Umdenken in Verkehrspolitik gefordert

Marktoberdorfer Radler organisieren Demo für sicheres Fahrradfahren

Fahrradfahren für Kinder soll in Marktoberdorf sicherer werden. Darauf will die Aktion Kidical Mass aufmerksam machen.

Fahrradfahren für Kinder soll in Marktoberdorf sicherer werden. Darauf will die Aktion Kidical Mass aufmerksam machen.

Bild: Ralf Hirschberger/dpa (Symbolbild)

Fahrradfahren für Kinder soll in Marktoberdorf sicherer werden. Darauf will die Aktion Kidical Mass aufmerksam machen.

Bild: Ralf Hirschberger/dpa (Symbolbild)

Marktoberdorf nimmt am Sonntag an der Fahrradaktion Kidical Mass teil. Die Veranstalter fordern mehr Sicherheit für radelnde Kinder. Wo es aktuell noch hakt.

16.09.2020 | Stand: 18:24 Uhr

Die Stadt Marktoberdorf soll sicherer für fahrradfahrende Kinder werden. Das fordert das lokale Team der Fahrradaktion Kidical Mass. Aus diesem Grund findet am Sonntag eine Fahrraddemonstration in Marktoberdorf statt, die ein Umdenken in der Verkehrspolitik auslösen soll. Marktoberdorf ist damit Teil einer Aktion, die in über hundert Städten in Deutschland und darüber hinaus veranstaltet wird.

„Eine fahrradfreundliche Stadt ist auch eine kinderfreundliche Stadt“, sagt Birgit Glas aus Marktoberdorf, die gemeinsam mit dem Bündnis „Nachhaltiges Marktoberdorf“ die Aktion in der Stadt organisiert. Bewegungsfreiheit und Fahrradfahren haben in Coronazeiten eine höhere Bedeutung bekommen. Daher sei es umso wichtiger geworden, sich sicher und selbstständig mit dem Fahrrad in der Stadt bewegen zu können.

Straßenplanung aus Sicht der Fahrradfahrer

„Das betrifft insbesondere Menschen, die das Fahrrad als Hauptverkehrsmittel nutzen“, sagt Glas. Deshalb stehen vor allem Kinder, aber auch Ältere und Menschen mit Handicap im Fokus. Damit diese sich sicher mit dem Rad in der Stadt bewegen können, brauche es ein lückenloses und zusammenhängendes Radwegnetz. „Bei künftigen Straßenbaumaßnahmen sollte nicht nur aus Sicht der Autofahrer gedacht werden“, sagt die 44-Jährige. Die Perspektive der Radfahrer sollte mehr in die Planung mit einbezogen werden, damit der vorhandene Platz auf den Straßen fair zwischen allen Verkehrsteilnehmern aufgeteilt werden könne.

Aktuell gleiche das Radwegsystem der Stadt eher einem Flickenteppich als einem Netz. Eine gefährliche Stelle in Marktoberdorf ist laut Birgit Glas zum Beispiel die AOK-Kreuzung. Dort ende der Radweg und beginne erst wieder an der Johanneskirche. „Radler müssen irgendwie schauen, wie sie wieder zum Radweg kommen.“ Dabei steige natürlich keiner ab und schiebe das Fahrrad. Die meisten fahren auf der Straße weiter. Auch in der Eberle-Kögl-Straße gebe es eine kritische und unübersichtliche Stelle. Zudem sei der Fußweg an der Musikschule zu schmal für Kinder mit Fahrrädern. „Doch gerade Gebiete um Kindertagesstätten, Schulen und Sportstätten müssen für Kinder sicher und selbstständig zu nutzen sein.“

Bei der Kidical Mass stehen die Kinder im Vordergrund

Die Aktion Kidical Mass ist ein Ableger der Critical Mass, die ebenfalls auf Fahrradfahrer als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer aufmerksam macht. Während es bei der Critical Mass um alle Radfahrer im Straßenverkehr geht, stehen bei der Kidical Mass Kinder und Jugendliche im Vordergrund.

Der 20. September wurde daher bewusst ausgewählt: An diesem Tag ist der Weltkindertag. Dadurch wurde Birgit Glas selbst auf das Projekt aufmerksam. „Die Aktion ist mir in diesem Zusammenhang im Internet begegnet.“ Daraufhin habe sie Miriam Pfanzelt vom Bündnis „Nachhaltiges Marktoberdorf“ angesprochen. „In Marktoberdorf gibt es viele begeisterte Radler, wie wir beim Stadtradeln erlebt haben“, sagt Glas. „Ich dachte, dass die Kidical Mass eine tolle Sache für unsere Stadt wäre.“ Bei der Kidical Mass gebe es keine Dachorganisation oder besondere Voraussetzung für eine Teilnahme. Jede Stadt könne mitmachen. Durch eine Anmeldung per Mail werde die Stadt eingetragen. Anschließend müssen nur noch Plakate gedruckt und auf die Aktion aufmerksam gemacht werden.

Das Fahrrad statt dem Auto nehmen

Neben dem sicheren Fahrradfahren für Kinder sind auch die Mobilitätswende und der Klimaschutz zentrale Forderungen der Kidical Mass. „Das Rad sollte auch von Erwachsenen mehr in die Alltagsmobilität einbezogen werden, zusätzlich zu Sport und Freizeit“, sagt Glas. Jeder, der statt dem Auto das Fahrrad nehme, entlaste die Stadt, brauche weniger Parkfläche. Damit aber mehr Menschen Strecken in der Stadt mit dem Fahrrad zurücklegen, müsse es attraktive, direkte und schnelle Radwege geben.

Start- und Endpunkt der Fahrraddemonstration am Sonntag ist der Marktplatz. Von der Polizei begleitet führt die Tour durch die ganze Stadt und an den Stellen vorbei, die vom Kidical-Mass-Team als gefährlich bewertet werden. Das Tempo richte sich nach dem Langsamsten. Daher sei die Tour auch für kleine Kinder und Senioren geeignet. „Alle die Lust haben, sollen einfach mitradeln“, sagt Birgit Glas. Sie und das Organisationsteam möchten im Anschluss an die Stadttour mit den Teilnehmern ins Gespräch kommen. „Uns interessiert, was die Menschen sich wünschen, um öfter Kurzstrecken mit dem Rad zurückzulegen.“

Demo auch in Memmingen

Auch in Memmingen organisiert der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) eine Demonstration am Samstag. Die Aktion steht unter dem Motto „Platz da für die nächste Generation!“