Weihnachtszeit

Nur verloren geglaubt: Die Historie einer Obergünzburger Krippe

Die zwei Figuren aus der Barockkrippe, ein römischer Soldat und eine Frau, sind „original“ gekleidet bis Lichtmess in der Obergünzburger Kirche ausgestellt.

Die zwei Figuren aus der Barockkrippe, ein römischer Soldat und eine Frau, sind „original“ gekleidet bis Lichtmess in der Obergünzburger Kirche ausgestellt.

Bild: Hermann Knauer

Die zwei Figuren aus der Barockkrippe, ein römischer Soldat und eine Frau, sind „original“ gekleidet bis Lichtmess in der Obergünzburger Kirche ausgestellt.

Bild: Hermann Knauer

Kurios ist die Geschichte einer spätbarocken Weihnachtskrippe in Obergünzburg. Wie lange die sogenannte "Halbjahreskrippe" als verschollen galt.
Die zwei Figuren aus der Barockkrippe, ein römischer Soldat und eine Frau, sind „original“ gekleidet bis Lichtmess in der Obergünzburger Kirche ausgestellt.
Von Hermann Knauer
16.12.2020 | Stand: 06:00 Uhr

Jedes Jahr, wenn in der ersten Adventswoche mit der Darstellung „Herbergsuche“ die in den 1990er Jahren neu geschnitzte Weihnachtskrippe in der Pfarrkirche St. Martin aufgebaut wird, erzählt der frühere Kirchenpfleger Hermann Knauer die Geschichte von der verloren geglaubten Halbjahreskrippe mit den spätbarocken „orginal“ gekleideten und gefassten Figuren. Über Jahrzehnte, seit Renovierung des Kirchturmdachstuhls 1964, galt die Krippeneinrichtung als verschollen. Nur die aus Rinde geschaffenen Synagogen- und Flachdachgebäude waren teilweise noch vorhanden.

Der neunjährige Ministrant war beeindruckt

Schon als neunjähriger Ministrant durfte Knauer mit anderen Helfern 1948 zu Beginn der Advents die sorgfältig in Schuhschachteln verpackten und aufbewahrten Krippenfiguren vom Kirchendachboden über die Turmstufen zum Aufbau der Halbjahreskrippe in die Kirche tragen.

In der damaligen Siechenkapelle (heute Taufkapelle) wurde die Barockkrippe von 1730 und das zusätzliche Glockenspielwerk mit dem „segnenden Jesuskind“ vom Mesner aufgebaut und eingerichtet. Wunderschöne Detaileinrichtungen, wie die Hochzeit zu Kana, die Darstellung des letzten Abendmahls oder die Leidens- und Kreuzigungsgruppen, beeindruckten den Ministranten, aber auch die vielen Kinder und Schulklassen ganz besonders. Eine ganze Kompanie Soldaten, etwa 80 Schafe, Hirten und wunderschön gekleidete Engel, Priester und Wächter präsentierten sich, aber auch Ziegen, Kamele und Esel gehörten zur acht Quadratmeter großen Darstellungsfläche.

Wie lang sie Jahr für Jahr in der Kirche stehenblieb

Vom 1. Advent bis Gründonnerstag wurde in den Nachkriegsjahren die Barockkrippe besichtigt, die besonders für die Schulkinder, aber ganz besonders für die Kommunionkinder dem Kaplan sowie Lehrkräften als anschaulicher Religionsunterricht diente. Nach dem Abbau der Krippe in der Karwoche wurde seinerzeit zum Karfreitag dann der Karfreitagsaltar im Altarraum aufgebaut, wo heute der Volksaltar steht.

Wie diese zum Kirchenbesitz gehörende Halbjahreskrippe, eine der größten Barock-Krippen in der Diözese, vom Kirchendachboden entfernt wurde, unrechtmäßig ins gemeindliche Depot gelangte und über Jahrzehnte als unauffindbar galt, wurde bisher nicht geklärt. Die Krippe soll nun, obwohl sie nicht vollständig ist, im Museum gezeigt werden. Mit der Erfassung des Bestands ist ein erster Schritt getan.