Corona: Wie die Kirchen Ostern feiern

Normales Osterfest? Marktoberdorfer Pfarrer macht Hoffnung auf nächstes Jahr

Dieses Jahr beeinflusst die Corona-Pandemie die Planungen der Kirchen für die Osterfeiertage. Doch der Marktoberdorfer Pfarrer Oliver Rid macht Hoffnung auf nächstes Jahr.

Dieses Jahr beeinflusst die Corona-Pandemie die Planungen der Kirchen für die Osterfeiertage. Doch der Marktoberdorfer Pfarrer Oliver Rid macht Hoffnung auf nächstes Jahr.

Bild: Ronny Hartmann

Dieses Jahr beeinflusst die Corona-Pandemie die Planungen der Kirchen für die Osterfeiertage. Doch der Marktoberdorfer Pfarrer Oliver Rid macht Hoffnung auf nächstes Jahr.

Bild: Ronny Hartmann

Der Marktoberdorfer Pfarrer Oliver Rid spricht über Corona-Helden und was sich Gläubige in der Krise von der Kirche erhoffen. Warum Ostern schwierig zu planen war.
01.04.2021 | Stand: 17:30 Uhr

Erst machte die vermeintliche verordnete Osterruhe die Planungen zunichte, dann war wieder alles anders. Für den katholischen Pfarrer Oliver Rid von der Pfarreiengemeinschaft Marktoberdorf und sein Team war die Vorbereitung der Osterfeierlichkeiten vor dem Hintergrund der dritten Corona-Welle alles andere als einfach. Im Interview spricht er über reale und virtuelle Gottesdienste, die Kirche als Anker in der Krise und was ihm geholfen hat im vergangenen Jahr.

Herr Pfarrer Rid, das ist heuer zweite Osterfest im Corona-Modus. So traurig es ist: Bekommt man da als Pfarrer so etwas wie Routine?

Rid: Nein! Gott sei Dank nicht! Die Ostertage stehen heuer unter ganz anderen Vorzeichen als vor einem Jahr. Die Regeln sind nicht so klar und eindeutig, die Gesamtsituation ist unübersichtlicher und wir wissen ja auch, wie sich aktuell die Zahlen entwickeln.

Kirche in Marktoberdorf mit zweifachem Angebot

Welches Angebot können Sie den Gläubigen zu Ostern machen?

Rid: Wir fahren in diesem Jahr doppelgleisig. Es gab unfassbar oft die Rückmeldung von Gläubigen, die uns sagten, wie wichtig es ihnen sei, das Osterfest heuer real in der Kirche zu feiern. Gottesdienste unter strengen Hygiene-Maßnahmen zu feiern – darin haben wir ja mittlerweile viel Erfahrung sammeln können. Gleichzeitig werden die wichtigsten Gottesdienste live gestreamt. Ein virtuelles Angebot für die Menschen, die nicht in die Kirche kommen können oder ganz einfach vorsichtig sind.

Weniger Gläubige zum Gottesdienst in Marktoberdorf

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Glaube

Wie Kirchen in Zeiten der Pandemie die Osterbotschaft verkünden

Das Ostallgäu gilt mittlerweile als Corona-Hotspot. Gab es Überlegungen, die Gottesdienste aufgrund des Corona-Risikos ausfallen zu lassen?

Rid: Also wir beobachten die Situation schon sehr genau. Deshalb gibt es ja auch das zweifache Angebot: real und virtuell. Außerdem legen wir bei den realen Angeboten allergrößten Wert auf die Sicherheit. Neben der Masken-Pflicht gilt ein Abstand von zwei Metern, sodass es in der Martins-Kirche 80 ausgewiesene Einzelplätze gibt – statt der möglichen 500. In St. Magnus sind es 90 statt 600. Aber das Entscheidende sind unsere Ordner, die die Gottesdienst-Besucher an ihre Plätze begleiten. Sie strahlen eine große Ruhe und Sicherheit aus. Sonntag für Sonntag tun sie ihren Dienst. Das sind unsere absoluten Corona-Helden!

Ist es nicht so, dass Menschen in Krisenzeiten einen Halt suchen? Wie war das aus Ihrer Erfahrung im vergangenen Jahr: Haben mehr Menschen Trost gefunden im Glauben?

Rid: Die Menschen sind durch die andauernde Corona-Situation verunsichert. Verlässlichkeiten aus der Vor-Corona-Zeit brechen weg. Es wurde deutlich, wie verletzlich das Leben ist. Und wie verwundbar die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Systeme sind. Da stellen sich natürlich viele Menschen die Frage: Was kann mir Sicherheit und Kraft geben? So ist die Zahl der Seelsorgegespräche im vergangenen Jahr gestiegen. Die Krise bietet definitiv die Möglichkeit, den Glauben ganz neu für sich existenziell zu entdecken.

Pfarrer: "Es gab schon sehr tragische Situationen"

Zentrales Motiv des Karfreitags sind Sterben und Tod. Etliche Menschen konnten wegen der Pandemie ihre Liebsten nicht begleiten in der letzten Lebensphase...

Rid: Das ist natürlich etwas, was die Angehörigen unglaublich beschäftigt. Denn man stellt sich das ja immer anders vor. Man hat sein Leben geteilt mit der Oma, dem Opa, den Eltern oder dem Ehepartner – und auf einmal geht das nicht mehr. Zudem sind die Besuche limitiert oder der Angehörige stirbt allein. Da gab es tatsächlich einige sehr tragische Situationen.

Was hier mitschwingt, ist ja auch das Thema Angst: In eine Situation zu geraten, die man selbst nicht mehr kontrollieren kann...

Rid: Das ist richtig.

Geistlicher sagt, was gegen Angst hilft

Und Angst prägt derzeit das Leben vieler Menschen. Die Angst vor Krankheit, Jobverlust, Leiden oder Existenzangst. Was raten Sie?

Rid: Nehmen wir den Gründonnerstag als Ausgangspunkt. Wir sehen: Jesus hatte richtig Angst. Wenn also sogar der Sohn Gottes Angst verspürt, dann ist meine eigene Angst nichts, wofür ich mich schämen muss. Was aber macht Jesus? – Er geht mit drei Jüngern zum Ölberg, um dort zu beten. Er teilt im Gebet seine Angst Gott mit – und empfängt darin neue Kraft. Es geht also darum, zu seiner Angst zu stehen, sie ins Wort zu fassen, sie mit Gott und den anderen zu teilen – und sie so zu überwinden.

Wie sind Sie selbst denn durch die Krise gekommen? Was hat Ihnen geholfen?

Rid: Getragen hat mich mein Glauben an den Gott, in dem wir uns auch in solchen Zeiten bergen können. Und da sind wir ja ganz nah dran an der Osterbotschaft! Auch wenn Corona unsere Pläne durchkreuzt, ist Gott für uns da und gibt uns die Perspektive zum Licht, zum Osterlicht! Das hat mir viel Zuversicht geschenkt und da habe auch ich als Pfarrer meinen Glauben ganz neu entdecken und vertiefen können.

Eine Prognose für Ostern 2022

Werden wir Ostern im nächsten Jahr wieder normal feiern können? Was denken Sie?

Rid: Mit Prognosen ist es ja im Moment so eine Sache (lacht). Aber wenn wir jetzt bald mit dem Impfstoff eine breite Bevölkerungsschicht erreichen, dann ist die Hoffnung auf ein „normales“ Ostern im nächsten Jahr auf jeden Fall gegeben.