Alte Pistolen in Ruderatshofen entdeckt

"Damit wollen wir nichts zu tun haben!" Gläubige machen mysteriösen Fund auf Dachboden von Pfarrkirche

Bei Aufräumarbeiten im Dachstuhl der Pfarrkirche St. Jakobus in Ruderatshofen wurden zwei alte Pistolen entdeckt.

Bei Aufräumarbeiten im Dachstuhl der Pfarrkirche St. Jakobus in Ruderatshofen wurden zwei alte Pistolen entdeckt.

Bild: Hepke, Schilder, Lingg, Fotomontage: Almut Kammerl Almacellas

Bei Aufräumarbeiten im Dachstuhl der Pfarrkirche St. Jakobus in Ruderatshofen wurden zwei alte Pistolen entdeckt.

Bild: Hepke, Schilder, Lingg, Fotomontage: Almut Kammerl Almacellas

Sie trauten ihren Augen kaum. Gläubige Helfer haben bei Aufräumarbeiten auf dem Dachboden einer Kirche in Ruderatshofen zwei Waffen gefunden. Wem gehören sie?
10.03.2021 | Stand: 14:50 Uhr

Wenn Pfarrer Paratiyil Jinesh (41) von der Kanzel über Liebe und Frieden predigte, ahnte niemand was sich für im Dachboden der Kirche St. Jakobus in Ruderatshofen (Landkreis Ostallgäu) befand.

Bei Aufräumarbeiten machten ehrenamtlichen Helfer im Dachstuhl der 1733 erbauten katholischen Pfarrkirche nun eine verstörende Entdeckung: Sie fanden am Samstagmittag zwei alte Pistolen samt Magazin und Munition. Vermutlich hatten sie dort über Jahrzehnte zwischen Bauschutt und alten Balken gelagert.

"Die erste Pistole, die ich entdeckte, war in Pergament-Papier gewickelt. Als ich sie ausgepackte, wusste ich sofort was Sache ist", sagt Lothar Schilder. Der 59-jährige Vorsitzende des Pfarrgemeinderats Ruderatshofen war nicht weniger baff, als er wenig später eine zweite Pistole fand. Auf einer der Waffe sei der Schriftzug "SS" zu sehen gewesen.

Diese beiden Pistolen lagerten im Dachstuhl der Pfarrkirche in Rudratshofen.
Diese beiden Pistolen lagerten im Dachstuhl der Pfarrkirche in Rudratshofen.
Bild: Lena Lingg

Waffen im Dachstuhl einer lieblichen Allgäuer Kirche? Die ehrenamtlichen Helfer konnten es kaum glauben. "Damit wollen wir nichts zu tun haben", waren sie sich einig.

Polizei lobt "vorbildliches Verhalten" und appelliert: "Gefundene Waffen nie selbst transportieren"

Seit mehreren Wochen schuften bis zu 15 Gläubige am Wochenende gemeinsam im Dachstuhl der Kirche. Mit Schaufeln, Besen und den bloßen Händen befreien sie den Dachboden von Dreck und Schutt. Hintergrund: Statiker wollen demnächst routinemäßig das Bauwerk prüfen. Sie brauchen Zugang zu den alten Balken auf dem Mauerwerk.

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Ohne diese Arbeiten wären die beiden Waffen wohl nie ans Tageslicht gekommen. Jetzt gab es für die Helfer nur eine Devise: Kirchenpfleger Jakob Hefele (62) rief umgehend die Polizei.

Die Beamten lobten das Verhalten des Ruderatshofeners als "vorbildlich". Gefundene Waffen sollten demnach auf keinen Fall selbst zur Polizei transportiert werden. Nach Angaben von Dominic Geißler, Pressesprecher des Polizeipräsidium Schwaben Süd/West, werden die beiden Pistolen ans Landeskriminalamt weitergegeben. Dort würden Waffen in der Regel unbrauchbar gemacht und untersucht.

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Bei den Pistolen handelt es sich nach ersten Einschätzungen um eine braune Luger P08, die sowohl im Ersten als auch Zweiten Weltkrieg verwendet wurde, sowie um eine schwarze Fegyvergyar Frommer Stop. Doch wer hat sie in der Kirche versteckt? Ein Soldat, der heranrückende Truppen fürchtete? Oder gar ein reumütiger Waffennarr, der sie nach den Weltkriegen klammheimlich in der Kirche versteckte statt ihren Besitz ordnungsgemäß bei den Behörden anzuzeigen?

Vermutlich wird es darauf nie eine Antwort geben.

Die Katholiken in Ruderatshofen sind jedenfalls froh, dass die Pistolen mittlerweile aus ihrer Pfarrkirche verschwunden sind.

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