Prozess wegen Drogen und Diebstahl

Mann schmiert in Arrestzelle mit seinem Blut ein Hakenkreuz

Wegen diverser Straftaten stand ein Paar aus dem Ostallgäu zum wiederholten Mal vor Gericht.

Wegen diverser Straftaten stand ein Paar aus dem Ostallgäu zum wiederholten Mal vor Gericht.

Bild: Volker Hartmann, dpa (Symbolbild)

Wegen diverser Straftaten stand ein Paar aus dem Ostallgäu zum wiederholten Mal vor Gericht.

Bild: Volker Hartmann, dpa (Symbolbild)

21-Jähriger aus dem Raum Marktoberdorf und seine Verlobte zum wiederholten Mal wegen Straftaten vor Gericht. Warum das Paar eine allerletzte Chance bekommt.
10.06.2021 | Stand: 11:41 Uhr

Es war nicht das erste Mal, dass sich ein 21-Jähriger aus dem Raum Marktoberdorf wegen Straftaten vor dem Kaufbeurer Amtsgericht verantworten musste. Zuletzt war er 2019 zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden, weil er gemeinsam mit seiner 32-jährigen Verlobten Spendendosen und Kaffeekassen in Geschäften und Arztpraxen hatte mitgehen lassen. Das Paar hatte damals aus Geldnot gehandelt und war 2020 trotz guter Vorsätze erneut mit einem Ladendiebstahl und Straftaten aufgefallen. Dass jetzt beide Angeklagten noch einmal eine Chance erhielten und zu sechs und acht Monaten auf Bewährung verurteilt wurden, lag daran, dass ihr bislang unstrukturiertes Leben seit Jahresbeginn eine Wende zum Besseren genommen hat.

Kind des Paares lebt bei Großeltern

Das Paar lebt inzwischen in einer sozialen Einrichtung, in der es auf die Bewältigung des Alltags und eine Wiedereingliederung ins Berufsleben vorbereitet wird. Wie beide vor Gericht versicherten, wollen sie diese Chance nutzen, auch um künftig wieder für ihr Kind sorgen zu können, das seit einiger Zeit bei den Großeltern lebt. Auf die Richterin machten die Angeklagten einen „geläuterten“ Eindruck und auch die Staatsanwältin stellte in ihrem Plädoyer die positiven Veränderungen ausdrücklich in Rechnung.

Verlobte macht falsche Angaben

An den Straftaten, die den Angeklagten zur Last gelegt wurden, gab es allerdings nichts zu rütteln. Dies galt insbesondere für den Vorwurf der uneidlichen Falschaussage gegen die 32-Jährige. Sie hatte vergangenes Jahr in einem Körperverletzungsprozess gegen ihren Partner versucht, diesen mit einer entlastenden Aussage herauszupauken. Dass ihre Angaben falsch waren, daran hatten weder der damalige Richter noch seine Kollegin im aktuellen Prozess Zweifel.

Das Geld reichte nicht für Lebensmittel

Die Vorsitzende war außerdem davon überzeugt, dass eine Kleinstmenge Amphetamin, die im November 2020 in der Wohnung des Paares aufgefunden worden war, dem Angeklagten gehört hatte - auch wenn dieser die Schuld auf eine dritte Person schob, deren Namen er nicht nennen wollte. Nach der Durchsuchung kratzte sich der Mann in der Arrestzelle der Polizei den Arm auf und schmierte mit seinem Blut Beleidigungen gegen Polizisten und ein Hakenkreuz auf einen Matratzenbezug. Einen Monat später stahl er gemeinsam mit seiner Verlobten Lebensmittel bei einem Discounter, weil das Geld nicht mehr fürs Essen reichte. Wie desolat die Lebensumstände und insbesondere der Zustand der Wohnung des Paares zum damaligen Zeitpunkt waren, ging aus Polizeifotos von der Durchsuchung hervor.

Angeklagte bekommen Bewährungsstrafen

Der 21-Jährige wurde jetzt des Diebstahls und der Beleidigung sowie des unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln schuldig gesprochen und zu acht Monaten auf Bewährung verurteilt. Er muss an einer Suchtberatung teilnehmen und dem Gericht seine Drogenabstinenz durch Tests nachweisen. Seine Verlobte erhielt eine sechsmonatige Bewährungsstrafe und eine Arbeitsauflage von 60 Sozialstunden wegen Diebstahls und uneidlicher Falschaussage. Beide Urteile sind rechtskräftig.

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