Kritik an Tests in den Schulen

Nach Corona-Selbsttests: Wieso müssen Marktoberdorfer Grundschüler in Quarantäne?

Coronavirus - Testpflicht an Schulen

Seit einer Woche gibt es an Schulen verpflichtende Corona-Selbsttests. Die Tests selbst liefen an Schulen in Marktoberdorf unproblematisch.

Bild: dpa (Symbolfoto)

Seit einer Woche gibt es an Schulen verpflichtende Corona-Selbsttests. Die Tests selbst liefen an Schulen in Marktoberdorf unproblematisch.

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Die Pflicht-Tests an Schulen sorgen noch immer für Unmut. Warum der Marktoberdorfer Bürgermeister Hell die Forderung einer Elterninitiative unterstützt.
16.04.2021 | Stand: 18:51 Uhr

Nachdem ein Corona-Selbsttest zur Entdeckung einer Infektion führte, ist eine vierte Klasse der Grundschule St. Martin in Quarantäne. Die seit Montag geltende Testpflicht bewerten Schulen in Marktoberdorf nach den Erfahrungen der ersten Woche durchaus positiv. Um die Sicherheit zu erhöhen, testet die Adalbert-Stifter Grundschule derzeit ihre Schüler sogar täglich. Unterdessen unterstützt Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell das Anliegen von Eltern der Grundschule Leuterschach-Wald, ihre Kinder zu Hause testen zu dürfen.

Marktoberdorfer Schulleiter: "Unproblematischer als gedacht"

Da die Schüler den Corona-Test unter Anleitung weitgehend selbstständig machen müssen, waren die Unsicherheit und die Anspannung an den Grundschulen mit den jüngsten Kindern am größten. Doch am Freitagmorgen, Tag fünf der Testpflicht, sagt Jörg Schneider: „Es läuft alles unproblematischer als gedacht.“ Der Schulleiter der Martinsschule hatte für das Kollegium eine Fortbildung organisiert. Insofern seien die Lehrer gut vorbereitet gewesen. Mit der Folge: „Die Gelassenheit der Lehrer führte dazu, dass auch die Kinder kaum aufgeregt waren“, sagt Schneider.

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Kind aus Marktoberdorf positiv getestet

Gleichwohl zeigte gleich am Montag der Selbsttest eines Kindes ein positives Ergebnis an. Dies wurde später durch einen PCR-Test bestätigt. Weil die Kinder der vierten Klasse etwa 30 bis 40 Minuten Kontakt zu dem coronapositiven Kind hatten, ist die Klasse seit Donnerstag in Quarantäne. Frühestens am 28. April können die Kinder wieder in die Schule. Der Vorgang sorge für etwas Unruhe an der Schule, sagt Schneider. Um die Sicherheitsabstände einhalten zu können, hatte die Schule sogar eine Pausenhalle und die Turnhalle zu Klassenzimmern umgestaltet. Geholfen hat das in diesem Fall nicht. Entscheidend ist die Zeit, die Schüler gemeinsam verbringen. Schneider wirbt um Verständnis: „Das ist eben geltendes Recht. Es geht darum, das gesamte Pandemiegeschehen einzugrenzen.“

Gesundheitsamt Ostallgäu ermittelt

Fällt der Corona-Test eines Kindes in der Schule positiv aus, nimmt nach Angaben von Stefan Leonhart vom Landratsamt Ostallgäu das Gesundheitsamt Ermittlungen auf. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) kann das Gesundheitsamt abwägen. Allerdings können bereits zehn Minuten in einem Raum mit einem bestätigten Covid-Fall als ausreichend für eine Quarantäne angesehen werden. Ein Kriterium ist zudem eine „schwer zu überblickende Kontaktsituation“ wie Schulklassen. Ordnet das Gesundheitsamt Quarantäne an, gilt sie sie für Kontaktpersonen für die Dauer von 14 Tagen. Alles zur Corona-Krise im Newsblog der Allgäuer Zeitung.

50 Eltern schreiben offenen Brief

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In einem offenen Brief – unter anderem an Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell – haben sich etwa 50 Eltern der Grundschule Leuterschach-Wald für Selbsttests zu Hause ausgesprochen. Bürgermeister Hell unterstützt dieses Anliegen. Die Testpflicht hält Hell grundsätzlich für eine sinnvolle Maßnahme im Kampf gegen das Coronavirus. Doch nun trete der „gegenteilige Effekt“ ein, wenn bei einem positiven Ergebnis eines Schülers die ganze Klasse in Quarantäne geschickt werde. „Ich halte es daher für notwendig, dass die Eltern ihre Kinder selbst zu Hause testen dürfen. So viel Vertrauen müssen wir in die Eltern haben!“

Maktoberdorfer Grundschule testet täglich

Aus der Sorge vor einem erneuten Distanzunterricht testet die Adalbert Stifter-Grundschule die Schüler der beiden vierten Klassen derzeit täglich. „Es wäre das Schlimmste und verheerend, wenn wir die Kinder gleich wieder nach Hause schicken müssen“, sagt Schulleiterin Bettina Schlegel. Lesen Sie auch: Bayern: 70 Prozent der Schüle ab nächster Woche im Distanzunterricht

Bislang gab es noch keinen positiven Test an der Schule. Schlegel hat mit dem Gesundheitsamt gesprochen. Das tägliche Testen in Verbindung mit einem guten Lüftungskonzept sowie CO2-Ampeln sei positiv bewertet worden, sagt Schlegel. „Es spricht viel dafür, dass eine Klasse bei uns selbst bei einem positiven Fall nicht in Quarantäne müsste.“ Allerdings werde immer von Einzelfall zu Einzelfall entschieden, schränkt Schlegel ein.

Tests als das „kleine Übel“

Ob nach einem Test die ganze Klasse in Quarantäne muss, diese Frage trieb auch den Elternbeirat der Stifter-Schule um. Und so sei das Gremium nicht uneingeschränkt für die Testpflicht, sagt Vorsitzender Florian Osterried. „Es sind einfach zu viele Fragen noch offen.“ Andreas Grieser, Vorsitzender des Elternbeirates am Gymnasium, sieht die Testpflicht als „kleines Übel“ an. „Jeder aufgedeckte Fall verhindert weitere Ansteckungen.“ Und nach einer Woche des Testens sagt Gymnasialdirektor Wilhelm Mooser: „Alles lief reibungslos“.