Neue Corona-Regeln in Bayern

Allgäuer Rektor befürwortet Testpflicht an Schulen - sieht aber noch Probleme

Testpflicht an allen bayerischen Schulen: Nun müssen sich alle Schüler von Grundschule bis Gymnasium und alle Lehrer im Allgäu mindestens zweimal pro Woche auf das Corona-Virus testen.

Testpflicht an allen bayerischen Schulen: Nun müssen sich alle Schüler von Grundschule bis Gymnasium und alle Lehrer im Allgäu mindestens zweimal pro Woche auf das Corona-Virus testen.

Bild: Matthias Balk, dpa (Symbolbild)

Testpflicht an allen bayerischen Schulen: Nun müssen sich alle Schüler von Grundschule bis Gymnasium und alle Lehrer im Allgäu mindestens zweimal pro Woche auf das Corona-Virus testen.

Bild: Matthias Balk, dpa (Symbolbild)

Nach den Osterferien sind Corona-Tests an allen Schulen in Bayern Pflicht. Wie die Schulen das stemmen sollen, fragt sich auch ein Allgäuer Rektor.
08.04.2021 | Stand: 11:53 Uhr

Nach den Osterferien gilt eine Testpflicht an den bayerischen Schulen. Das hat der bayerische Ministerpräsident Markus Söder am Mittwoch verkündet. Nun müssen sich alle Schüler von Grundschule bis Gymnasium und alle Lehrer im Allgäu mindestens zweimal pro Woche mit einem Selbsttest auf das Corona-Virus testen. Nur mit einem negativen Testergebnis dürfen Lehrer unterrichten und Schüler am Unterricht teilnehmen.

Die Testpflicht wirft jedoch viele Fragen auf: Gibt es genügend Tests für die Allgäuer Schulen? Ist es zeitlich und logistisch überhaupt möglich, die ganze Schulfamilie zweimal wöchentlich mit Selbsttests zu testen? Wie sollen die Tests an Grundschulen ablaufen?

Allgäuer Rektor zu Testpflicht: "Ein Mosaikstein zur Normalität"

"Die Tests sind ein winziger Mosaikstein zur Normalität", sagt Stefan Schweidler, Schulleiter der Mittelschule in Marktoberdorf. Obwohl die Tests schon länger im Gespräch seien, habe ihn die Pflicht überrascht. "Trotzdem befürworte ich die Tests absolut." Wie die Mittelschule und weitere Allgäuer Schulen das allerdings stemmen können, sei noch ein Rätsel.

Die gute Nachricht sei, dass Selbsttests in ausreichender Zahl in der Mittelschule in Marktoberdorf vorhanden sind. Und das nicht nur in dort. Laut Karin Weikmann, Schulamtsdirektorin und stellvertretende fachliche Leiterin im Landratsamt Ostallgäu, seien Tests vorrätig und bereits an die Ostallgäuer Grund- und Mittelschulen verteilt, für die das Landratsamt zuständig ist. "Dass die Tests an den Schulen benötigt werden, ist ja schon länger bekannt", sagt Weikmann. Daher laufen die Vorbereitungen bereits eine Weile.

Die Ostallgäuer Schulen konnten bereits vor den Osterferien im Landratsamt Ostallgäu melden, wie viele Schüler sie haben. So seien ausreichend Selbsttests bestellt worden. In Marktoberdorf und Kaufbeuren gibt es laut Weikmann zentrale Abholstellen, wo die Schulen sich mit neuen Selbsttests versorgen können. "Wir gehen davon aus, dass die regelmäßige Nachlieferung klappt."

Einverständniserklärungen der Eltern für die Selbsttests kommen nur langsam zurück

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Damit Schüler die Tests auch an den Schulen machen können, müssen die Eltern im Voraus eine Einwilligungserklärung unterschreiben. Bereits vor den Osterferien haben die Ostallgäuer Grund- und Mittelschulen diese Einverständniserklärungen an die Eltern verschickt.

"Bei uns tröpfeln die unterschriebenen Einverständniserklärungen nur langsam ein", sagt Schulleiter Schweidler. "Ich habe keine genauen Zahlen, aber ich kann auf jeden Fall sagen, dass sie nicht flächendeckend unterschrieben wurden."

Von einigen Eltern habe er gehört, dass sie gegen die Tests seien, nur um selbst nicht in Quarantäne zu müssen. "Das wäre eine höchst bedenkliche Entwicklung, wenn es tatsächlich so wäre." Ein weiterer Grund für die Ablehnung der Selbsttests sei die Frage, was mit dem Kind passiere, wenn der Test positiv ist. "Das ist natürlich eine sehr unangenehme Situation für den Schüler und eine Belastung für den Lehrer." Ein positives Testergebnis zu verheimlichen, sei nicht möglich. Dabei stelle sich die Frage, wie Lehrer, Schüler und Mitschüler mit der Situation umgehen. Es bestehe laut Schweidler die Gefahr, dass Mitschüler gemein seien und das positiv getestete Kind auslachen. "Diese Sorge kann ich natürlich verstehen."

Corona-Testpflicht an Schulen kosten Zeit

Wie die Tests ablaufen sollen, ist noch unklar. Vor allem bei jüngeren Schülern stelle sich diese Frage: "Lehrer dürfen die Tests nur beaufsichtigen und nicht eingreifen", sagt Schweidler. Es sei fraglich, ob Grundschüler, Fünft- und Sechstklässler die Tests ernst nehmen und richtig machen, sagt Schweidler. "Je älter die Schüler, desto besser klappt es vermutlich."

Natürlich kosten die Tests zweimal in der Woche auch Zeit, sagt der Schulleiter. "Aber der zeitliche Aspekt ist meiner Meinung nach unwichtig." Auch wenn die Testung zweimal wöchentlich eine halbe Stunde dauere, "in diesem Schuljahr ist das völlig egal".

Eine weitere Möglichkeit für Eltern, die die Selbsttests an Schulen ablehnen, seien regelmäßige PCR-Tests, sagt Schulamtsdirektorin Weikmann. "Mit einem negativen PCR-Test zweimal pro Woche muss ein Schüler keinen Selbsttest machen." Dabei sei jedoch die Frage, ob es praktikabel ist, zweimal wöchentlich mit dem entsprechenden Vorlauf einen PCR-Test in den Ostallgäuer Testzentren zu machen. Eltern, die beide Möglichkeiten ablehnen, dürfen ihr Kind beurlauben lassen.

Corona-Regeln: Schulöffnung nach den Osterferien hängt vom Inzidenzwert ab

Nach den Osterferien gilt in Bayern: Wechselunterricht bei Inzidenz unter 100, Distanzunterricht bei Inzidenz über 100. Die vierten Klassen und die Abschlussklassen sind aus dieser Regelung ausgenommen. Bei den hohen Inzidenzen ist es laut Weikmann "nicht realistisch", dass die Schulen am Montag öffnen. Daher betreffe die Testpflicht in der kommenden Woche zunächtst nur wenige Schüler. "Das ist ein Vorteil", sagt Schweidler. "So haben wir etwas Vorlauf und können Erfahrung sammeln."

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