NS-Zeit

Kontroverse über Obergünzburger DenkStätte

Wo zwischen 1929 und 1958 ein Eisenbahnwaggon in Obergünzburg als Behelfswohnung diente, fördert der Arbeitskreis Lokalgeschichte mit Angeboten von Wilhelm Weinbrenner (stehend,hier mit dem Autor Robert Domes) das Demokratie- und Geschichtsverständnis junger Menschen beispielsweise aus der Realschule.

Wo zwischen 1929 und 1958 ein Eisenbahnwaggon in Obergünzburg als Behelfswohnung diente, fördert der Arbeitskreis Lokalgeschichte mit Angeboten von Wilhelm Weinbrenner (stehend,hier mit dem Autor Robert Domes) das Demokratie- und Geschichtsverständnis junger Menschen beispielsweise aus der Realschule.

Bild: Bettina Losert

Wo zwischen 1929 und 1958 ein Eisenbahnwaggon in Obergünzburg als Behelfswohnung diente, fördert der Arbeitskreis Lokalgeschichte mit Angeboten von Wilhelm Weinbrenner (stehend,hier mit dem Autor Robert Domes) das Demokratie- und Geschichtsverständnis junger Menschen beispielsweise aus der Realschule.

Bild: Bettina Losert

Bei einer Versammlung des Arbeitskreises Heimatkunde Obergünzburg kritisiert Hermann Knauer die geplante Erinnerungseinrichtung und den Verein. Was ihm missfällt.

08.08.2020 | Stand: 12:00 Uhr

Eine kontroverse Diskussion hat sich bei der Monatsversammlung des Arbeitskreises Heimatkunde (AKH) entwickelt. Es ging um die geplante DenkStätte am Bichtholzer Bach (wir berichteten vielfach) und damit um das Thema der Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit. Als Leiter der Arbeitsgemeinschaft Lokalgeschichte hatte Wilhelm Weinbrenner über seine Recherchen über die menschenverachtende Diktatur des Dritten Reichs vor Ort gesprochen. Als Weinbrenner eine Schautafel mit den Ergebnissen der Obergünzburger Reichstagswahl von 1933 zeigte und dabei auch das damalige Wahlergebnis der örtlichen NSDAP erwähnte, entwickelte sich unter den Mitgliedern und Gästen des Arbeitskreises Heimatkunde eine Kontroverse.

Hermann Knauer, aktives Mitglied des Arbeitskreis Heimatkunde, hat nach seiner Schilderung mit deutlichen Worten seine negative Meinung und wie er sagt „die vieler Bürger von Obergünzburg“ zu der geplanten DenkStätte am Bichtholzer Bach, hinter der Rotleitenstraße, kundgetan. Er kritisierte aber auch das Verhalten des AKH, dem er seit über 40 Jahren angehört, der nach seinen Worten stillschweigend die Entscheidung des Marktgemeinderates zum Bau der etwa 60 000 Euro teuren DenkStätte hingenommen habe. Stattdessen hätte der AKH nach Knauers Meinung schon im Vorfeld der Abstimmung seine Bedenken gegen das Klassenzimmer im Freien vorbringen sollen.

"Kein Eklat"

Auf Nachfrage unserer Zeitung zu diesem Thema sagt der Vorsitzende des AKH, Michael Brust, dass Weinbrenner schon vor einigen Jahren das Projekt vorgestellt habe und den AKH auch stets auf dem Laufenden gehalten habe. Mehrheitlich habe der AKH Weinbrenner eine ideelle Unterstützung zugesagt. Er bestätigt, dass bei der jüngsten Monatsversammlung das Thema diskutiert worden sei. Aber Diskussionen seien völlig legitim. Als Eklat aber würde er das nicht bezeichnen.

Wie Knauer sagt, habe er in der Öffentlichkeit und in Briefen an die Marktgemeinde und verschiedene Institutionen seine Sorgen über eine solche DenkStätte im Ort vorgebracht. Wie er weiter sagt, habe er darauf hingewiesen, dass eine DenkStätte im Historischen Museum, eine Gedenktafel oder ein Gedenkstein in einem öffentlichen Gebäude zur Erinnerung an die schreckliche Zeit und als Mahnmal für die nachfolgenden Generationen sowie für den Geschichtsunterricht an den Schulen ebenso geeignet erscheine.

Nur bei trockenem Wetter

Knauer hat Bedenken: Wer außer den Schulklassen wird den ehemaligen Standort des Güterwagons als DenkStätte an die Schreckensherrschaft besuchen? Wer pflegt die Anlage, die etwa 40 Personen Platz bieten soll? Nur wenige Sommermonate im Jahr und nur wenige Wochen nach den Schulferien im Herbst sei dort und nur bei trockenem Wetter ein Geschichtsunterricht möglich. Gleichzeitig stehen für die Schulklassen auch Omnibusfahrten zu den Konzentrationslagern in Dachau und Landsberg auf dem Lehrplan.

Noch keine Schulklasse, so Hermann Knauer, habe je das Kriegerdenkmal im Friedhof oder auf dem Kirchplatz besucht. Wie viele Jugendliche haben wohl je die Gedenkstätte der Heimatvertriebenen und Flüchtlinge auf dem Gottesacker gesehen? Auch wenn der Arbeitskreis Heimatkunde das Projekt nicht mehr verhindern könne, so wäre es nach Ansicht von Hermann Knauer doch seine Aufgabe gewesen, den Verantwortlichen im Markt Obergünzburg ihre Sorgen vorzutragen und zu deren Entscheidungsfindung beizutragen.