Insekten

Ostallgäuer BUND-Fachmann betont: „Hornissen sind tolerante und friedfertige Tiere!“

Naturaufnahmen Hornisse an toten Holz sucht Baumaterial

Eine Hornisse ist drei bis vier Zentimeter lang.

Bild: Siegfried Rebhan

Eine Hornisse ist drei bis vier Zentimeter lang.

Bild: Siegfried Rebhan

Über die größte Wespenart, die Hornisse, kursieren viele Mythen. Was Josef Kreuzer, Ostallgäuer Vorsitzender des Bund Naturschutz, zum Umgang mit ihnen rät.
10.07.2021 | Stand: 18:00 Uhr

„Hornissen sind tolerante, friedfertige Tiere. Allen gruseligen Legenden zum Trotz: Ihr Stich ist nicht gefährlicher als ein Bienen- oder Wespenstich“, versichert Josef Kreuzer, Vorsitzender der Kreisgruppe Ostallgäu-Kaufbeuren des Bund Naturschutz (BUND). Allergiker müssten trotzdem vorsichtig sein, da auch Hornissenstiche zu allergischen Reaktionen führen können.

Hornissen interessieren sich nicht für Kuchen und zuckersüße Limo

Wirklich gefährlich seien Hornissen nur für andere Insekten oder Raupen, die für die Ernährung des Nachwuchses sehr wichtig sind. „An Kuchen oder zuckersüßer Limo haben sie kein Interesse – leider wissen das nur wenige Menschen“, so Kreuzer. Er klärt in einer Pressemitteilung über den Umgang mit den Tieren im Garten auf.

Eine Hornisse ist drei bis vier Zentimeter lang und damit die größte Staaten bildende Wespenart Mitteleuropas. Und sie sticht auch zu, wenn sie sich bedroht oder bedrängt fühlt. „Dass Hornissen Menschen und Pferde mit wenigen Stichen töten können, ist wissenschaftlich widerlegt“, so Kreuzer weiter. Gefährlich sei ein Stich nur im Mund- oder Rachenraum, aber nicht wegen des Giftes, sondern weil dort eine Schwellung das Atmen behindern kann.

Wer gegen Bienen allergisch ist, ist das nicht automatisch auch gegen Hornissen

Personen mit einer Bienengiftallergie seien nicht automatisch gegen Wespen oder Hornissen allergisch. Wer sich hier nicht sicher ist, sollte das fachärztlich prüfen lassen. Bei Hornissen müsse man beim Frühstück im Freien keine Angst haben, dass sich das Tier auf das Marmeladenbrot setzt.

Die dicken Brummer seien geschickte Jäger. Auf ihrem Speiseplan stehen Fliegen, Bremsen, Motten und auch Wespen, Bienen oder Libellen, daher die Bezeichnung „Insektenjäger“. Gejagt wird meistens im Flug – Tag und Nacht. Deshalb landeten Hornissen bei geöffnetem Fenster nachts auch mal im Haus. Künstliches Licht irritiere sie nämlich. Die Beutejagd diene weniger der eigenen Ernährung, sondern vielmehr der Brutpflege.

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Ein Hornissenjahr beginnt je nach Witterung zwischen April und Mai, findet ihren Entwicklungshöhepunkt im August und endet im Oktober. Es überleben im Herbst nur die begatteten Jungköniginnen, die sich für den Winter einen geschützten Unterschlupf suchen.

Tipps für den Umgang mit Hornissen:

Folgende Tipps können das friedliche Zusammenleben von Menschen und Hornissen erleichtern:

  • Entspannt bleiben: Hornissen sind scheue Tiere. Außerhalb ihres Nestbereichs gehen sie Konfrontationen gern aus dem Weg. Verirrt sich eine Hornisse nachts ins Haus, kann man das Tier durch Ausschalten des Lichtes und weites Öffnen der Fenster leicht zum Wegfliegen bringen.
  • Nester in Ruhe lassen: In einem Bereich von etwa vier Metern um das Nest reagieren Hornissen auf Störungen empfindlich und können angreifen. Hält man sich an diese „Ruhezone“, kann man den Hornissen bei ihrer interessanten Arbeit zuschauen.
  • Umsiedlung nur in Notfällen: Da natürliche Nistmöglichkeiten wie Höhlen in großen Laubbäumen an Waldrändern vielerorts fehlen, nutzen Hornissen auch Dachböden, Scheunen oder Vogelnistkästen. Die Riesenbrummer sind selbst in der unmittelbaren Nähe von Häusern friedliche Nachbarn und Untermieter. „Da ein Hornissenvolk im Herbst stirbt, sollte jeder Gartenbesitzer bis zu diesem Zeitpunkt warten und erst dann das Nest entfernen“, erklärt der Experte.

Die Riesenwespen sind eine Art Naturpolizei

„Die Riesenwespen sind durch ihre Lebensweise eine Art Naturpolizei im Ökosystem und besitzen eine bedeutende Rolle für natürliche Regulationsprozesse bei Insekten.“ Umso erschreckender sei die Tatsache, dass Hornissen kaum noch Lebensräume in unserer Gegend fänden. Verantwortlich dafür seien die intensiv genutzten Landschaften, artenarme Nadelwälder, Abholzung alter und hohler Bäume, die Ausbringung von Pestiziden und der Rückgang natürlicher Beutetiere.

„Hornissen zählen zu den besonders geschützten Tierarten und werden durch das Bundesnaturschutzgesetz rechtlich geschützt. Sie dürfen nicht getötet und ihr Nest nicht zerstört werden. Wer Probleme mit den Tieren hat, muss einen Experten kontaktieren“, so Kreuzer.

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