Forstbetriebsgemeinschaften Marktoberdorf und Füssen

Mit diesen Maßnahmen soll das Gleichgewicht zwischen Wild und Wald hergestellt werden

23.10.2018, Baden-Württemberg, Ellwangen An Der Rot: Zwei Rehe stehen in einem Gehege. Die verwaisten Kitze wurden von Jägern mit einer Drohne in einer Wiese aufgespürt und anschließend von Hand aufgezogen. (zu dpa "Rehkitze retten, Wildschweine scheuchen - Jäger setzen Drohnen ein" vom 27.10.2018) Foto: Stefan Puchner/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

23.10.2018, Baden-Württemberg, Ellwangen An Der Rot: Zwei Rehe stehen in einem Gehege. Die verwaisten Kitze wurden von Jägern mit einer Drohne in einer Wiese aufgespürt und anschließend von Hand aufgezogen. (zu dpa "Rehkitze retten, Wildschweine scheuchen - Jäger setzen Drohnen ein" vom 27.10.2018) Foto: Stefan Puchner/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Bild: Stefan Puchner, dpa (Symbolfoto)

23.10.2018, Baden-Württemberg, Ellwangen An Der Rot: Zwei Rehe stehen in einem Gehege. Die verwaisten Kitze wurden von Jägern mit einer Drohne in einer Wiese aufgespürt und anschließend von Hand aufgezogen. (zu dpa "Rehkitze retten, Wildschweine scheuchen - Jäger setzen Drohnen ein" vom 27.10.2018) Foto: Stefan Puchner/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

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Die Forstbetriebsgemeinschaften Marktoberdorf und Füssen bieten einen Jagdkurs an. Die Idee: Grundstückseigentümer sollen ihr Gebiet selbst bewirtschaften.
27.08.2021 | Stand: 04:00 Uhr

Wald und Jagd Hand in Hand – aber nicht durch die Verpachtung der Fläche an eine Jägerin oder einen Jäger, sondern durch eigene Jäger aus den Reihen der Jagdgenossenschaft. Dies ist eine Idee der Forstbetriebsgemeinschaften (FBG) Marktoberdorf und Füssen. Deshalb bietet sie zum vierten Mal einen Jagdkurs an. Ziel ist es, Interessierte zur aktiven Jagdausübung zu motivieren. Zugleich soll Jagdvorständen geeignetes Handwerkszeug für ihre Arbeit zur Verfügung gestellt werden.

„Im Zuge des Klimawandels stehen unsere Wälder oder besser gesagt die Bewirtschafter von Wäldern vor immer größeren Herausforderungen“, sagt Moritz Janzen von der FBG Marktoberdorf. Schwere Stürme, anhaltende Trockenheit, Borkenkäferbefall und das Anpflanzen auf Freiflächen stünden mittlerweile fest auf der Tagesordnung. „Ein aktiver Waldumbau ist vor diesem Hintergrund zwingend notwendig und unumgänglich. Teure Zäunungen und andere Schutzmaßnahmen aus Plastik können in Zukunft nicht mehr die alleinige Lösung sein.“

Gleichgewicht zwischen Wald und Wild muss stimmen

Das Jagdrecht, erklärt Janzen, liegt beim Grundstückseigentümer und bündelt sich in der Jagdgenossenschaft. Sie verpachtet das Jagdausübungsrecht meist an Jäger. Eine Alternative kann die sogenannte Eigenbewirtschaftung sein. Das bedeute: Die Jagdgenossenschaft verpachtet die Jagd nicht langfristig, sondern organisiert die Jagdausübung durch eigene Jäger auf ihrem eigenen Grund und Boden. Der Vorteil liegt laut Janzen auf der Hand: Sollte das natürliche Gleichgewicht zwischen Wald und Wild nicht stimmen, könne die Jagdgenossenschaft direkt und vor allem kurzfristig eingreifen.

Nur auf den ersten Blick sei das mit einem Nachteil verbunden: dem Verlust der Jagdpacht. Sie stellt natürlich eine wichtige Einnahme in der Gemeinschaftskasse dar. Was oft nicht berücksichtigt werde, sagt Janzen, seien die Kosten, welche durch künstliche Anpflanzungen und Schutzmaßnahmen entstehen. In vielen Fällen wäre genügend Potenzial für eine standortgerechte Naturverjüngung vorhanden. Seine Rechnung: Kann beispielsweise je 100 Hektar Waldfläche auf Pflanzung und Schutz verzichtet werden, ermöglicht das Einsparungen von rund 10 000 Euro pro Jahr. „Dieser Betrag entspricht den Kosten einer Aufforstung von einem Hektar.“

Kurse bei den Forstbetriebsgemeinschaften Marktoberdorf und Füssen

Die FBGs Marktoberdorf und Füssen haben für den neuerlichen Jagdkurs die Jagdschule Hartl an die Seite geholt. Mit ihr werden die Jagdscheinbewerberinnen und -bewerber von Oktober bis März immer mittwochs und an den Wochenenden verschiedene Fachbereiche über das Winterhalbjahr bearbeiten. Die Teilnahme ist im Regelfall ab 18 Jahren, Jugendjagdscheine sind ab 16 Jahre möglich. Der Aufwand zum Erwerb des Jagdscheines liege bei etwa 180 Stunden Theorie und Praxis. Es sei mit Kosten von etwa 2000 Euro zu rechnen, sagt Janzen. Zahlungen werden jedoch erst nach den ersten Abendveranstaltungen fällig, bei denen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sich gegenseitig und das Schulungsteam kennenlernen, alles über Lehrmethode, Schulungsmaterial und Ablauf des Kurses erfahren.

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Den neuen Jägern bietet sich nach erfolgreicher Prüfung die Möglichkeit, durch ihr waidmännisches Handwerk aktiv Einfluss auf Wald und Wild zu nehmen und damit beim Waldumbau in zukunftsfähige Wälder zu helfen. Sie unterstützten Bauern und Landwirte durch die Jagd auf wachsende Schwarzwildbestände. Janzen spricht auch von einer „faszinierenden Welt der Jagd, dem Zusammenspiel von Jagd und Natur“. Außerdem gehe es bei der Jagd und die Erfahrung von Gemeinschaft bei Drück- und Treibjagden, um das selbst gewonnene Wildbret, um Brauchtum und Geselligkeit unter Jägern.

Anmeldungen zur Teilnahme nimmt die Geschäftsstelle der Forstbetriebsgemeinschaft in Marktoberdorf entgegen, Telefon 08342/6405.