Festival im Ostallgäu

Ehrenamtliche beim Kammerchorwettbewerb kommen extra aus Vancouver nach Marktoberdorf

Ehrenamtliche Helfer vom Marktoberdorfer Kammerchorwettbewerb erzählen, was für sie an dem Festival so besonders ist.

Ehrenamtliche Helfer vom Marktoberdorfer Kammerchorwettbewerb erzählen, was für sie an dem Festival so besonders ist.

Bild: Gerlinde Schubert, Alfred Michel

Ehrenamtliche Helfer vom Marktoberdorfer Kammerchorwettbewerb erzählen, was für sie an dem Festival so besonders ist.

Bild: Gerlinde Schubert, Alfred Michel

60 Ehrenamtliche arbeiten beim Kammerchorwettbewerb mit. Katharina und Gabriel Müller sind schon viele Jahre dabei, Charlotte Haßler das erste Mal.
07.06.2022 | Stand: 04:00 Uhr

Sieben Chöre aus sechs Ländern haben sich in den vergangenen Tagen beim Internationalen Kammerchorwettbewerb in Marktoberdorf gemessen. Das Festival in der Ostallgäuer Kreisstadt, das an diesem Dienstag mit der Preisverleihung zu Ende geht, ist nicht nur ein musikalischer Wettstreit auf höchstem Niveau, sondern vor allem ein Ort der Begegnung – für die Chöre untereinander, die Besuchern sowie den Ehrenamtlichen, die teils schon seit Jahrzehnten zur Festival-Familie gehören.

Die diesjährige 17. Auflage des Kammerchorwettbewerbs war in vielfacher Hinsicht besonders: Es war das erste Festival nach zwei Jahren Corona-Pause. Wie berichtet, nahmen weniger Chöre als sonst teil. Der russische Chor musste aufgrund der aktuellen politischen Lage absagen. Der künstlerische Leiter des Wettbewerbs, Professor Jürgen Budday, sprach von einer „organisatorischen Gratwanderung“, die das Team vor Herausforderungen stellte. Und doch war die Freude bei allen Beteiligten riesig, das der Wettbewerb stattfinden konnte. „Es war zu spüren, wie groß der Hunger bei den Chören und beim Publikum war“, sagte Budday.

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So präsentieren sich die Chöre in Marktoberdorf

In zwei Wettbewerbsrunden zeigten die Chöre ihr musikalisches Können – und das in allen Facetten. Der indonesische Chor Malang Choral Art beeindruckte mit traditionellen Kostümen und traditionellen Werken wie „Piso Surit“. Die Aufregung und die Anspannung war den Chören sichtlich anzumerken.

Doch das Publikum feierte sie mit Bravo-Rufen. Erstmals nahm auch ein Chor aus Südafrika am Wettbewerb teil. Im Gepäck hatte der Cape Town Youth Choir Lebensfreude pur. Auch der Kammerchor aus Montana in den USA überzeugte nicht nur mit erstklassigem Gesang, sondern auch mit tänzerischen Elementen. Der Frauenchor aus Ostrava bezauberte mit tschechischen Liedern, der Megaron Chamber Choir mit slowenischen. Auch die deutschen Chöre standen ihren Mitbewerbern in nichts nach und interpretierten gekonnt deutsche Klassiker, darunter „Es waren zwei Königskinder“.

Das Miteinander macht den Kammerchorwettbewerb in Marktoberdorf aus

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Die Chöre feuerten sich dabei gegenseitig an. Dieses Miteinander macht den Kammerchorwettbewerb auch aus – vor und hinter der Bühne. Dort halfen nämlich etwa 60 Ehrenamtliche. Unter ihnen waren auch Katharina und Gabriel Müller, die extra aus Kanada zum Wettbewerb angereist waren. Katharina und Gabriel Müller leiteten die Regieabteilung. „Manche nennen uns auch Mama und Papa der Regie“, sagte Gabriel Müller und lacht. Müller ist seit 2001 im Team des Kammerchorwettbewerbs dabei, seine Frau seit 2009.

Seit 2017 lebt das Paar in Vancouver. Dass sie trotzdem noch beim Kammerchorwettbewerb helfen, ist für die beiden keine Frage. Der Kammerchorwettbewerb sei immer wieder ein schönes Erlebnis. „Wir treffen viele Bekannte und Freunde wieder, die wir nur einmal im Jahr beim Wettbewerb sehen“, erzählte Katharina Müller. Dafür nahm das Ehepaar auch gerne ein paar Tage Dauereinsatz auf sich. Sie legten dabei fest, welcher Chor wann auf die Bühne kam, wann die Moderation an der Reihe war und vieles mehr. Für die Müllers war der erste Kammerchorwettbewerb nach Corona ganz besonders. „Wir sind nun auch das erste Mal seit Jahren wieder in Deutschland. Wegen Corona konnten wir nicht kommen.“

Charlotte Haßler ist das erste Mal beim Kammerchorwettbewerb in Marktoberdorf dabei

Ihren ersten Kammerchorwettbewerb erlebte hingegen Charlotte Haßler. Die 16-Jährige stammt aus Rheinland-Pfalz. Über ihren Vater, den Leiter des Südwestpfälzer Kinderchors, stieß sie auf den Wettbewerb und beschloss, zu helfen. Charlotte Haßler verteilte Flyer im Foyer, half bei den Vorbereitungen und hinter der Bühne. „Ich singe selbst im Chor und weiß, wie es ist, auf der Bühne zu stehen. Das alles von der anderen Seite zu erleben, ist spannend.“ Hinter der Bühne erlebte sie hautnah die Aufregung der Sängerinnen und Sänger. Sie hörte die begeisterten Rufe des Publikums, und sie erlebte den Zusammenhalt und das Miteinander im Team.

„Wir haben das Beste draus gemacht, was in diesem Rahmen möglich war“, sagte Festivalleiter Jürgen Budday und zog positive Bilanz. „Das Risiko wurde belohnt.“

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