Zusammenleben zwischen Mensch und Tier

Ostallgäuer Experten warnen: Warum Laubbläser Igel gefährden

Laub im Garten erleichtert es Igeln, vor dem Winter genug Nahrung zu finden. Außerdem bietet Laub Schutz zum Überwintern.

Laub im Garten erleichtert es Igeln, vor dem Winter genug Nahrung zu finden. Außerdem bietet Laub Schutz zum Überwintern.

Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Laub im Garten erleichtert es Igeln, vor dem Winter genug Nahrung zu finden. Außerdem bietet Laub Schutz zum Überwintern.

Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Warum zu viel Ordnung im Garten den nützlichen Tieren schadet. Und was man tun kann, um den Igeln durch den Winter zu helfen.
14.11.2020 | Stand: 12:15 Uhr

Der Bund Naturschutz (BN) bittet alle Gartenbesitzer das Laub liegen zu lassen und den Garten igelfreundlich zu gestalten. Wer draußen zufüttern möchte, kann das jetzt tun. Auf Laubbläser sollte verzichtet werden, heißt es in einer Pressemitteilung des Naturschutzverbandes für das Ostallgäu.

Gute Verstecke sind für den Igel überlebenswichtig. Sie finden Winterquartiere unter Holzterrassen, unter Sträuchern, Laub-, Holzhaufen oder Geräteschuppen. Der November ist für die Tiere jedoch ein Monat mit Tücken. Manche Igel befinden sich bereits im Winterschlaf. Weibchen und Jungtiere sind aber häufig noch auf der Suche nach Nahrung und einem Quartier für den Winter. Die Ordnungsliebe der Menschen bringt die Suche nach guten Verstecken vollkommen durcheinander. In vielen Gärten wird derzeit Laub gefegt, Hecken werden geschnitten, der Rasen gemäht – doch vor allem wird gelärmt. „Laubsauger zerstören Winterquartiere oder vertreiben die Igel durch ihren enormen Lärm“, beklagt Josef Kreuzer, Vorsitzender der Kreisgruppe Bund Naturschutz Ostallgäu-Kaufbeuren.

Auch Kleintiere sind gefährdet

Doch nicht nur Igel sind gefährdet. Die Geräte bedrohen vor allem zahlreiche Kleintiere wie Würmer und Insekten, die durch die Beseitigung des Laubs ihren Lebensraum und die Nahrungsgrundlage verlieren. Also gerade die Tiere, die der Igel als Fleischfresser zum Überleben braucht. Der BN bittet deshalb alle Gartenbesitzer, auf Laubsauger und Laubbläser zu verzichten und stattdessen lieber Ecken mit Laubhaufen im Garten einzurichten.

„Winterquartiere, die durch eine übertriebene Gründlichkeit zerstört werden, bringen unsere Igel in große Bedrängnis. Die erneute Suche nach einem alternativen Schlafplatz kostet die Tiere viel Energie und kann tödlich enden“, weiß Kreuzer.

Ein Häuschen mit Futter

Wer keine Möglichkeit für Laub- und Reisigecken im Garten hat, kann den Tieren ein fertiges Igelhaus anbieten und zufüttern. Gefressen werden gerne Rühreier, Katzenfutter, gekochtes Geflügel oder gebratenes Hackfleisch. Milch dagegen schadet den Tieren. Eine flache Schale mit frischem Wasser sollte in keinem Garten fehlen. Achtung: Eine Fütterung ohne zusätzlichen Unterschlupf in der Nähe macht keinen Sinn.

Futterstellen werden von Igeln gern angenommen. Finden die Tiere dagegen kein Versteck in der unmittelbaren Umgebung, müssen sie bei kühlen Temperaturen weit laufen und verlieren ihre zuvor angefressene Energie. Die beste Lösung ist deshalb immer ein Naturgarten, in dem der Igel alleine zurechtkommt.

Der Igel ist eine besonders geschützte Tierart. Nur kranke und verletzte Igel dürfen häuslich aufgenommen und gepflegt werden. Sobald sich die Tiere wieder selbst erhalten können, müssen sie unverzüglich in Freiheit entlassen werden. Für die Pflege eines hilfsbedürftigen Igels reicht Tierliebe allein nicht aus. Igelfinder sollten sich in jedem Fall die nötige Sachkenntnis aneignen oder fachkundigen Rat einholen.

Weitere Infos zu den Igeln finden Sie auf der Webseite des Bund Naturschutzes.