Auszeichnung

"Irgendjemand musste was tun": Peter Pötz überwältigt aggressiven Mann in Marktoberdorfer Supermarkt

Ein aggressiver Mann zertrümmerte das Weinregal in einem Marktoberdorfer Supermarkt. Peter Plötz griff ein.

Ein aggressiver Mann zertrümmerte das Weinregal in einem Marktoberdorfer Supermarkt. Peter Plötz griff ein.

Bild: dpa, Matthias Balk (Symbolbild)

Ein aggressiver Mann zertrümmerte das Weinregal in einem Marktoberdorfer Supermarkt. Peter Plötz griff ein.

Bild: dpa, Matthias Balk (Symbolbild)

Ein aggressiver Mann bedrohte in Marktoberdorf Kunden und Mitarbeiter eines Supermarktes. Peter Plötz griff ein. Dafür erhält er nun eine Medaille.
04.10.2021 | Stand: 09:47 Uhr

Peter Plötz bereitete der gefährlichen Situation mutig ein Ende: Als ein Mann in einem Supermarkt in Marktoberdorf mit Flaschen um sich warf, Kunden und Mitarbeiter bedrohte, griff der 63-Jährige aus dem oberbayerischen Obersöchering ein. Eine Selbstverständlichkeit für ihn, wie er sagt. Umso mehr freut er sich deshalb über die „Courage-Medaille“ – eine Auszeichnung des Bayerischen Innenministeriums – die er kürzlich für seinen Einsatz in Marktoberdorf bekommen hat.

„Wenn ich helfen kann, helfe ich.“ Das ist ein Grundsatz im Leben von Peter Plötz. Und nach genau diesem Grundsatz handelte er auch am 26. März 2019, als er geschäftlich in Marktoberdorf war und sich eigentlich nur schnell etwas zum Mittagessen kaufen wollte.

Mann rastet in Marktoberdorfer Supermarkt aus

„Ich wurde auf die Situation aufmerksam, weil ich eine Glasflasche zu Boden fallen und zerspringen hörte.“ Immer wieder landeten neue Weinflaschen aus dem Regal auf dem Boden und er beobachtete wie ein Mann die Flaschen mutwillig und wie im Trance „zerdepperte“. Plötz sprach ihn an. Doch statt mit Plötz zu sprechen, warf der Randalierer Glasflaschen in seine Richtung und räumte mit seinen Armen das gesamte Regal leer. Auch eine Mitarbeiterin und der Filialleiter, die zu Plötz stießen, wurden Zielscheibe des aggressiven Mannes, der weiterhin mit Flaschen und Scherben um sich warf.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann und Landespolizeipräsident Prof. Dr. Wilhelm Schmidbauer überreichten Peter Plötz eine Auszeichnung.
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann und Landespolizeipräsident Prof. Dr. Wilhelm Schmidbauer überreichten Peter Plötz eine Auszeichnung.
Bild: Matthias Balk

„Wir versuchten alle beschwichtigend und beruhigend auf ihn einzureden“, sagt Plötz. „Doch er war völlig neben der Spur und hörte uns nicht zu.“ Als der Randalierer mit einer vollen und einer zerbrochenen Glasflasche auf den Filialleiter des Supermarktes losging und Plötz den Rücken zudrehte, habe er die Gelegenheit ergriffen: Mit beiden Händen packte er den Mann am Hemdkragen und riss ihn mit einem Ruck zurück. Zu überrascht, um sich zu wehren, habe er die Flaschen fallen lassen und sei auf den Rücken gefallen. „Dann fixierten ich und der Filialleiter ihn am Boden.“ Bis die Polizei kam, harrten Plötz und der Filialleiter aus und hielten den Mann in Schacht.

„Ich bin froh, dass die Situation gut ausgegangen ist“, sagt Plötz. Schließlich hätte der Mann den 63-Jährigen, den Filialleiter oder Kunden schwer verletzten können. „Eine Verletzung kann ich mir eigentlich nicht leisten.“ Plötz ist Krebspatient. Kurz vor dem Vorfall wurde er operiert. Für seinen geschwächten Körper hätte jede Wunde gefährlich werden können.

Peter Plötz: "Jemand musste etwas tun"

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Trotzdem entschied Plötz, aktiv einzugreifen. „Mir war klar, dass jemand etwas tun muss“, sagt er. Jemand musste der Situation ein Ende setzen. Denn bis die Polizei eingetroffen wäre, hätte der Mann einige Menschen schwer verletzen können. „Und ich würde jederzeit wieder helfen.“

Gerade weil es für Plötz so selbstverständlich ist, dass er eingriff, freute er sich umso mehr über die Wertschätzung für seinen Einsatz. „Ich hätte nicht damit gerechnet, dass ich die Courage-Medaille dafür bekomme“, sagt der 63-Jährige. Doch dass er für sein Engagement geehrt wurde, zeige auch, dass ein solches Handeln für viele Menschen nicht normal ist. „Ich glaube, viele Leute haben Angst, Fehler zu machen und mischen sich lieber nicht in brenzlige Situationen ein.“ Doch mit Reden und aktivem Handeln könne „man vieles wieder geradebiegen“, sagt Plötz. „Egal wie die Hilfe aussieht, irgendwas muss man tun.“

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann und Landespolizeipräsident Prof. Dr. Wilhelm Schmidbauer überreichten bei der Feier in München 34 Bürgerinnen und Bürger die Medaille für Verdienste um die Innere Sicherheit für vorbildliche Zivilcourage. In einem sehr ernsten und schönem Rahmen seien die Auszeichnungen verliehen worden, sagt Peter Plötz. „Ich habe mich sehr wohl gefühlt. Nach und nach seien die Namen der Geehrten aufgerufen worden. Während sie auf die Bühne gingen, sei ihre die Geschichte vorgelesen worden. „Da waren bewegende und sehr dramatische Sachen dabei“, sagt Plötz.

Ein Vorbild für andere

„Sie haben durch Ihr mutiges und beherztes Handeln einen wertvollen Beitrag zur Inneren Sicherheit in unserem Land geleistet“, lobte Herrmann die Geehrten. „Wir brauchen solche Menschen wie Sie, die Zivilcourage zeigen. Sie alle sind großartige Vorbilder. Darauf können Sie stolz sein!“ Wichtig sei aber auch, dass sich niemand in Lebensgefahr bringen müsse. Oftmals sei schon sehr geholfen, nicht wegzuschauen und gleich die Polizei zu verständigen.

Tipps zum richtigen Verhalten in Gefahrensituationen gibt es bei allen Beratungsstellen der Bayerischen Polizei oder im Internet: www.polizei-beratung.de

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