Biessenhofen/Obergünzburg

„Jedes Kind ist mir wichtig“

Die Grundschule Biessenhofen hat ein neues Gesicht: Anna Hertwig. Die 31-Jährige ist die jüngste Rektorin im Ostallgäu. bis/Foto

Die Grundschule Biessenhofen hat ein neues Gesicht: Anna Hertwig. Die 31-Jährige ist die jüngste Rektorin im Ostallgäu. bis/Foto

Bild: Birgit Schindele

Die Grundschule Biessenhofen hat ein neues Gesicht: Anna Hertwig. Die 31-Jährige ist die jüngste Rektorin im Ostallgäu. bis/Foto

Bild: Birgit Schindele

Karriere Anna Hertwig ist die neue Rektorin an der Grundschule Biessenhofen. Sie ist die jüngste Schulleiterin im Ostallgäu
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Von bis
15.10.2019 | Stand: 15:22 Uhr

An ihre Grundschullehrerin kann sich Anna Hertwig noch ganz genau erinnern. „Sie war nicht herzlich“, sagt sie und presst leicht ihre Lippen aufeinander. Der Wunsch, es selbst besser zu machen, sitzt tief. „Jedes Kind ist mir wichtig“, sagt sie. „Jeder Schüler soll wissen, dass ich ihn mag“ – in ihrer Klasse und an ihrer Schule. Anna Hertwig, 31, ist seit diesem Schuljahr Rektorin der Grundschule Biessenhofen – die jüngste im Ostallgäu.

Probleme wegen ihres Alters hatte sie bisher nicht, sagt sie. Im Gegenteil. „Mich haben Kollegen auch schon um Rat gefragt, obwohl ich jung bin.“ Anna Hertwig ist seit 2014 Lehrerin, unterrichtete in Mindelheim und in Obergünzburg, war Beratungslehrerin. Sie musste also schon schwierige Gespräche mit Eltern führen, Streit schlichten oder Schülern mit Lernschwächen helfen.

Dass sie schon mit 31 Jahren eine Schule mit 15 Lehrern und 150 Schülern leitet, hätte sie selbst nicht gedacht. Vergangenen Oktober kam ihr Sohn auf die Welt. Als sie gut ein halbes Jahr später wieder Arbeiten ging, war die Stelle ausgeschrieben „Ergreife die Chance“, riet ihr Mann und reduzierte seine Stunden. Er arbeitet nun Teilzeit, den Rest springt eine Tagesmutter oder die Oma ein. „Felix gefällt das“, sagt Anna Hertwig. „Er strahlt, wenn ich ihn abhole.“

Der Alltag hört sich einfach an, bedarf aber viel Planung. „Ich bin der Organisationstyp“, sagt sie. Sie schreibe gerne To-do-Listen und arbeite sie ab. Genau das reizt sie an der Rektorenstelle: das Administrative. Für sie ein perfekter Ausgleich zum Unterrichten. Hertwig leitet eine erste Klasse. Zweifel, ob sie den neuen Herausforderungen gewachsen ist, hegt sie nicht lange. „Ja, ich habe mich schon gefragt, ob ich meinem Sohn gerecht werde, ob ich zu jung bin, ob ich den Job schaffe.“ Sie bewegt ihre Hand, als wische sie die Zweifel weg. Und sagt mit fester Stimme: „Es wird schon klappen.“ Anna Hertwig vertraut ihren Fähigkeiten, geht Dinge positiv an. „Früher war ich verkopft“, sagt die gebürtige Immenstädterin. Seit sie ihren Mann kennt, sei das anders.

An diesem Nachmittag sitzt Anna Hertwig aufrecht an ihrem Schreibtisch, die Beine stehen fest auf dem Boden. „Ich bin froh, hier zu sein.“ Es klopft an der Tür. Sie wird gebraucht. Auch nach Schulschluss. Wenige Minuten später kehrt sie zurück. „Es ist immer was los.“ Noch ist alles neu für sie, die Gemeinde, das Schulhaus, das Kollegium. „Aber alle sind hilfsbereit.“ Sie strahlt. „Ich wurde herzlich aufgenommen.“ Das sei nicht selbstverständlich. Dazu brauche es ein gutes Klima und eine funktionierende Schulgemeinschaft. „Daran hat meine Vorgängerin mit viel Herzblut gearbeitet.“ Das möchte sie weiterführen.

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Deshalb sind ihr momentan zwei Dinge wichtig: Jeder soll ihr offen sagen, wo der Schuh drückt. Nur dann kann sie Lösungen finden, die Schülern, Lehrern und Eltern gerecht werden. Das Zweite betrifft ihre Arbeit. „Ich möchte erst mal ankommen“, sagt sie. Sprich, sich intensiv einarbeiten, zum Beispiel in das spezielle EDV-Programm, mit dem Klassen geführt und Zeugnisse erstellt werden. Erst dann geht sie eigene Projekte an, etwa eine Schulhomepage einzurichten. „Wir haben ganz engagierte Lehrer, ich will zeigen, was sie machen.“