Preiswürdig

In Marktoberdorf sind Jung und Alt gemeinsam stark

Um das Miteinander von Alt und Jung ging es in dem ausgezeichneten Projekt des Bayerischen Roten Kreuzes.

Um das Miteinander von Alt und Jung ging es in dem ausgezeichneten Projekt des Bayerischen Roten Kreuzes.

Bild: Fotos: Bayerisches Jugendrotkreuz

Um das Miteinander von Alt und Jung ging es in dem ausgezeichneten Projekt des Bayerischen Roten Kreuzes.

Bild: Fotos: Bayerisches Jugendrotkreuz

Kinder und Jugendliche aus Marktoberdorf setzen sich besonders für Senioren ein. Wie ihr Engagement jetzt belohnt wurde.
01.12.2020 | Stand: 06:09 Uhr

Der mit 2 000 Euro dotierte Leonore von Tucher Stifterinnen-Preis ist in der Geschäftsstelle Marktoberdorf des BRK-Kreisverbandes Ostallgäu für ein Marktoberdorfer Kinder- und Jugendprojekt übergeben worden. Coronabedingt fand die Preisübergabe in kleinstem Kreis statt. Die frühere Präsidentin des Bayerischen Roten Kreuzes, Christa Prinzessin von Thurn und Taxis, ist Vorsitzende des Kuratoriums und übergab den Preis stellvertretend. Ausgezeichnet wurde ein Projekt, das den Dialog von Jung und Alt in besonderer Weise fördert. Die Initiatoren sind Kinder und Jugendliche aus Marktoberdorf.

Ob Soft-Bowling, Tisch-Kicker oder „Fuchs, Du hast die Gans gestohlen“, die Kinder und Jugendlichen aus Marktoberdorf haben es sich nicht leicht gemacht, den Bewohnern des Seniorenwohn- und Pflegeheims Gulielminetti eine Freude zu bereiten. Für ihren beispielhaften Einsatz erhielten sie jetzt eine besondere Auszeichnung. Ihr Projekt zum Thema „Jung und Alt“ setzte sich bei der Vergabe des Leonore von Tucher Stifterinnen-Preises als vorbildliches Projekt für Bayern durch. Der Preis wird im Turnus von zwei Jahren vergeben. Bei der Entscheidung spielte die Projektvorbereitung eine wichtige Rolle.

"Wie fühlt sich alt sein an?"

„Wie fühlt sich altern an und was bedeutet es, alt zu sein?“ Auf diese Frage suchten die Kinder bereits vor der Begegnung mit den Senioren eine Antwort. Sie übten den Umgang mit Rollator und Rollstuhl, fanden heraus, wo sich die Bremsen befinden und wie man Barrieren umfährt. Mithilfe einer Simulationsbrille empfanden sie Einschränkungen des Sichtfeldes und der Sehkraft nach. Außerdem ertasteten sie mit einem Blindenstock Hindernisse und übten das Lesen in Blindenschrift. Kopfhörer simulierten Schwer- und Gehörlosigkeit. Die Kinder erlernten Begriffe der Gebärdensprache und erfuhren zudem, wie wichtig es ist, laut und deutlich zu sprechen und sich im Blickfeld der betreffenden Person zu befinden.

„Die Kinder gehen im Projekt in den Perspektivwechsel und machen ganz eigene Erfahrungen. Das fördert ihre Empathie und stärkt zugleich den Dialog“, sagt Sonja Hieber, Vorsitzende des Bayerischen Jugendrotkreuzes. Sie ist eine der vier Gruppenleitenden im Jugendrotkreuz Marktoberdorf, Kreisverband Ostallgäu, die das Konzept „Jung und Alt – Gemeinsam sind wir stark“ im Jahre 2019 gemeinsam mit den Kindern erarbeitet haben. „Das Projekt ist nicht einmalig, sondern auf Langfristigkeit angelegt“, unterstreicht Hieber das Engagement. Während des Lockdowns im Frühjahr hielten die Kinder den Kontakt mit den Bewohnern und schickten ihnen Bilder und Briefe. Weitere Altenpflegeeinrichtungen sollen folgen, sobald es die coronabedingten Einschränkungen zulassen.

Das Projekt basiert inhaltlich auf den Themenfeldern Singen, Spielen und Lesen. Die Kinder haben Lieder für die Senioren zusammengestellt und fertigten eigens für sie ein Liederbuch. Sie übten vorab auf ihren Instrumenten, damit sie die Bewohner beim Singen begleiten konnten. Spiele wie „Zahlenwerfen“, „Mensch Ärgere Dich nicht“ oder Tisch-Kicker wurden in Abstimmung mit der Pflegeleitung ausgewählt und von den Kindern in Eigenregie vorbereitet. Viel Herzblut haben sie in ihre Arbeit gesteckt und wurden dafür mit einem großartigen Projekttag belohnt. Berührungsängste sind schnell verflogen, denn alle Beteiligten machten begeistert mit. Siegerteams wurden bejubelt, neue Songs gesungen und Geschichten gelesen. Zur Freude der Beteiligten war das Motto „Jung und Alt - Gemeinsam sind wir stark“, an diesem Tag jederzeit spür- und erlebbar.