Prozess

Angeklagter zu Übergriffen in Ostallgäuer Seniorenheim: "Ich weiß nicht, was ich damals getan habe"

Ein 57-jähriger Mann soll eine Seniorenheimbewohnerin im Ostallgäu gegen ihren Willen unsittlich berührt haben. Vor Gericht wirkt der Mann nun aber völlig verwirrt.

Ein 57-jähriger Mann soll eine Seniorenheimbewohnerin im Ostallgäu gegen ihren Willen unsittlich berührt haben. Vor Gericht wirkt der Mann nun aber völlig verwirrt.

Bild: David-Wolfgang Ebener, dpa (Symbolbild)

Ein 57-jähriger Mann soll eine Seniorenheimbewohnerin im Ostallgäu gegen ihren Willen unsittlich berührt haben. Vor Gericht wirkt der Mann nun aber völlig verwirrt.

Bild: David-Wolfgang Ebener, dpa (Symbolbild)

Ein 57-jähriger Mann soll eine Seniorin in einem Heim im Ostallgäu an den Brüsten und im Intimbereich berührt haben. Warum nun ein Gutachten angefordert wird.
04.01.2021 | Stand: 16:03 Uhr

Eigentlich standen die Zeichen für ihn gut. Doch durch sein Verhalten vor Gericht hat sich ein 57-jähriger Mann seine Chancen verbaut, dass seine Berufung vor dem Landgericht Kempten für ihn gut ausgeht. Im erstinstanzlichen Urteil war er für schuldig befunden worden, eine 84-Jährige in einem Pflegeheim im Ostallgäu gegen ihren Willen an den Brüsten und im Intimbereich berührt zu haben. Einer 91-jährigen Frau soll er zudem in den Rücken getreten haben. Einem schnellen Ergebnis seiner Berufung gegen 15 Monate Haft stand er nun aber selbst im Weg – womöglich, ohne etwas dafür zu können.

Er trägt keine Socken und nimmt die Kapuze nicht ab

Zu den Vorfällen soll es im Juni vergangenen Jahres in dem Pflegeheim im Ostallgäu gekommen sein. Der heute 57-Jährige war damals selbst dort untergebracht, fuhr mit einem Rollstuhl. Im Kemptener Gerichtssaal humpelte der Mann, der angab, bisher obdachlos auf Bahnhöfen ihm unbekannter Städte gelebt zu haben. In seinen Kunststoff-Sandalen trug er keine Socken, die Kapuze seines militärgrünen Mantels nahm er bei der gesamten Verhandlung nicht ab.

War das erste Urteil zu hart?

Zu Beginn sagte Vorsitzender Richter Bernhard Menzel: Das erstinstanzliche Urteil sehe die Strafkammer als „recht hart“ an. Es könne auf Bewährung ausgesetzt werden, falls der Angeklagte gestehe. Es handle sich nicht um einen „enorm schwerwiegenden sexuellen Übergriff“, der womöglich nur einen provokativen Hintergrund hatte. Sein Mandant räume die Vorwürfe ein, sagte der Verteidiger. Auf die Frage des Richters, ob das stimme, sagte der Angeklagte laut Übersetzer aber: „Ich weiß nicht, was ich damals getan habe.“ Selbst, als der Richter nachhakt – „Meinen Sie, sie haben es gemacht, wissen aber nicht mehr, warum?“ – blieb er dabei: „Ich habe erst in der Haft davon erfahren.“

Daraufhin versuchte es der Verteidiger. Er fragte den Übersetzer: „Weiß er noch, was wir eben draußen besprochen haben?“ Ja, übersetzte dieser. Der Angeklagte akzeptiere, was auch immer sein Rechtsanwalt sage. Die weiteren Antworten ließen den Vorsitzenden Richter aufseufzen. „Können Sie sich erinnern, dass Sie vorhin mit Ihrem Verteidiger gesprochen haben?“ – „Ja, ich hab ihm gesagt, er kann in der Verhandlung machen, was er am besten findet“, übersetzte der Dolmetscher.

Warum der Richter an der Verhandlungsfähigkeit zweifelt

Im weiteren Verlauf sagte der Übersetzer immer wieder: Der Angeklagte bitte ihn, das zu antworten, was am besten sei. Zwischenzeitlich schüttelte der Verteidiger seinen Kopf und blickte zur Decke. „Er konterkariert Ihre Bemühungen“, sagte der Vorsitzende dem Verteidiger. Nach einer Pause und einer Besprechung mit seinem Mandanten sagte der Rechtsanwalt dann: „Ich kann mit keiner seiner Antworten etwas anfangen.“

Jetzt muss der Mann erst mal wieder in U-Haft

„Das ist jetzt schlecht. Wirklich schlecht“, stellte Richter Menzel schließlich fest. „Ich fange an, an seiner Verhandlungsfähigkeit zu zweifeln.“ Er halte es aber auch für möglich, dass der Angeklagte schlichtweg „renitent“ sei. „Wir brauchen ein Gutachten; das Ganze ist völlig absurd.“ Bis zum nächsten Termin Ende Januar muss der Angeklagte wieder in Untersuchungshaft.