Vor Gericht

Ostallgäuer hamstert Marihuana in seiner Wohnung

Weil er Marihuana in seiner Wohnung gelagert hatte, musste sich ein 28-jähriger Ostallgäuer vor Gericht verantworten.

Weil er Marihuana in seiner Wohnung gelagert hatte, musste sich ein 28-jähriger Ostallgäuer vor Gericht verantworten.

Bild: picture alliance/dpa

Weil er Marihuana in seiner Wohnung gelagert hatte, musste sich ein 28-jähriger Ostallgäuer vor Gericht verantworten.

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28-Jähriger besitzt  ein langes Strafregister. Warum er dennoch mit einer Bewährungsstrafe davon kommt.

Weil er Marihuana in seiner Wohnung gelagert hatte, musste sich ein 28-jähriger Ostallgäuer vor Gericht verantworten.
Von Barbara Bestle
18.08.2020 | Stand: 18:30 Uhr

Dass ein 28-jähriger Mann wegen des Besitzes von rund 44 Gramm Marihuana zu einer Freiheitsstrafe verurteilt werden würde, stand in einem Drogenprozess vor dem Schöffengericht schon aufgrund seiner eigenen Angaben fest. Die große Frage war, ob die Strafe noch zur Bewährung ausgesetzt werden konnte. Gegen den Angeklagten sprach ein Strafregister mit elf Eintragungen, von denen zwei einschlägig waren. Weil aber die jüngste Verurteilung schon über drei Jahre zurückliegt und die letzte einschlägige Tat bereits im Jahr 2013 war, kam das Gericht zu einer günstigen Sozialprognose – „noch“ wie die Vorsitzende im Urteil betonte. Dieses lautete auf zwölf Monate zur Bewährung und ist rechtskräftig.

Der Verteidiger hatte zehn Monate auf Bewährung für ausreichend erachtet, die Staatsanwältin eine Haftstrafe von einem Jahr und zwei Monaten beantragt. Der Schuldspruch war wegen „vorsätzlichen unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln in einer nicht geringen Menge“ erfolgt. Weil es sich bei Marihuana um eine sogenannte „weiche Droge“ handelt und der Grenzwert des Wirkstoffgehalts, ab dem eine Tat als Verbrechen gewertet wird, nur knapp überschritten war, gingen alle Verfahrensbeteiligten von einem minderschweren Fall aus. Um das Leben des derzeit arbeitslosen Angeklagten „wieder ein bisschen zu strukturieren“, verhängte das Gericht eine Arbeitsauflage von 160 Stunden. Zudem muss sich der junge Mann jedweden Betäubungsmittelkonsums enthalten und dies dem Gericht durch Drogentests nachweisen.

Die Polizei war dem Angeklagten zufällig auf die Spur gekommen, als sie ihn bei Ermittlungen in anderer Sache als Zeugen vernehmen wollte. Wie sich eine Kripobeamtin jetzt vor Gericht erinnerte, sei ihr bereits im Treppenhaus ein Marihuana-Geruch aufgefallen, der sich zur Wohnung hin noch verstärkt habe. Der junge Mann sei „sehr nervös“ gewesen und sichtlich darum bemüht, sie an der Tür abzuwimmeln. Auch bei der späteren Durchsuchung habe er die Polizei zunächst nicht in die Wohnung lassen wollen, sei dann aber doch „kooperativ“ gewesen. Die Ermittler fanden Drogenutensilien und insgesamt rund 44 Gramm Marihuana. Das Rauschgift war von guter Qualität und nicht ausschließbar zum Eigenkonsum bestimmt. Als die Vorsitzende dem Angeklagten jetzt die „doch ordentliche Menge“ vorhielt, begründete er diese mit einem „Hamsterkauf“.

Der 28-Jährige versicherte, dass er mittlerweile kein Rauschgift mehr konsumiere und sein Leben „wieder auf die Reihe kriegen“ wolle. Er fügte hinzu: „Das ist mir wesentlich mehr wert als das blöde Kiffen.“ Die Richterin machte ihm im Urteil deutlich, dass er bei einem Drogen-Rückfall oder sonstigen Straftaten mit dem Widerruf der Bewährung rechnen müsse. Wörtlich sagte sie: „Ein Joint und Sie stehen schon mit einem Fuß im Gefängnis.“