Nachhaltiges Projekt in Marktoberdorf

Reparieren statt Wegwerfen: Marktoberdorfer Tüftler hauchen alten Dingen neues Leben ein

Peter Riedel (rechts), erfahrener Elektronik-Reparateur, versucht, dem Radio von Dennis Hoge-Sokolowski aus Günzach, Töne zu entlocken.

Peter Riedel (rechts), erfahrener Elektronik-Reparateur, versucht, dem Radio von Dennis Hoge-Sokolowski aus Günzach, Töne zu entlocken.

Bild: Wolfgang Hepke

Peter Riedel (rechts), erfahrener Elektronik-Reparateur, versucht, dem Radio von Dennis Hoge-Sokolowski aus Günzach, Töne zu entlocken.

Bild: Wolfgang Hepke

Tüfteln, schrauben, ölen und nebenbei Kaffee und Kuchen genießen. Im Repair-Café in Marktoberdorf setzen sich Ehrenamtliche der Wegwerfgesellschaft zur Wehr.
01.10.2021 | Stand: 11:30 Uhr

So manches Teil landet schon mal nach kurzer Zeit im Müll – auch wenn nur ein Schalter defekt oder ein Kabel lose ist. Das kann in Zukunft anders aussehen. „Reparieren statt Wegwerfen“, heißt es jetzt auch in Marktoberdorf. In der Salzstraße 10, im Gebäude der Arbeiterwohlfahrt (AWO), haben sich nun einige Ehrenamtliche zum ersten Repaircafé-Treffen in Marktoberdorf zusammengefunden.

Die Veranstaltung organisierte das Bündnis Nachhaltiges Marktoberdorf in Kooperation mit der AWO. Beim gemeinsamen Treffen wurden alten Gegenständen neues Leben eingehaucht.

Repair-Café Marktoberdorf: Gemeinsam wird getüftelt, geschraubt und geölt

Die Ehrenamtlichen haben es sich zur Aufgabe gemacht, Defekte zu finden, Gebrauchsgegenstände wieder „in die Gänge“ zu bringen oder das eine oder andere Teil zu ersetzen. Und es wird getüftelt, geschraubt, geölt, geschmiert, miteinander gefachsimpelt, aber auch nebenbei mal ein Stück Kuchen oder der Kaffee probiert.

Von einem Radio, das keinen Ton mehr von sich gab, über einen Staubsauger, der schwer lief und quietschte, einen Aktenvernichter, der seinen „Geist“ aufgab, bis hin zu einer Nähmaschine, die nicht mehr funktionierte: Die ehrenamtlichen Reparateure zeigen im Beisein der Besucherinnen und Besucher ihre fachlichen Qualitäten und erklären so manches Innenleben. Laien und Experten arbeiten gemeinschaftlich zusammen.

Die angemeldeten Besucher bekommen beim Eintritt einen „Laufzettel“, auf dem neben Namen und Adresse, der Defekt des Gerätes beschrieben wurde. Sind es Kleinigkeiten, wird vor Ort repariert, bei Bestellung von Ersatzteilen dauert es etwas entsprechend länger. „Wir wollen ein Zeichen setzten“, sagt Michael Korn, der mit Wolfgang Seidler und Georg Rüppl das Repair-Café in Marktoberdorf ins Leben gerufen hat.

Menschen sollten bewusster mit Ressourcen umgehen

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Die Menschen sollen die Gegenstände mehr wertschätzen und nicht gleich zum Wertstoffhof bringen, wenn mal eine Schraube fehlt, sagt Michael Korn. Nachhaltigkeit stehe mit an erster Stelle. Bewusster kaufen, bewusster leben und bewusster mit allem umgehen, vor allem mit den Ressourcen, die nicht für alle Zeit und nicht für alle Menschen zur Verfügungen stehen.

Peter Riedel, schon ein „alter Hase“ auf dem Gebiet der ElektroReparaturen, unterstützt das Team in Marktoberdorf. „Bei uns zählt die Hilfsbereitschaft, nicht die Zeit“, sagt Riedl und baut das Innenleben des Radios auseinander, das Dennis Hoge-Sokolowski aus Günzach mitgebracht hat. Riedel hat schon Erfahrungswerte aus den anderen Repaircafés in Kaufbeuren und Schongau. So liegt in den anderen Städten die Erfolgsquote bei 66 Prozent.

Marktoberdorfer Tüftler: "Wir wollen uns einer Wegwerfgesellschaft zur Wehr setzen"

Dieser gute Wert spornt auch die ehrenamtlichen Helfer in Marktoberdorf an. Sogar AWO-Hausherr Georg Rüppl schraubt mit und unterstützt Michael Korn, der auch beruflich in der Elektronikwelt zuhause ist. „Wir wollen aber keine Konkurrenz zu den Fachgeschäften sein. Wir wollen uns einer Wegwerfgesellschaft zur Wehr setzen“, sagt Korn. „Wir nehmen auch gerne weitere Fachleute auf, die sich mit den Gegenständen der heutigen Zeit gut auskennen oder versierte Bastler sind.“

Ein Termin für das nächste Treffen steht noch nicht fest, aber er wird rechtzeitig in der Allgäuer Zeitung veröffentlicht. Übrigens: Das Radio ohne Ton konnte Peter Riedel in der kurzen Zeit nicht reparieren. Er hat es mit nach Hause genommen, um in Ruhe den Fehler zu finden und den Apparat wieder zum Laufen zu bringen.

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