Marktoberdorfer Geschichte(n)

Kriege, Kinderheilungen, Arbeitsunfälle: Welche Geschichten sich um Marktoberdorfer Kapellen ranken

Kapellen-Rundfahrt

Aus Dankbarkeit über seine Rettung aus einer Baugrube errichtete der Marktoberdorfer Baumeister Xaver Schmid in Kühmoos diese kleine Kapelle, die von Familie Settele betreut wird.

Bild: Heimatverein Marktoberdorf

Aus Dankbarkeit über seine Rettung aus einer Baugrube errichtete der Marktoberdorfer Baumeister Xaver Schmid in Kühmoos diese kleine Kapelle, die von Familie Settele betreut wird.

Bild: Heimatverein Marktoberdorf

Von Kapelle zu Kapelle, hieß es bei einer Radltour des Heimatvereins Marktoberdorf. Dabei wurde klar: Es ranken sich tolle Legenden um die heimischen Kirchlein.
10.10.2021 | Stand: 09:15 Uhr

Ein munteres Häuflein von Helfern und Museumsaufsichten des Marktoberdorfer Heimatvereins sattelte beim schönem Wetter die Fahrräder zu einer Kapellen-Rundfahrt. Die Route führte die Teilnehmer von Marktoberdorf über Ettwiesen und Kohlhunden nach Kühmoos und weiter über Schmid’s Wies und Balteratsried nach Hummeratsried.

Beim Kindle im Ettwieser Wald sollen einige Wunder und Heilungen geschehen sein

Der erste Besuch galt der inzwischen 50 Jahre alten Kindle Kapelle im Ettwieser Wald. Sie wurde 1970 vom Heimatverein erstellt. Erste Votivtafeln stammen aber bereits von 1696. Hier sollen Wunder und Heilungen geschehen sein, besonders bei Kindern. Auch heute ist das Kindle ein beliebter Ort der Ruhe und Besinnung, wovon auch die vielen Kindersachen am Stamm einer mächtigen Fichte zeugen.

Ein schattiger Waldweg führte die Radler sodann nach Kohlhunden zur 1701 erbauten Marienkapelle. Deckenfresko, Altarbild und ein Kreuzweg gelten als besonders sehenswert. Nach kurzer Wegstrecke trafen sie in Kühmoos ein. Hier steht seit 1858 unauffällig eine kleine Kapelle am Wegrand. Die von Familie Settele betreute Kapelle erbaute Xaver Schmid, Gründer der Baufirma Xaver Schmid, aus Dankbarkeit über einen glücklich überstandenen Unfall beim Ausheben einer Baugrube in Leuterschach (wir berichteten damals am 19. Juli 1993).

Der Kapellenbauer in Sulzschneid bedankte sich mit dem Kirchlein daüfr, dass er fürchterliche Bombenangriffe überlebt hatte

Über Stock und Stein radelte die Truppe vorbei am neuen Damm des Baldaufweihers zu Schmid´s Wies. Die hiesige kleine Kapelle wird als schönstes Kirchlein im Liliputstil bezeichnet. 1926 erbaute es der Obsthändler Martin Alt aus Ulm. Er erfüllte damit ein Gelübde, da er fürchterliche Bombenangriffe und den Totalschaden seines Hauses lebend überstanden hatte.

Die älteste Kapelle der Tour erstellten Bauern 1671, kurz nach dem 30-jährigen Krieg. Sie steht in Balteratsried und ist den Heiligen Dominikus und Katharina geweiht, die im Altar- und im Deckenbild dargestellt sind. Die letzte Renovierung stemmten Einheimische 1986 selbst.

Der Allgäuer Heilige St. Magnus soll sich in Marktoberdorf-Hummeratsried öfter ausgeruht haben

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Den würdigen Abschluss fand die Rundfahrt in der von der Stadt neu renovierten St. Magnus-Kapelle in Hummeratsried. Drei Bauern hatten 1848 das kleine Gotteshaus als Ziegelbau errichtet. Richard Maul erzählte von einer Legende, die sich um ihren Standort rankt. Der heilige Magnus soll öfter auf einer Bank ausgeruht haben, wo heute die Kapelle steht, und zwar auf seinem Weg von Füssen nach Leuterschach und weiter nach Kempten.

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