Corona-Notbremse an Schulen

Marktoberdorfer Rektor ist froh, dass Schulen wieder schließen müssen - und nennt Gründe

Stefan Schweidler, der Schulleiter der Mittelschule in Marktoberdorf, ist froh, dass die Schulen im Ostallgäu nach nur einer Woche wieder schließen müssen.

Stefan Schweidler, der Schulleiter der Mittelschule in Marktoberdorf, ist froh, dass die Schulen im Ostallgäu nach nur einer Woche wieder schließen müssen.

Bild: Heiko Wolf (Archivbild)

Stefan Schweidler, der Schulleiter der Mittelschule in Marktoberdorf, ist froh, dass die Schulen im Ostallgäu nach nur einer Woche wieder schließen müssen.

Bild: Heiko Wolf (Archivbild)

Nach einer Woche sind die Schulen im Ostallgäu wieder zu. Das ist besser so, sagt Schulleiter Stefan Schweidler aus Marktoberdorf. Ein Interview.
21.03.2021 | Stand: 19:50 Uhr

Immer wieder neue Corona-Regeln, unübersichtliche Informationsschreiben und die Masse an Informationen überfordern viele Eltern. Diesen Eindruck hat Stefan Schweidler, Leiter der Mittelschule in Marktoberdorf (Ostallgäu). Auffallend viele Eltern riefen in der vergangenen Woche im Sekretariat der Mittelschule an und fragten um Rat. Im Gespräch mit unserer Redaktion erklärt Schweidler, warum die Eltern so verunsichert sind und was er sich vom Bayerischen Kultusministerium wünschen würde.

Herr Schweidler, ist es gut, dass die Schulen wieder schließen müssen?

Stefan Schweidler: Ja, aus Schulleitersicht definitiv. Ich bin froh. Diese Woche war wieder einmal eine große Herausforderung. Meiner Meinung nach hätte man die Schulen zu diesem Zeitpunkt noch nicht aufmachen dürfen. Denn es war klar, dass der Inzidenzwert wieder steigt.

Wie lief denn die vergangene Schulwoche an der Mittelschule in Marktoberdorf?

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Schweidler: Ich ziehe trotz der unübersichtlichen Lage ein positives Fazit aus der Woche. Wir können in allen Klassenzimmern den Mindestabstand einhalten und so hatten alle Schüler von der fünften bis zur zehnten Klasse Präsenzunterricht. Das ist ein positives Signal, denn es zeigt, dass die Schule trotzdem funktionieren kann. Aber jetzt bekommen die Schulen die Quittung für die Flut an Regelungen. Wir wurden diese Woche mit Anrufen von unsicheren Eltern quasi überrollt.

Mittelschule Marktoberdorf: Die Kommunikation mit den Eltern scheitert

Warum haben so viele Mütter und Väter bei Ihnen angerufen?

Schweidler: Irgendwo scheitert die Kommunikation. Sehr auffällig war, dass viele Eltern Fragen hatten, mit welchen Krankheitssymptomen ihr Kind zu Hause bleiben muss. Jede unserer zwei Sekretärinnen sowie ein Praktikant hatte 20 bis 30 Anrufe diese Woche. Und das obwohl wir schon mehrmals Elternbriefe verschickt haben, bei welchen Symptomen Kinder zu Hause bleiben müssen: Fieber, Husten, Kurzatmigkeit, Geruchs- und Geschmacksverlust, Hals- und Ohrenschmerzen, Gliederschmerzen, Erbrechen und Durchfall. Aber die Informationsflut kommt nicht mehr an.

Wie meinen Sie das?

Schweidler: Die Eltern werden so mit Informationen überladen, dass sie nichts mehr aufnehmen können. Zeitungsartikel, Nachrichten und Briefe von der Schule häufen sich. Ich versuche schon, die Änderungen in knappen Elternbriefen zu bündeln, aber das klappt oft nicht. Ein Beispiel ist das Schreiben zum Umgang mit Krankheitssymptomen: Die Liste mit den Anzeichen für eine Corona-Infektion wurde vom Kultusministerium mit zu vielen Neuerungen ergänzt. Die Eltern verlieren den Überblick und rufen lieber bei uns an, um nachzufragen. Gleiches gilt für die Einverständniserklärungen für die Schnelltests.

Rektor Stefan Schweidler: "Das Dokument ist eine Zumutung"

Das müssen Sie genauer erklären.

Schweidler: Für die Schnelltests an der Schule müssen Eltern im Vorfeld Einverständniserklärungen unterschreiben. Am 16. März haben wir das offizielle Dokument zum Unterschreiben vom Bayerischen Kultusministerium bekommen. Ich habe dann gleich knapp 580 Kopien für alle Schüler gemacht und verteilt. Aber das Dokument ist eine Zumutung: Ein vierseitiges Schreiben. Verklausuliert und mit Paragraphen zum Datenschutz. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das irgendjemand genau durchliest und exakt versteht.

Könnten Sie die Texte vom Kultusministerium nicht zusammenfassen und lesefreundlicher machen?

Schweidler: Die Schulleitung ist verantwortlich für den Inhalt, den sie an die Schüler und Eltern weitergibt. Deswegen bin ich an die Texte und Formulierungen gebunden, die Fachleute geschrieben haben.

Wie sieht es denn in Sachen Schnelltests an ihrer Schule aus?

Schweidler: Seit der Ministerpräsidentenkonferenz vom 4. März sind die Schnelltests an Schulen im Gespräch. Am Donnerstag haben wir Tests für das Personal bekommen. Wann die für unsere Schüler kommen, ist völlig unklar.

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Schulleiter Schweidler: Schnelltests wären eine Erleichterung

Was halten Sie von den Schnelltests?

Schweidler: Die Schnelltests sind super, ich bin ein absoluter Befürworter. Denn es wäre eine große Erleichterung für uns und die Eltern, wenn wir Schüler mit einer diffusen Symptomatik einfach testen könnten. Aber mein Appell verpufft, wenn die Information gar nicht mehr bei den Eltern ankommt.

Was würden Sie sich vom Bayerischen Kultusministerium wünschen, wenn die Schulen wieder öffnen dürfen?

Schweidler: Wir brauchen rechtzeitige, klare und einfache Informationen für die gesamte Schulfamilie. Eine Vereinheitlichung der Regeln wäre auch schön. Denn jetzt legt jede Schule die Bestimmungen subjektiv aus und die Verantwortung liegt bei den Schulleitern.