Welchen Stellenwert haben Kunst und Kultur?

Kunst und Kultur während Corona: Online-Diskussion der Grünen mit Allgäuer Beteiligung

Auch die Ostallgäuer Kunstausstellung im Marktoberdorfer Künstlerhaus ist zurzeit nur online zu sehen. Bei der Online-Podiumsdiskussion der Grünen zum Stellenwert der Kunst und Kultur war auch die Intendantin des Landestheaters Schwaben, Dr. Kathrin Mädler, dabei.

Auch die Ostallgäuer Kunstausstellung im Marktoberdorfer Künstlerhaus ist zurzeit nur online zu sehen. Bei der Online-Podiumsdiskussion der Grünen zum Stellenwert der Kunst und Kultur war auch die Intendantin des Landestheaters Schwaben, Dr. Kathrin Mädler, dabei.

Bild: Alfred Michel

Auch die Ostallgäuer Kunstausstellung im Marktoberdorfer Künstlerhaus ist zurzeit nur online zu sehen. Bei der Online-Podiumsdiskussion der Grünen zum Stellenwert der Kunst und Kultur war auch die Intendantin des Landestheaters Schwaben, Dr. Kathrin Mädler, dabei.

Bild: Alfred Michel

Bei einer Online-Podiumsdiskussion der Grünen wurden die Corona-Probleme von Künstlern thematisiert. Dabei war auch die Intendantin des Landestheaters Schwaben.
10.04.2021 | Stand: 04:30 Uhr

Nach einem Jahr Corona-Pandemie stelle sich ein Vergeblichkeitsgefühl ein, berichtete Dr. Kathrin Mädler, Intendantin des Landestheaters Schwaben, bei einer Online-Podiumsdiskussion der Grünen. In der vom Bundestagskandidaten Daniel Pflügl moderierten Debatte ging es vor allem um die Frage, welchen Stellenwert die Gesellschaft der Kunst und der Kultur beimisst. Chorleiter Jürgen Brennich stellte zusammenfassend fest: „Wir müssen uns gemeinsam dagegen sträuben, dass Kunst als schmückendes Beiwerk gilt, das einfach abgesagt werden kann.“

Kunst als Beitrag zur Krisenbewältigung

Mädler und ihr Team in Memmingen hätten unentwegt weitergearbeitet, geprobt, Produktionen fertig gestellt und sich auf Öffnungen vorbereitet. Die künstlerische Arbeit werde allerdings oft vom Krisenmanagement verdrängt, dabei könnte die Kunst wertvolle Beiträge zur Krisen- und Traumabewältigung leisten, sagte die Intendantin.

Auch für die Musikerin Johanna Langer und den Chorleiter Jürgen Brennich stellt die Absage von Auftritten eine große Herausforderung dar. Es sei schwierig, ein musikalisches Niveau zu halten, wenn Proben nur unter erschwerten Bedingungen möglich sind und die Perspektive fehlt, auf Auftritte hinzuarbeiten. Gerade für Berufsmusiker sei die Pandemie auch ein finanzielles Desaster. (Lesen Sie auch: Modellprojekt in Eggisried: Pflegekräfte sollen durch Kunst Kraft schöpfen)

Gesellschaftlichen Wert von Kunst würdigen

Staatliche Leistungen seien viel zu spät gekommen, teilweise sogar gar nicht, viele Betroffene hätten bereits umgesattelt. In der freien Kunst- und Kulturszene werde es einen Verlust an Vielfalt durch die Pandemie geben, befürchtet Mädler. Aber auch öffentlich geförderte Institutionen seien darauf angewiesen, dass der hohe gesellschaftliche Wert von Kunst und Kultur auch bei pandemiebedingt klammen Haushalten in den nächsten Jahren noch gewürdigt wird.

Im Vergleich zur darstellenden Kunst habe die bildende Kunst immer schon stärker in Rückzugsräumen wie dem Atelier stattgefunden und sei nicht so direkt auf Publikumspräsenz angewiesen, erklärte der freie Künstler Adi Hoesle. Für seine Arbeit habe der Lockdown keine negativen Auswirkungen gehabt: „Ich habe das zunächst sogar als sehr entspannend empfunden. Ich war unheimlich produktiv und kreativ mit Dingen, an denen ich immer schon arbeiten wollte, für die ich sonst aber keine Zeit hatte“, sagt der Künstler.

Nachfrage nach Corona-Karikaturen hoch

Lesen Sie auch
##alternative##
Ausstellung

Ein kleiner Ort im Unterallgäu bietet einen "Skulpturen-Sommer" im XXL-Format

Auch für Horst Wendland ist die Arbeit an seinen Skulpturen nicht von Corona beeinträchtigt, in seiner Tätigkeit als Karikaturist hingegen sei Covid-19 Dauerthema, die Nachfrage nach Corona-Karikaturen sehr hoch: „Da habe ich bei den Skulpturen keine Lust, das Thema auch noch zu verarbeiten. Wer würde sich auch eine Covid-Skulptur ins Wohnzimmer stellen?“

Dass Ausstellungen weiterhin wegfallen, könnte allerdings auch für Wendland zum Problem werden. In der MEWO Kunsthalle Memmingen seien bislang die Ausstellungen so lange verlängert worden, dass trotz der zwischenzeitlichen Schließungen Besucher kommen konnten, berichtete Leiter Dr. Axel Lapp. Durch Beschränkungen auf Einzelpersonen und die Terminvergabe erreiche man allerdings ausschließlich ein vertrautes Stammpublikum. (Lesen Sie auch: Kulturpreis für die Filmzeit: So reagiert die Festivalleiterin)

„Wir stehen alle in den Startlöchern und wollen zurück auf die Bühne“

Alle Beschäftigten der Kulturbranche eint derzeit wohl die Hoffnung, mit Hygienekonzepten und Modellprojekten wie in Tübingen bald wieder Veranstaltungen durchführen zu können. Mehrfach wurde auf dem Podium auf Studien verwiesen, die für Kulturveranstaltungen lediglich ein geringes Infektionsrisiko festgestellt hätten. Konzepte seien längst erarbeitet und könnten umgesetzt werden. Johanna Langer fasste zusammen: „Wir stehen alle in den Startlöchern und wollen zurück auf die Bühne.“

Konzepte differenzieren

Mädler verwies auch auf den Verfassungsrang von Kunst und Kultur, demzufolge Kulturinstitutionen ebenso wie Kirchen von pauschalen Schließungen ausgenommen sein sollten. Sie forderte differenzierte Öffnungskonzepte und dass die Kunst in der Systemrelevanz-Debatte weiterhin wieder verstärkt im Fokus bleiben sollte.

Lesen Sie auch: Der Sonthofer Künstler Patricio Cataldo zeigt seine Werke von New York bis Shanghai