Ehrenamt

Rund um Marktoberdorf rettet auch die DLRG in Gewässern Leben

Rettungsboote, Einsatzwagen, koordinierter Einsätze mit anderen Hilfs- und Rettungsdiensten: Die DLRG ist breit aufgestellt – und übt den Ernstfall mehrmals im Jahr.

Rettungsboote, Einsatzwagen, koordinierter Einsätze mit anderen Hilfs- und Rettungsdiensten: Die DLRG ist breit aufgestellt – und übt den Ernstfall mehrmals im Jahr.

Bild: Mathias Wild

Rettungsboote, Einsatzwagen, koordinierter Einsätze mit anderen Hilfs- und Rettungsdiensten: Die DLRG ist breit aufgestellt – und übt den Ernstfall mehrmals im Jahr.

Bild: Mathias Wild

Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft hat über 500 Mitglieder in Kaufbeuren und im Ostallgäu. Diese investieren nicht nur ihre Zeit, sondern auch Geld.
04.08.2020 | Stand: 19:03 Uhr

Die Zahlen und Fakten sprechen eine deutliche Sprache. 50 Prozent der unter Zehnjährigen können nicht schwimmen. In Bayern steht Schwimmunterricht zwar auf dem Lehrplan – doch es fehlt oft an Bädern und Lehrern. In Deutschland sind im vergangenen Jahr 417 Menschen ertrunken. „Unsere Arbeit“, ist auch Stefan Bahner überzeugt, „ist heute wichtiger denn je“, sagt der Vorsitzende des Kreisverbandes Kaufbeuren/Ostallgäu in der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG).

Seit 40 Jahren engagiert sich Bahner nun schon ehrenamtlich bei der DLRG und weiß, wovon er spricht. Die Dienststelle liegt direkt neben dem Neugablonzer Freibad, die technisch hochwertigen Einsatzfahrzeuge und eines der beiden Rettungsboote sind in den Garagen unmittelbar am Gebäude untergebracht. Das zweite, größere Boot wartet in Füssen in den Räumen eines ehemaligen Baumarktes auf seinen Einsatz. Dort soll Stück für Stück ein weiterer Stützpunkt auf- und ausgebaut werden, von dem aus das südliche Ostallgäu schneller abgedeckt werden kann.

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Gut 500 Mitglieder zählt die DLRG in Kaufbeuren und dem Ostallgäu. Viele davon passiv und – mit einem Jahresbeitrag von 36 Euro – fördernd, sehr viele aktiv. Aktiv für das oberste Ziel, das bei der Gründung der DLRG mit ihren mittlerweile bundesweit 1,2 Millionen Mitgliedern Pate gestanden hat: „Wir tun alles, um die Bevölkerung vor dem Ertrinkungstod zu bewahren“, sagt Stefan Bahner, der sich auch hauptberuflich dem Helfen verpflichtet hat, bei den Allgäuer Johannitern nämlich.

Besonderheit Rettungshunde

Die Hilfsangebote der DLRG sind vielfältig, das Angebot gerade im Ostallgäu sehr breit aufgestellt. Da gibt es zum Beispiel die Schnelleinsatzgruppen. 40 bis 50 Leute sind 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr über Notruf-Piepser erreichbar, um im Fall der Fälle auszurücken. „Ob als Sanitäter, Einsatztaucher, Strömungsretter oder Bootsführer – wir stehen bei Notfällen am und im Wasser Gewehr bei Fuß“, sagt Bahner.

Eine Besonderheit dabei, die man auf Anhieb wohl nicht mit der Wasserrettung in Verbindung gebracht hätte: eine Rettungshundestaffel. Zum einen sind Personen-Spürhunde im Einsatz, die gezielt nach einer speziellen Person suchen können. Daneben gibt es die Flächensuchhunde, die zugewiesenen Suchgebiete auf menschliche Witterung hin checken. Und, natürlich, die Wasserortungshunde. „Die kommen zum Einsatz“, erzählt Stefan Bahner, „wenn eine Person als ertrunken gilt oder aber auch um auszuschließen, dass sich eine vermisste Person in einem Gewässer befindet.“ Nimmt der Hund Witterung auf und verbellt an einer bestimmten Stelle, kann ein Taucheinsatz zur Bergung gezielter stattfinden.

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Neben den Schnelleinsatzgruppen gibt es noch die Unterstützungsgruppe Sanitätseinsatzleitung, die bei größeren Unfällen zur Unterstützung etwa des Leitenden Notarztes eingesetzt wird. Daneben leitet der DLRG-Kreisverband Kaufbeuren/Ostallgäu noch einen von insgesamt 19 bayerischen Katastrophenschutzzügen, die bei Unwetter- und Hochwasserkatastrophen eingesetzt werden.

Um möglichst vielen Menschen eine gute Schwimmausbildung zukommen lassen zu können, ist die DLRG in Bayern eine Kooperation mit der AOK eingegangen. „Wir stellen zum Beispiel DLRG-Trainer ab, die Sportlehrer an Schulen beim Schwimmunterricht unterstützen“, sagt Bahner. Eiserne Grundregel hierbei: „Ein Schwimmkurs macht frühestens mit sechs Jahren Sinn. Vorher fehlt es oft am Ernst bei den Kindern oder schlicht auch den körperlichen Voraussetzungen.“ Für Ältere werden Rettungsschwimmkurse und Erste-Hilfe-Kurse angeboten. Kein leichtes Unterfangen, stehen in der Region zu Ausbildungszwecken doch nur die Hallenbäder in Marktoberdorf und Kaufbeuren zur Verfügung.

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„Helft den Helfern“

Schon immer war Bahner begeistert davon, dass sich sehr viele junge Menschen für ein Engagement in der DLRG interessierten, das unter anderem zweimal wöchentlich ein Schwimmtraining beinhaltet. Da es nun coronabedingt deutlich weniger Treffen und andere Aktivitäten gibt, sei natürlich die Gefahr gegeben, dass sich die Jugendlichen anderweitig umschauten: „Da müssen wir aufpassen, dass uns nicht etliche abspringen, die wir dann später nicht mehr zurückgewinnen können“, warnt Bahner.

„Helft den Helfern“ heißt eine DLRG-Aktion. „Wer bei uns mitmacht“, sagt Stefan Bahner, „muss nicht nur Zeit, sondern auch Geld mitbringen.“ So müssen die Aktiven sich selbst um ihre Schutzausrüstung kümmern. Für Einsatzhose, Schutzhelm, Sicherheitsschuhe und anderes kommen da schnell 500 Euro zusammen. Dazu addieren sich unter Umständen noch einmal 150 Euro für eventuell nötige Schutzimpfungen für den Katastrophenschutz, die nicht von den Krankenkassen übernommen werden.

Noch nie Nachwuchsmangel

Angesichts des nicht unbeträchtlichen finanziellen und zeitlichen Aufwandes ist Bahner stolz, dass es bislang bei der DLRG nie an Nachwuchs gemangelt hat. „Nur Bewerber für den Bundesfreiwilligendienst“, sagt Bahner, „könnten wir wie so viele andere soziale Einrichtungen gut gebrauchen.“