46-Jähriger vor Gericht

Prozess in Kaufbeuren: Gericht verurteilt Schleuser - Er steuerte Flucht aus Syrien per Telefon

Bei seiner Flucht in einem Schlauchboot wäre ein Syrer fast ertrunken. Der Schleuser stand jetzt vor Gericht in Kaufbeuren.

Bei seiner Flucht in einem Schlauchboot wäre ein Syrer fast ertrunken. Der Schleuser stand jetzt vor Gericht in Kaufbeuren.

Bild: Santi Palacios/AP/dpa (Symbolfoto)

Bei seiner Flucht in einem Schlauchboot wäre ein Syrer fast ertrunken. Der Schleuser stand jetzt vor Gericht in Kaufbeuren.

Bild: Santi Palacios/AP/dpa (Symbolfoto)

Prozess am Amtsgericht Kaufbeuren um einen Syrer, der das Entkommen eines Landsmanns organisierte und dafür 7.000 Euro kassierte. Welche Strafe er erhielt.
15.03.2021 | Stand: 07:17 Uhr

Wegen Einschleusens von Ausländern musste sich jetzt ein 46-jähriger Syrer vor dem Amtsgericht verantworten. Der damals in Kaufbeuren wohnhafte Mann soll Ende 2016 gemeinsam mit anderen Personen für einen heute 32-jährigen Landsmann die Flucht organisiert und dafür rund 7.000 Euro kassiert haben. Die Schleuser hatten den Flüchtling unter anderem mit einem angeblich echten Pass ausgestattet. Dieser war jedoch eine Fälschung, was dazu führte, dass der Mann in Griechenland festgenommen wurde, als er von dort aus nach Deutschland fliegen wollte. Er durfte dann später im Rahmen der Familienzusammenführung in die Bundesrepublik einreisen.

Der Angeklagte hatte zunächst seine Unschuld beteuert, seinen Einspruch gegen einen Strafbefehl auf dringendes Anraten des Richters und des Staatsanwalts dann aber doch zurückgezogen. Damit wurde die Entscheidung, die eine sechsmonatige Bewährungsstrafe und eine Geldbuße in Höhe von 1.000 Euro vorsieht, sofort rechtskräftig.

Angeklagter in Kaufbeuren entgeht höherer Strafe

Durch das Akzeptieren des Strafbefehls entging der Mann mit ziemlicher Sicherheit einer höheren Strafe und einer möglichen Verhaftung im Sitzungssaal. Es gab nämlich Hinweise, dass er vor dem Prozess versucht hatte, Zeugen aus dem familiären Umfeld des Geschleusten zu beeinflussen. Bevor diese Personen jetzt vernommen wurden, wies der Richter den Angeklagten darauf hin, dass er ihn bei einer Bestätigung des Verdachts durch die Zeugen wegen Verdunkelungsgefahr würde festnehmen lassen. Nachdem auch der Staatsanwalt dem 46-Jährigen den Ernst der Lage vor Augen geführt hatte, siegte vor dem Amtsgericht schließlich doch die Vernunft.

Amtsgericht Kaufbeuren: Angeklagter spricht vor Gericht von "Intrige"

Bis dahin hatte der Angeklagte versucht, sich als Opfer einer Intrige darzustellen: Seine Tochter habe sich vergangenes Jahr von einem angeheirateten Verwandten des Geschleusten scheiden lassen, was zu einem Streit zwischen den Familien geführt habe. Schließlich habe man ihn aus Rache angezeigt. Die Aussagen des Geflüchteten und seiner Ehefrau zeichnete dagegen ein anderes Bild. Laut diesen hatte der Angeklagte der Frau, die wie er in Kaufbeuren lebte, im Spätherbst 2016 seine Dienste angeboten. Sie war schon früher aus dem Kriegsgebiet geflohen und hatte zunächst auf legalem Weg versucht, ihren Mann nachzuholen. Aus ihrer Aussage ließ sich schließen, dass sie das Angebot des Angeklagten dann aus Sorge um ihren Mann angenommen hatte: Dieser sei in Syrien bereits inhaftiert gewesen und habe gesundheitliche Probleme gehabt. Um die Kosten für die Schleusung aufzubringen, habe er das Haus der Familie verkauft und Schulden gemacht.

Bei seiner Flucht folgte der Mann dann offenbar den telefonischen Anweisungen des Angeklagten und und gelangte mithilfe anderer Mitglieder der Schlepper-Organisation in die Türkei. Hier wurde er in ein Schlauchboot gesetzt, das ihn nach Griechenland bringen sollte. Wie er sich jetzt vor Gericht erinnerte, sei das Boot dann „fast gekentert“. Die griechische Küstenwache habe ihn und die anderen Passagiere gerettet.

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