Jahresversammlung

Mit Holz für die Zukunft gut aufgestellt? Forstbetriebsgemeinschaft Marktoberdorf zieht Bilanz

Hat Holz als Baustoff eine Zukunft? Diese und viele weitere Fragen kamen bei der Jahresversammlung der Forstbetriebsgemeinschaft Marktoberdorf zur Sprache.

Hat Holz als Baustoff eine Zukunft? Diese und viele weitere Fragen kamen bei der Jahresversammlung der Forstbetriebsgemeinschaft Marktoberdorf zur Sprache.

Bild: Olaf Winkler (Symbolfoto)

Hat Holz als Baustoff eine Zukunft? Diese und viele weitere Fragen kamen bei der Jahresversammlung der Forstbetriebsgemeinschaft Marktoberdorf zur Sprache.

Bild: Olaf Winkler (Symbolfoto)

Bei der Jahresversammlung in Marktoberdorf zeigen Experten das Potenzial des heimischen Roh- und Baustoffes auf. Es gibt jedoch auch Probleme.
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Von Hans Pfefferle
28.04.2022 | Stand: 04:00 Uhr

Weltweit gestörte Lieferketten, Unsicherheit auf dem Energiesektor und Preisanstieg bei den Rohstoffen. Das Bauen mit Holz gewinnt an Dynamik: „Aber Holz brennt, es arbeitet und fault, hat es überhaupt eine Zukunft im Hochbau?“, fragte Architekt Frank Lattke als Gastredner bei der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Marktoberdorf im gut besuchten Modeon-Foyer. Dort fand die Jahresversammlung der FBG statt, bei der Klimawandel, Wildverbiss und die Holzpreise zur Sprache kamen.

Forstbetriebsgemeinschaft Marktoberdorf blickt auf ein erfolgreiches Jahr zurück

Holz ist ein globaler, nachwachsender Rohstoff, der aber im vergangenen Jahr durch Marktverschiebungen mit dem Export in die USA an exorbitantem Preisanstieg litt. Inzwischen gibt es einen regelrechten Run, selbst Hochhäuser werden in dieser Bauweise projektiert. Trotz schwieriger Bedingungen und der gesetzlichen Holzeinschlagsbeschränkung war es für die Forstbetriebsgemeinschaft Marktoberdorf ein erfolgreiches Jahr. Die FBG blickte auch in die Zukunft:

  • Aktionen: Auch 2022 steht einiges auf dem Programm: Am 24. Juni ist ein Frauenwaldtag mit dem Moorkünstler Max Schmelcher geplant. Für Interessierte wird im Juli eine Fahrt zur Interforst nach München angeboten. Der beliebte Familienwaldtag wird am 24. Juli an der Bergmangalpe stattfinden, die FBG wird sich in diesem Jahr wieder mit einem Stand auf der Messe „MIR“ in Marktoberdorf der breiten Öffentlichkeit präsentieren.
  • Nachfrage: Die Geschäftsführer Moritz Janzen und Bastian Horn berichteten von einem Nachfrageanstieg bei Rundholz, die Holzeinschlagsbeschränkung trug zu einer Destabilisierung bei. Der Anfall von Schadholz hielt sich in Grenzen. „Die Holzpreise sind wegen der Energiepreise und des Ukraine-Konflikts derzeit nicht zu kalkulieren, aber gehen Sie in den Wald und machen Holz, der nächste Käfer oder Sturm kommt bestimmt“, sagte Janzen.
  • Wildverbiss: Darüber hinaus spielt auch der Wildverbiss beim Waldumbau im Zeichen des Klimawandels eine sehr wichtige Rolle. Beratungsförster Luitpold Titzler vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) erklärte anhand des forstwirtschaftlichen Gutachtens, dass der Verbiss in den 13 Hegegemeinschaften des Landkreises insgesamt zu hoch ist, und eine Empfehlung an die Jagdgenossenschaften rausgeht, den Abschuss zu erhöhen. Auffallend ist der Leittriebverbiss an Laubbäumen und Tanne, von der statistisch jede zweite geschädigt ist. Der Laubholzanteil bei Pflanzenbestellungen für die Verjüngung beträgt inzwischen 68 Prozent, sagte Forstingeneur Stefan Meichelböck: „Der Umfang der Dienstleistung bei Pflanzungen ist so hoch wie nie, Tendenz steigend“.
  • Zusammenarbeit: Wolfgang Hannig, stellvertretend für die Stadt und den Landkreis, bezeichnete den Wald als wichtige Lebensgrundlage, die Waldbesitzer und die Stadt profitieren von der Kompetenz der FBG: „Wir sind im Ostallgäu im positiven Sinne auf dem Holzweg“.
    Architekt Frank Lattke (links) als Gastredner zeigte bei der Jahresversammlung an Beispielen auf, welches Potenzial und Möglichkeiten heimisches Holz bietet. Großen Zuspruch für seine lebendigen Vortrag erfuhr er auch vom Vorsitzenden Wolfgang Guggenmos.
    Architekt Frank Lattke (links) als Gastredner zeigte bei der Jahresversammlung an Beispielen auf, welches Potenzial und Möglichkeiten heimisches Holz bietet. Großen Zuspruch für seine lebendigen Vortrag erfuhr er auch vom Vorsitzenden Wolfgang Guggenmos.
    Bild: Hans Pfefferle

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Architekt hat Turnhalle des Gymnasiums Marktoberdorf entworfen

Redner Frank Lattke, der unter vielem anderem auch die Sanierung der Turnhalle des Marktoberdorfer Gymnasiums – natürlich mit Holz – betreute, hob die Vorteile des Baustoffes hervor: Es bedarf weniger Stahl, die Regionalität erfordert keine langen Transportwege und macht unabhängig von konventionellen Baustoffen, für deren Herstellung ein hoher Energiebedarf notwendig ist. Holz ist vor allen Dingen nachwachsend und nachhaltig – ein Begriff, der inzwischen schon inflationär verwendet wird.

Ursprünglich stammt der Begriff Nachhaltigkeit aber ausschließlich aus der Forstwirtschaft, wenn Bäume gepflanzt und Pflege betrieben wird, von denen erst die kommenden Generationen den Nutzen haben. Alte Holzverbindungen, wie etwa der Schwalbenschwanz, erleben dank moderner Bearbeitungsmaschinen eine Renaissance. Sie liefern vorgefertigte Bauteile in hoher Qualität, erklärt Lattke.

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Holz muss nicht immer rustikal sein, modernes Design stellt kein Widerspruch dar. Beratend steht proHolz Bayern, ein Imagebündnis der bayerischen Forst- und Waldwirtschaft, zur Seite, aber ohne die Arbeit der Waldbesitzer sind keine schönen Holzarchitekturen und kein aktiver Klimaschutz möglich. Der Vorsitzende der FBG als Interessenvertretung der Waldbesitzer, Wolfgang Guggenmos, hält auch die derzeitige Energiedebatte für wenig zielführend, weil darin Holz zu wenig berücksichtigt wird. Er empfahl seinen Mitgliedern, die Hilfe der FBG als Dienstleister anzunehmen. Für die Bundeswaldprämie wurden die notwendigen Bescheinigungen ausgestellt.

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