Kunst in Marktoberdorf

Marktoberdorfer schafft Sensationen von Licht und Farbe

Ernst Waldner

Ernst Waldner in seinem Marktoberdorfer Atelier.

Bild: Gabriele Schroth

Ernst Waldner in seinem Marktoberdorfer Atelier.

Bild: Gabriele Schroth

Der Künstler Ernst Waldner stellt derzeit eine Auswahl seiner Werke in der Schweiz aus. Einblicke in seine Arbeit im Atelier in Marktoberdorf.
##alternative##
Von Gabriele Schroth
03.06.2021 | Stand: 04:30 Uhr

Noch bis zum 20. Juni bietet das Kunsthaus Zofingen in der nördlichen Schweiz in der Gruppenausstellung „Horizonte“ Gelegenheit, Landschaftsbilder und Zeichnungen des in Marktoberdorf tätigen Ernst Waldner in Augenschein zu nehmen. In einem eigens grau gestrichenen Saal zeigt die von Claudia Waldner, der Tochter des Künstlers kuratierte Schau südtiroler Arbeiten des 1949 aus Meran gebürtigen Malers sowie großformatige Winterbilder mit verschwimmendem Horizont, die in Waldners Freiluftatelier am südlichen Auerberg entstanden.

Feinste Lasuren und unzählige Farbschichten

Kunstliebhaber begegnen in diesen monochromen Bleistiftzeichnungen und Gemälden wieder den sinnlichen Sensationen von Licht, Luft und Farbe. In feinsten Lasuren und unzähligen Malschichten entwickelt der Künstler mit Farbe und Gegenfarbe flirrende Tönungen von betörender Lichthaltigkeit. Waldner sieht sich nicht als impressionistischer oder abstrakter Maler, für ihn zählt immer das konkrete „Seherlebnis“. Mit Erfahrung, Gefühl und Geometrie erschafft er daraus abstrahierend das Bild.

Um solche Kunst zu erlernen, ließ er sich am Graphik-Institut in Wien ausbilden und wurde Meisterschüler von Rudi Tröger an der Kunstakademie München. Auch die „Alten Meister“ hat er stets zu Rate gezogen, Rembrandt und Tizian kopiert, sogar Dürers Körperstudien-Opus von 1528 nachgezeichnet , um ihrem Wissen auf die Spur zu kommen. Im Marktoberdorfer Atelier mit Tischen voller Pinselschalen und Farbdosen mischt der Maler auf grauer Glasplatte mit dem Spachtel seine lichten Farbtöne.

Zinnoberrot und grüne Erde

Es sind Mineral- und Erdfarben, die er gern in der traditionell durchscheinenden Eitempera-Technik anrührt: Zinnoberrot, gebrannte Umbra, Veroneser grüne Erde, Zinkweiß und auch das giftige Neapelgelb. Mit langem Pinsel tritt er an die Staffelei und setzt auf das blass schimmernde Gartenbild zart verwischte Farbpunkte. Es ist jener faszinierende schöpferische Moment des Malens. Öffentlichkeit irritiert Ernst Waldner dabei nicht unbedingt, hatte er doch schon auf dem Pincio-Hügel in Rom seine Staffelei aufgestellt und neugierige Blicke auf sich gezogen.

Nach wie vor ist der Künstler mit seinem Skizzenbuch in der Natur unterwegs. Aus der Erinnerung entstehen dann im Atelier die zauberhaft hingetupften Garten- und Blumenstudien. Heute sitzt er viel unter dem Atelierdach an seinem Arbeitstisch und zeichnet und studiert. Vor ihm hängt Veroneses Kopf eines Jungen, den er in der Brukenthal-Sammlung in Hermannstadt (Rumänien) entdeckt hat. Die lebendige Kunst des Venezianers beschäftigt ihn gerade und immer auch die menschliche Figur.

Lesen Sie auch
##alternative##
Künstlerhaus Marktoberdorf

Autos in einer Kunstausstellung: Ganz schön abgefahren

Lesen Sie auch: So klingen Religionen: Musica Sacra in Marktoberdorf überzeugt auch im Livestream