Die Zahl der pflegedürftigen Menschen steigt im Ostallgäu in den nächsten Jahren stark an.

Bild: Bernhard Weizenegger

Die Zahl der pflegedürftigen Menschen steigt im Ostallgäu in den nächsten Jahren stark an.

Bild: Bernhard Weizenegger

Ein Drittel mehr ältere Menschen sind bis 2034 auf Hilfe angewiesen. Das Problem: Die Angehörigen schaffen das nicht mehr. Wie der Landkreis Ostallgäu helfen will.
03.04.2021 | Stand: 10:30 Uhr

Der demografische Wandel und veränderte familiäre Strukturen stellen den Landkreis Ostallgäu vor große Herausforderungen in der Senioren- und Sozialpolitik. Um sich darauf vorzubereiten, hat der Landkreis im Jahr 2020 eine Pflegebedarfsermittlung erstellt. Sie soll eine Grundlage dafür bilden, Angebote im Bereich der Seniorenarbeit und der Altenhilfe zukünftig zu planen und weiterzuentwickeln.

Zahl der alten Menschen im Ostallgäu wächst sehr stark

In Zusammenarbeit mit dem BASIS-Institut in Bamberg hat die Seniorenbeauftragte des Landkreises, Irmgard Haberberger, 5000 Personen der Generation 55plus befragt und Experten interviewt. Zudem gab es mehrere Bürgerworkshops. Das Ergebnis: Vor allem der überproportionale Zuwachs der Anzahl alter und sehr alter Menschen bei gleichzeitiger Abnahme der Zahl von Menschen im erwerbsfähigen Alter sei bereits heute eine der großen Herausforderungen für den Landkreis und die Kommunen. Dies werde sich in den nächsten Jahren erheblich verschärfen.

Angehörige müssen entlastet werden

Demnach könnte die Zahl der Unterstützungs- und Pflegebedürftigen von aktuell etwa 4600 bis 2034 um fast ein Drittel auf 6100 Menschen ansteigen. Es sei absehbar, dass die heute größte Stütze in der Betreuung, Pflege und Versorgung, nämlich die Angehörigen, diesen enormen Beitrag zukünftig nicht mehr wie im bisherigen Umfang übernehmen können, da immer weniger Angehörige für immer mehr betagte Menschen da sein müssten.

Auf vier Feldern will das Ostallgäu handeln

Die wesentlichen Ergebnisse der Pflegebedarfsermittlung stellten unmittelbaren Handlungsbedarf in vier Bereichen fest:

  • Entlastung, Beratung und Wertschätzung der pflegenden Angehörigen
  • Alters- und alternsgerechte Entwicklung der Gemeinden
  • Ausbau ambulanter und (teil-)stationärer Einrichtungen und Dienste im Landkreis
  • Bewältigung der Folgen des Fachkräftemangels.

Laut Landratsamt seien bereits zwei umfassende Maßnahmenpakete entwickelt worden, die sich aktuell in der Umsetzung befänden. Die Begleitung der Kommunen bei Gemeindeentwicklungsprojekten, der Aufbau eines Pflegestützpunktes, einer kostenlosen, umfassenden und unabhängigen Beratungsstelle für Fragen rund um das Thema Pflege und die Unterstützung beim Aufbau alternativer Wohnprojekte seien nur einige Beispiele für Maßnahmen, die schon jetzt von den Mitarbeitern des Sachgebietes Soziale Entwicklung im Landratsamt gefördert und unterstützt würden. (az)

Lesen Sie auch
##alternative##
Hilfe für pflegende Angehörige

Das sind die Pflege-Beratungsstellen im Allgäu - "Viele wissen gar nicht, welche Möglichkeiten es gibt"

Die Pflegebedarfsermittlung ist im Internet einsehbar und kann heruntergeladen werden:

www.sozialportal-ostallgaeu.de