„Rollenwechsel“ in der Theaterschule Mobilé

Marktoberdorfer Kulturikone Monika Schubert übergibt ihr Mobilé an Lucia Golda

Rollenwechsel

Mit Whitney Houstons „One Moment in Time“ endete die Feier der Übergabe der Marktoberdorfer Theaterschule Mobilé an Lucia Golda. Viele treue Wegbegleiter von Monika Schubert (mit rotem Schal) haben sich auf der Bühne um sie versammelt, um die Übergabe vor Publikum zu zelebrieren.

Bild: Fotos: Alfred Michel

Mit Whitney Houstons „One Moment in Time“ endete die Feier der Übergabe der Marktoberdorfer Theaterschule Mobilé an Lucia Golda. Viele treue Wegbegleiter von Monika Schubert (mit rotem Schal) haben sich auf der Bühne um sie versammelt, um die Übergabe vor Publikum zu zelebrieren.

Bild: Fotos: Alfred Michel

Nach 38 Jahren übergibt Mobilé-Gründerin Moni Schubert an ihre Nachfolgerin Lucia Golda. Wie eine emotionale Feier mit geladenen Gästen Gemeinschaft zelebriert.
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Von Cornelia Tauber
28.07.2021 | Stand: 04:30 Uhr

Mit einer schwungvollen, revueartigen Bühnendarbietung erlebten die geladenen Gäste in der Marktoberdorfer Filmburg eine bewegende Feier voller humoristischer Rück- und Ausblicke auf das gesamte Mobile-Spektrum: Theaterspiel, Malkunst, Musik, Tanz. Gleich zu Beginn rezitieren im Saal verteilte „Vögel“ in beeindruckender Artikulation aus Aristophanes’ gleichnamiger antiken Komödie.

Golda nimmt Schubert die Theater-Mappe aus der Hand und überreicht ihr den Kino-Ordner

Mit scheinbarem Sprechdurcheinander auf der Bühne deuten aktive Theaterspieler aus dem Mobilé-Ensemble mögliche Probensituationen an – und mittendrin Monika Schubert, die mit großer Mappe in der Hand eine offensichtlich lange „to do“-Liste für eine bevorstehende Aufführung abarbeiten muss, während Lucia Golda zeitgleich über künftige Filmideen für das Kinoprogramm der Filmburg sinniert – doch dann: Rollenwechsel. Mit behutsamem Nachdruck nimmt Lucia Golda der bisherigen Mobilé-Chefin die Mappe aus der Hand und reicht ihr im Tausch den Kinoordner; ein herrlich erfrischendes Bild für den nun vollzogenen Rollenwechsel.

Sie gab ihre sichere Lehrerstelle auf, um eine eigene Theaterschule in Marktoberdorf zu gründen

In höchst amüsanter Weise plauderte Monika Schubert von ihren allerersten Kinobesuchen in Kindertagen, wohnte sie doch damals gleich neben dem Kino (heute: Restaurant „Namaste“). Und so wird sie als „Kinochefin“ der Filmburg treu bleiben und sich weiterhin um besondere Filme kümmern. Die Freude am Kino ließ sie seit damals ebenso wenig los wie der Drang, ihr Wissen vom Bewegungstheater zur darstellenden Theaterspielkunst beständig zu professionalisieren bis hin zum Mut, die sichere Stelle an der Realschule Marktoberdorf aufzugeben und eine eigene Theaterschule zu gründen. „Die allerersten handgeschriebenen Werbezettel und Plakate hatten gleich 80 Anmeldungen zur Folge – der Anfang war geschafft!“

Heute ist das Mobilé aus dem Allgäuer Kulturleben nicht mehr wegzudenken

Heute ist das Mobilé – 2006 nach dem Gebäudeabriss an der Bahnhofstraße durch Schuberts Privatinitiative aus einem Supermarkt in der Meichelbeckstraße umgebaut – nicht mehr wegzudenken. Das unterstrich der Marktoberdorfer Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell in seinen persönlichen Dankesworten mit Nachdruck und sicherte auch der neuen Mobilé-Chefin Golda die unterstützende Zusammenarbeit zu. So wird die Stadt in nächster Zeit das Mobilé mit einer Inszenierung beauftragen, die dann im Modeon zur Aufführung kommen wird.

Feierliche Schlüsselübergabe: Lucia Golda (rechts) übernimmt das Mobilé von Monika Schubert.
Feierliche Schlüsselübergabe: Lucia Golda (rechts) übernimmt das Mobilé von Monika Schubert.
Bild: Alfred Michel

Unzählige Kinder und Jugendliche konnten im Mobilé unter theaterpädagogischer Anleitung über sich hinauswachsen, Talent und Stärke entwickeln. Dies bestätigten auch die Schulleiter der Don-Bosco-Schule (Heiner Tischer), der Mittelschule (Stefan Schweidler, Simone Zierl) und der Berufsschule (Ulrike Devries) in kurzweiligen, als Schülerrolle getarnten „Dankesreferaten“ mit herzlichen Worten.

Ein rasanter filmischer Überblick über 38 Jahre Mobilé in Marktoberdorf

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Unter den angenehm-groovenden Jazzklängen Harald Rüschenbaums (Schlagzeug), Hennig Sieverts (Kontrabass) und Maruan Sakas (Piano), die immer wieder Darbietungen musikalisch untermalten, gab es filmisch einen rasanten Überblick über 38 Jahre Mobilé:

  • all die nationalen und internationalen Jazzgrößen, die im mobile schon ihr Stelldichein gaben und zusammen mit Rüschenbaum das Haus „rockten“;
  • Kunstausstellungen mit den Ergebnissen der Malschule;
  • Fotoerinnerungen mit Darstellern aus früheren Jahren und
  • Eindrücke von den inzwischen schon zur Tradition gewordenen Hoffesten, bei denen die verschiedenen Tanzgruppen mitwirkten.

So durfte auch bei dieser Matinee eine Tanzeinlage nicht fehlen: Stefan Sauter zeigte mit seiner hochmotivierten HipHop-Schar unterschiedlichen Alters eine fulminante rhythmische Performance, die von den Gästen mit langanhaltendem Applaus belohnt wurde.

Golda erhält von Schubert Streichhölzer für "Zündende Ideen"

Nachdem Monika Schubert sich bei allen Freunden, Sponsoren und Wegbegleitern bedankt hatte, übergab sie Lucia Golda die „Insignien“ für die Mobilé-Leitung: Streichhölzer für „Zündende Ideen“ und das Schlüsselkästchen für viele „Schlüsselerlebnisse“. Klaus Philipp, Mobilé-Schüler früher Jahren und jetzt Schauspieler am LandestheaterSchwaben, schwor beide Frauen unter den wachsamen Augen des Publikums auf ihre neue Aufgabe ein.

Die neue Chefin verspricht, Monika Schuberts Vermächtnis der Vielfalt zielstrebig fortzuführen

In ihrer emotionalen Antrittsrede, die sie stilgemäß von einer Schriftrolle vorlas, versprach Lucia Golda, das Vermächtnis der Vielfalt in der kulturellen Arbeit zielstrebig fortzuführen, allen interessierten Menschen die Mobilé-Tür stets offen zu halten, im Team neue kreative Ideen zu entwickeln und Kindern und Jugendlichen Selbstwert zu vermitteln, so wie sie es selbst einst als Mobilé-Anfängerin erfahren durfte. Mit einem bewegenden Schlusschor aller Beteiligter und einer Einladung zu Weißwurst und Quiche endete dieser eindrucksvolle „Rollenwechsel“.

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