Impfen durch Betriebsärzte

Modellprojekt: Warum bei AGCO/Fendt in Marktoberdorf der Impfmotor stottert

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Weil die mRNA-Impfstoffe von Biontech und Moderna derzeit nicht verfügbar sind, stottert die Impfkampagne bei AGCO/Fendt in Marktoberdorf.

Bild: Oliver Berg/dpa

Weil die mRNA-Impfstoffe von Biontech und Moderna derzeit nicht verfügbar sind, stottert die Impfkampagne bei AGCO/Fendt in Marktoberdorf.

Bild: Oliver Berg/dpa

Warum das Impfen beim Schlepperhersteller Fendt nur schleppend anläuft. Und wieso Fendt jetzt auf die allgemeine Freigabe des Impfens durch Betriebsärzte baut.
25.05.2021 | Stand: 04:30 Uhr

Sehr viel langsamer als gedacht geht es mit dem Impfen bei der Firma AGCO/Fendt in Marktoberdorf voran. Aktuell haben die drei Betriebsärzte dort erst 160 Mitarbeiter einmal gegen das Coronavirus geimpft, und zwar 100 Betriebsangehörige mit dem Impfstoff von Biontech und 60 mit dem Vakzin von Johnson & Johnson, erklärt Betriebsarzt Dr. Erwin Kirtscher. Dabei war bei Fendt die Erwartung sehr hoch an die Impfkampagne, die im Rahmen eines landesweiten Modellprojekts bei einer Handvoll Unternehmen in Bayern stattfindet (wir berichteten).

Betriebsarzt bei Fendt: "Bis Juni wollten wir fast durchsein. Wir sind sehr enttäuscht!"

„Bis Anfang Juni wollten wir mit dem Löwenanteil der Erstimpfungen durchsein“, sagt Betriebsarzt Kirtscher. „Wir sind sehr enttäuscht.“ Grund für den schleppenden Impfstart bei dem Schlepperhersteller ist – wie so oft in der Corona-Krise – die Impfstoff-Knappheit. Am Mitarbeiterinteresse lag es nicht, sagt Kirtscher. Über 1000 Anfragen gibt es es Firmengaben zufolge für die betriebsärztliche Impfung.

Aktuell erfasst das Unternehmen, wie viele der 4200 Mitarbeiter in Marktoberdorf und Altdorf insgesamt schon ein- oder zweimal gegen Covid-19 geimpft sind. „Wir haben viele engagierte Feuerwehrler und THWler unter unseren Mitarbeitern, die bei ihren Hausärzten beziehungsweise in den Impfzentren schon gegen Corona immunisiert wurden“, sagt Fendt-Pressesprecherin Manja Morawitz. Insofern seien einige hundert Mitarbeiter bereits anderweitig geimpft.

Gerade die Begründung für die Impfstoff-Knappheit löst in Marktoberdorf Unverständnis aus

Die Begründung für die aktuelle Impfstoff-Knappheit löst bei Betriebsarzt Kirtscher Enttäuschung aus. Wie den Medien zu entnehmen sei, seien in ganz Bayern Biontech-Lieferungen für Erstimpfungen gestoppt worden, damit Erstgeimpfte fristgerecht ihre Zweitimpfung mit dem Vakzin erhalten. „Der Staat wurde überrascht von den vielen Zweitimpfungen, hieß es. Von der Begründung kann jeder halten, was er will“, sagt Kirtscher frustriert. Hinzu kommen offenbar Transportprobleme bei Moderna.

Neben der mangelnden Verfügbarkeit dieser mRNA-Impfstoffe erschwert noch ein unvorhergesehenes Hindernis das Impfen bei Fendt: Kurz nach Start des Modellprojekts kam die staatliche Anweisung, das Vakzin von Johnson & Johnson nur noch an über 60-Jährige zu verimpfen. Ausnahmen dürfen lediglich Hausärzte machen, die die Vorgeschichte ihrer Patienten kennen. Dabei hätte Fendt offenbar jede Menge Johnson & Johnson-Dosen bekommen. „Und es wäre sehr praktisch gewesen, weil dieses Vakzin nur einmal verabreicht werden muss. Aber das bringt uns jetzt wenig“, sagt Sprecherin Morawitz.

Letztlich gab es bei Fendt in Marktoberdorf bislang nur zwei Impftage

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Auch sie klingt enttäuscht. Denn letztlich gab es bei AGCO/Fendt in Marktoberdorf – trotz voll eingerichteter Impfstraße – aus den genannten Gründen bislang nur zwei Impftage, obwohl die Impfkampagne dort seit zwei Wochen läuft.

„Die 160 Impfungen waren eigentlich nur der Probelauf“, sagt Betriebsarzt Kirtscher. „Der war okay, aber leider weiß keiner, wie schnell wir im Rahmen des Modellprojekts wieder Impfstoff bekommen und es weitergehen kann. Dabei wollten wir jetzt eigentlich in die Vollen gehen.“ Laut Kirtscher sind auch die anderen „Modellfirmen“ unzufrieden mit dem Projektverlauf. Ausnahme seien Firmen wie Magnet-Schultz in Memmingen, die in der ersten Projektphase zum Zug kamen, in der der Impfstoff von Biontech noch nicht für Zweitimpfungen zurückgehalten wurde.

Über 20.000 Traktoren sollen dieses Jahr bei Fendt vom Band rollen – aber bei der Corona-Impfung läuft es bei dem Schlepperhersteller noch nicht rund.
Über 20.000 Traktoren sollen dieses Jahr bei Fendt vom Band rollen – aber bei der Corona-Impfung läuft es bei dem Schlepperhersteller noch nicht rund.
Bild: Andreas Filke

Seine Kollegen und er setzen daher inzwischen weniger auf die Fortsetzung des Modellprojekts, sondern auf die ab 7. Juni angekündigte Freigabe der Impfstoffe für alle Betriebe in Deutschland. "Die Bestellung ist freigegeben. Jetzt haben wir neue Hoffnung geschöpft, dass wir vor der Sommerpause bei Fendt großflächig durchimpfen können“, sagt Betriebsarzt Kirtscher.

„Der Vorteil dabei ist: Wir Betriebsärzte können jetzt selbst die Vakzine im benötigten Umfang bestellen und über lokale Apotheken beziehen“, erklärt Kirtscher. Aktuell konnte dabei jeder Betriebsarzt für Anfang Juni bis zu 804 Einheiten des Biontech-Impfstoffs bestellen.

Warum das Modellprojekt bei AGCO/Fendt "auch seine guten Seiten hatte"

Kirtscher räumt aber ein, dass das Modellprojekt dennoch sein Gutes hatte. „Da wir mit dem Impfen früher angefangen haben, stehen wir absolut gut vorbereitet in den Startlöchern.“ Die Impfinfrastruktur in der früheren Landtechnik stehe, ebenso die IT, die Abläufe seien „dank des tollen medizinischen Fachpersonals“ eingespielt. Neben den drei Betriebsärzten und drei medizinischen Fachkräften des „betrieblichen Gesundheitsmanagements“ bei Fendt sind in der Impfstation zwei externe BRK-Mitarbeiter tätig, die das Marktoberdorfer Impfzentrum zur Unterstützung geschickt hat. „Die Zusammenarbeit mit dem Impfzentrum vor Ort läuft sehr gut“, sagt Kirtscher.

Firmenangaben zufolge ist übrigens auch die Zahl der Coronainfizierten bei Fendt in Marktoberdorf rapide gesunken. 15 waren es vergangenen Mittwoch. „Auch das tägliche Testen zahlt sich hier aus“, sagt Pressesprecherin Morawitz. Die Übertragungsketten würden dadurch sehr gut unterbrochen.

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