Ein Blick hinter die Kulissen

Liebesbetrug im Allgäu: Wie eine Frau zum Opfer wurde

Im mittleren Ostallgäu ist eine Frau auf einen Liebesbetrug hereingefallen. Laut Polizei ist diese Art von Kriminalität inzwischen sehr verbreitet.

Im mittleren Ostallgäu ist eine Frau auf einen Liebesbetrug hereingefallen. Laut Polizei ist diese Art von Kriminalität inzwischen sehr verbreitet.

Bild: Ute Krogull

Im mittleren Ostallgäu ist eine Frau auf einen Liebesbetrug hereingefallen. Laut Polizei ist diese Art von Kriminalität inzwischen sehr verbreitet.

Bild: Ute Krogull

Einen spektakulären Fall von Liebesbetrug gab es aktuell im Ostallgäu. Warum beim Marktoberdorfer Polizeichef bei solchen Fällen alle Alarmglocken schrillen.
16.09.2021 | Stand: 13:21 Uhr

Es war ein gut aussehender Mann, angeblich ein Spanier, der der 61-jährigen Frau aus dem mittleren Ostallgäu im Internet die große, wahre Liebe vorgaukelte. Und sie schenkte den Beteuerungen Glauben. Auf diese Weise schaffte es der Liebesbetrüger, der Frau wieder und wieder Geld aus der Tasche zu locken. So schildert die Polizei einen aktuellen Betrugsfall von sogenanntem „Love Scamming“.

Die Polizei Marktoberdorf bedauert: Die Opfer warten oft lang, bis sie zur Polizei gehen - wenn überhaupt

Am Ende waren es 1500 Euro, die die Ostallgäuerin insgesamt an den Mann überwiesen hatte – und die sie womöglich nie wieder sehen wird. Marktoberdorfs Polizeichef Helmut Maucher bedauert, dass Opfer solcher Fälle oft lang warten, bis sie sie zur Anzeige bringen. Wenn überhaupt. „Die Betroffenen spannen es irgendwann, dass sie ausgenutzt werden, aber dann schämen sie sich leider oft zu sehr, um zur Polizei zu gehen.“

Daher findet er es gut, dass die Frau aus dem Raum Marktoberdorf letztlich doch den Mut aufbrachte, die Polizei einzuschalten. Dabei hat sie sich sogar selbst als „Geldwäscherin“ strafbar gemacht. Der Betrüger überwies ihr nämlich mehrmals auch Geldbeträge, die sie dann an weitere Konten weiterüberweisen sollte.

Manche Betrugsfälle dieser Art ziehen sich nach Auskunft des Marktoberdorfer Polizeichefs über Jahre hin

„Leider sind solche Betrugsfälle, die sich oft sogar über Jahre hinziehen, auch bei uns ein sehr weit verbreitetes Phänomen“, sagt der Polizeichef im Gespräch mit der Allgäuer Zeitung. Alles laufe übers Telefon, übers Internet, Soziale Medien oder Messengerdienste wie Whatsapp.

Oft gibt sich der Liebesflüsterer als gut aussehender Flugkapitän oder US-amerikanischer GI aus

Auch Männer fielen Liebesbetrügereien zum Opfer. „Häufiger aber Frauen“, sagt Maucher. Oft sei der angebliche, nur über solche Medien kennengelernte Liebesflüsterer laut Foto gut aussehend, ein Flugkapitän oder ein US-amerikanischer GI-Soldat beispielsweise. Häufig befinde sich dieser in einer Notlage.

Liebesbetrüger haben im Allgäu im Jahr 2021 schon 250.000 Euro erbeutet.
Liebesbetrüger haben im Allgäu im Jahr 2021 schon 250.000 Euro erbeutet.
Bild: Sebastian Gollnow, dpa (Symbolbild)

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„Da werden dramatische Geschichten erfunden. Beispielsweise, dass man irgendwo in Afrika oder Syrien festsitzt – und daher dringend Geld brauche“, berichtet Maucher. Und bisweilen würden kleinere geliehene Geldbeträge vonseiten der Betrüger anfangs sogar immer wieder zurückerstattet. So erschlichen sie sich das Vertrauen ihrer Opfer. Bis die Geldbeträge größer werden – und die Betrugsfalle endgültig zuschnappt. Oder, im positiven Fall, die Betroffenen dem Betrüger den Geldhahn zudrehen.

Die Polizei sagt: Organisierte Banden stecken dahinter und die Dunkelziffer ist sehr hoch

Dem Betrüger oder besser gesagt: den Betrügern. Denn meist stecken laut Polizei organisierte kriminelle Banden, die in Callcentern sitzen (Stichwort „Callcenter-Betrug“) hinter den Verbrechen. „Wir vermuten eine hohe Dunkelziffer“, betont Maucher. In dem Zusammenhang kommt er auf das Thema Scham zurück. „Oft zeigen die Opfer die Taten einfach nicht an.“ Leider sei die Dunkelziffer wohl ähnlich hoch wie bei Diebstählen von Schwarzgeld. „Ich hoffe, dass Opfer durch solche Berichte aufgerüttelt werden. Sie dürfen sich nicht scheuen, Anzeige zu erstatten.“

Übrigens: 2020 verzeichnete das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West etwa 50 „Love Scamming“–Ermittlungen, 2021 sind es bis jetzt etwa 25. Seit Januar erbeuteten die Täter so bislang etwa 250 000 Euro.

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