Marktoberdorf/Ostallgäu

„Nicht reagieren, sondern gestalten“

Ehrungen BBV Erntedank

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Bild: Dirk Ambrosch

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Erntedank Bei der Feier des Ostallgäuer Bauernverbandes im Marktoberdorfer Modeon erfahren die Landwirte Solidarität. Aufruf zu Eigenmarketing und mehr Stolz auf den eigenen Beruf
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Von dam
29.10.2019 | Stand: 16:49 Uhr

Es ist nicht so, dass der Hauptredner des Abends für diesen Satz unmittelbar Applaus im Stehen bekommen hätte. Nein, dafür war er eine Spur zu provokant, wie Uli Hagemeier, Redaktionsleiter derAllgäuer Zeitung, selbst einräumte. Doch wer dem Lauf des Abends, wer der Diskussion folgte, konnte erkennen: Überraschung, Verblüffung oder vielleicht auch Ärger wandelten sich bei den Menschen im Saal zu einer leisen Zustimmung. Hagemeiers Botschaft an die Landwirte beim Erntedankfest hatte gelautet: „Hören Sie auf zu jammern!“

Die Erntedankfeier des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) im Marktoberdorfer Modeon ist eine traditionsreiche Veranstaltung. Der Landfrauenchor singt, Diakon Norbert Pfaudler hält eine Andacht. Und der Ostallgäuer BBV-Kreisobmann Josef Nadler sagt an diesem Abend: „Was wir derzeit erleben, ist eine schwierige, eine bedrückende Situation für die Landwirte.“ Die Bauern würden landauf, landab zu Sündenböcken gemacht. Sei es beim Thema Umweltschutz oder beim Thema Tierhaltung. „Es ist geradezu ehrabschneidend für uns, dass alles, was wir machen, nicht richtig sein soll“, sagt Nadler. Er fordert ein Gegenhalten der Landwirte. Und er fordert in der Diskussion mehr Ehrlichkeit und Sachlichkeit – auch von der Politik.

Landwirte arbeiten laut Nadler nachhaltig, sind Landschaftspfleger. Doch sich um die Themen Klima-und Umweltschutz zu kümmern, sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. „Das kann nicht nur auf eine Berufsgruppe abgewälzt werden.“ Und die Kreisbäuerin Karina Fischer wird später sagen, sie wünsche sich mehr Unterstützung von der Politik. „Einen Industriebetrieb kann man schließen und später wieder öffnen. Aber wenn ein landwirtschaftlicher Betrieb zusperrt, gehen Tradition, Kultur und bäuerliches Wissen unwiederbringlich verloren“, sagt Fischer. Den Landwirten ruft sie zu: „Haltet zusammen!“

Es ist also insgesamt schon viel Frust, Ärger und Aufruf zum Protest zur Sprache gekommen, als Redaktionsleiter Uli Hagemeier ans Mikrofon tritt. Die Landwirtschaft sei sowohl einem hohen Preisdruck, als auch einem hohen moralischen Druck ausgesetzt, sagt er. Die grünen Kreuze auf vielen Feldern sind laut Hagemeier ein wichtiges Signal, um auf dieses Dilemma aufmerksam zu machen. Er sagt aber auch: „Protest allein hilft nicht, um die Menschen von der Qualität Ihrer Arbeit zu überzeugen.“

Nach Einschätzung Hagemeiers ist die Stimmung unter den Bauern derzeit schlechter als die wirtschaftliche Lage. „Wo ist Ihr Bauernstolz geblieben?“, fragt Hagemeier. Das Interesse an Lebensmitteln sei gewachsen, ebenso das Umweltbewusstsein, es gebe eine Rückbesinnung auf regionale Produkte. „Das ist Ihre Chance. Da kommen Sie an die Menschen ran. Erklären Sie, was Sie als Landwirt tun, erklären Sie, wie gut Sie und Ihre Produkte sind.“ Öffentlichkeitsarbeit müsse heutzutage auch Teil der Arbeit eines landwirtschaftlichen Betriebes sein. „Das müssen Sie selbst tun. Nicht reagieren, sondern gestalten.“

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Und in diesem Zusammenhang rät Hagemeier den Bauern schließlich, weniger zu jammern. „Sie können stolz sein auf Ihren großartigen Beruf.“ Denn nicht zuletzt seien es Landwirte aus der Region, die Lebensmittel produzierten, die von ihrer Qualität „weltweit ihresgleichen suchen“.

Auch Landrätin Maria Rita Zinnecker hatte ihre Solidarität mit den Landwirten bekundet. „Das Ostallgäu steht ohne Wenn und Aber hinter Ihnen.“ Der stellvertretende Marktoberdorfer Bürgermeister Wolfgang Hannig sagt: „Seien Sie selbstbewusst. Sie machen richtig gute Arbeit.“

Am Abend werden auch die neuen Landwirtschaftsmeister, Hauswirtschaftsmeisterinnen und Techniker für Agrarwirtschaft geehrt. „Sie sind unser Aushängeschild und die Zukunft für das Ostallgäu“, sagt Kreisobmann Nadler.